Um die Nahwärmeversorgung in Glatten ging es bei der Online-Bürgerversammlung. Foto: Müller Foto: Schwarzwälder Bote

Mehr als 70 Teilnehmer hatten sich zur Online-Bürgerversammlung zum Thema Nahwärme- und Breitbandnetz in Glatten zugeschaltet. Von Rolf Pfeifer, Geschäftsführer des Büros Endura Kommunal, seiner Mitarbeiterin Sarah Jenne und Bürgermeister Tore-Derek Pfeifer gab es nochmals etliche Informationen.

Glatten - Moderiert wurde die Versammlung von Sarah Berberich von Endura Kommunal. Die Teilnehmer konnten ihre Fragen über den Chat stellen.

Für weitere Planungen braucht es von allen Gebäude- und Grundstückseigentümern entlang des geplanten ersten Bauabschnitts des Nahwärme- und Breitbandnetzes noch Rückmeldungen. Alle Trassenanlieger haben von der Gemeinde einen Brief erhalten. Darin geht es um Tarifinformationen und Erläuterungen zur Nahwärme. Auch ein Rückantwortformular war beigelegt.

Zugrundegelegt wurde für die Nahwärme ein auf Daten des Quartierkonzepts beruhender fiktiver Tarif, der wirtschaftlich für Privathaushalte noch vertretbar erscheint. Dabei wird von 75 Anschlussteilnehmern ausgegangen.

Anfangs Pläne für Energiegenossenschaft

Die Nahwärme sei ein Thema, das in Glatten schon viele Jahre diskutiert werde, so Bürgermeister Tore-Derek Pfeifer. 2019 war die Gemeinde das Thema angegangen. Damals ging es aber noch um eine Energiegenossenschaft. Doch die Wirtschaftsdaten gaben ein solches Unterfangen nicht her. Ende vergangenen Jahres beschloss nun der Gemeinderat, dass die Gemeinde als Investor und Projektorganisator tätig sein soll, der Ausbau – bei Machbarkeit – also in kommunaler Regie betrieben werden soll. Es gelte, die bestehenden Immobilien auch mit Blick auf die demografische Entwicklung attraktiv zu halten, so Pfeifer. Bausteine dafür seien Breitband und die Nahwärme.

Rolf Pfeifer, Geschäftsführer der Endura Kommunal, sagte mit Blick auf die Preisentwicklung der verschiedenen Energieträger, dass der Heizölpreis sicherlich wieder steigen werde. Als weiteres Thema schnitt er die regionale Wertschöpfung an. Geld, das die Bürger für ihren Wärmebedarf ausgeben, bliebe so nachher in der Region. Zudem rechne man damit, auch Abwärmepotenziale von Betrieben in Glatten nutzen zu können. Der Rest, also etwa Dreiviertel des Bedarfs, soll nach aktueller Planung über Hackschnitzel sichergestellt werden. Zur Versorgungssicherheit soll es zwei Heizzentralen geben.

Angesichts der Sorge, dass das Holz ausgehen könnte, sagte Rolf Pfeifer, dass sich alle Experten einig seien, dass man in Deutschland in den kommenden Jahrzehnten ausreichend Holz habe.

Rolf Pfeifer ging auch auf die Funktionsweise der Nahwärme ein. Dabei kommt die Wärme über Leitungen in der Straße in die Häuser. Das Nahwärmerohr führt dann in den Keller zu einer Wärmeübergabestation.

Über Kosten, Preise und Vergleiche sprach Sarah Jenne. Aufgeteilt ist der Preis in die Segmente Grundpreis, Verbrauchspreis und Leistungspreis. Es sei schwierig, einen Preis zu kalkulieren. Daher nehme man einen auf ein Durchschnittshaus (mit 3000 Liter Heizölverbrauch) gerechneten Maximalpreis, der aber sinkt, wenn es mehr Abnehmer im Netz gibt. Diese Maximalpreise seien den Immobilienbesitzern bereits mit dem Fragebogen zugegangen. Seit diesem Jahr gebe es auch attraktive Förderungen, so Sarah Jenne.

2023 könnte der Betrieb beginnen

Bis Ende März sollen die Rückantworten ausgewertet werden, bis Mitte Juli werde dann das technische Konzept stehen. Bis Herbst werde ein Wärmetarif erstellt, und dann könnten Beratungsgespräche mit den Gebäudeeigentümern erfolgen, sagte Rolf Pfeifer über die weiteren Schritte. Im Herbst 2022 sollen die Arbeiten am Breitbandnetz beginnen. Bei genügend Anschlussnehmern starte dann auch die Arbeit am Wärmenetz. Im Sommer oder Herbst 2023 könne die Wärmelieferung auf dem ersten Trassenabschnitt voraussichtlich beginnen.

Der erste Abschnitt beginnt laut Bürgermeister Tore-Derek Pfeifer bei der Firm Woodward L’Orange, wo beim Weigold-Schuppen die Heizzentrale geplant ist, und läuft von dort runter in den Ortskern. Im ersten Wurf versuche man, den Großteil der Großverbraucher mit einzubeziehen, damit ein wirtschaftlicher Start möglich sei. Zudem fügte Pfeifer an, dass für ihn die Hackschnitzel als Brennstoff noch nicht in Stein gemeißelt seien.

Er habe auch kein Problem mit einem Blockheizkraftwerk. In Sachen Breitband habe man eine Sonderförderungen etwa fürs Schulzentrum bekommen, und eine Kombination mit Nahwärme wäre eventuell möglich. Er zeigte sich zuversichtlich, dass man bei der Nahwärme eine wirtschaftliche Lösung hinbekomme.

Ein Teil der Fragen der Zuschauer wurde noch während der Versammlung beantwortet, der Rest dann im Chat. Dabei ging es etwa darum, dass man mit einem Nahwärmeanschluss von gesetzlichen Verpflichtungen bezüglich alternativer Energien entbunden sei, oder dass man Wärme von privaten Solarthermieanlagen zwar nicht ins Netz einbringen, aber für die eigene Versorgung nach wie vor nutzen könne.

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