Die beiden Bier-Sommeliers Eberhard Heizmann (links) und Moritz Krahl führten durch die Online-Bierprobe von der Hochdorfer Kronenbrauerei. Foto: Kunert

"Damit hatten wir nicht gerechnet!" So 200, 300, wenn’s richtig gut läuft vielleicht 400 Anmeldungen. Am Ende waren es weit mehr als 1000 Teilnehmer, die bei der Hochdorfer Online-Bierprobe dabei sein wollten. "Wir sind völlig überrannt worden", so Brauerei-Chef Eberhard Haizmann.

Nagold - Vielleicht lag es an dem besonderen Termin – der Abend vor dem 1. Mai –, der in diesem Jahr bekanntlich wegen der Pandemie ohne (andere) Partys auskommen musste. Oder doch einfach an der tollen Idee vom Schwarzwälder Boten und den leckeren Bieren, die es im Rundum-Sorglos-Paket zur Online-Bierprobe zu kaufen gab. Dabei die neuesten Kreationen der Kronenbrauerei. Und reichlich passende "Foodpairing"-Produkte, die für ganz besondere Geschmackserlebnisse beim Bier-Verkosten sorgen sollten.

Technische Hürden sorgen für Verspätung

Doch erstmal gab es im Nagolder Teufelwerk, von wo aus die Online-Bierprobe ins Internet gestreamt werden sollte, einige technische Hürden zu überwinden. "Wir hatten einen falschen Link", erläuterte Teufelwerk-Sendeleiter Sebastian Kalmbach später. Aber nach ein bisschen Hektik war auch dieses Problem bewältigt: Mit einem neuen Link, der sich zum Glück auch relativ schnell unter der wartenden Bier-Fans verbreitete, konnte das ganz besondere Nagolder Genuss-Programm mit knapp 20 Minuten Verspätung starten. Was aber letztlich nur die Vorfreude steigern sollte.

"Flüssigkeit gibt’s heute genug, der Durst ist groß!", kommentierte Braumeister, Biersommelier und Haizmann-Schwiegersohn Moritz Krahl – um ohne weitere Umschweife endlich die erste Flasche des Abends zu öffnen. Übrigens keine gewöhnliche Flasche: Das neue Hochdorfer Kronenbräu Hell kommt – wie auch die zweite Novität, das Kellergold – in einer schon auch "historischen" Euro-Flasche daher, ein "bisserl inspiriert", wie Eberhard Haizmann noch kurz vor den Live-Show erklärte, von einem "Keller-Fund" vor ein paar Jahren, als eine vergessene Flasche Hochdorfer aus den 1960ern wieder aufgetaucht war. Und mit ihrem nostalgischen Charme nicht nur die Hochdorfer Brauer-Familie begeistern konnte.

Aber so schön "das Helle" in seiner schlicht-schmucken Falsche anzusehen ist – wie ist es nun, das neue Hochdorfer? "Ein helles Strohgelb mit schönem weißen Schaum", schmachtet Biersommelier Krahl stellvertretend für die Massen daheim vor den Bildschirmen dem edlen Tropfen entgegen. Dann der erste Schluck: "Leichte Aromen von hellem Weißbrot" und "rund und ausgewogen im Abgang". Wobei der Bier-Profi vielleicht etwas zu nüchtern analysiert – denn das "neue Helle" von Hochdorfer ist schlicht der Hammer: praller Geschmack mit einem ganz eigenen Charakter. Krasser Kandidat für ein ultimatives Lieblingsbier.

Für 2000 Fass Bier blieb nur der Ausguss

Vielleicht kann Bauerei-Chef Haizmann deshalb auch von "einem sehr guten März und einem ebenfalls guten April" beim Hochdorfer Bier-Absatz berichten, die "die Ausfälle aus der geschlossenen Gastronomie" etwas wieder auffangen konnten: Die neuen Produkte – eben das "Helle" wie auch das in der Verkostung folgende Kellergold – sind vom Start weg echte Publikums-Lieblinge. Allerdings wird Haizmann später auf eine entsprechende Frage, die die Zuschauer und Teilnehmer der Online-Bierprobe per Chat ins Teufelwerk schicken konnten und die Braumeister Julian Schwertle von seinem Platz aus an die beiden Sommeliers in den Pausen zwischen den einzelnen zu verkostenden Bieren weiterreichte, berichten, dass trotzdem in den letzten Wochen "rund 2000 Fass Bier" auch bei Hochdorfer weggeschüttet werden mussten.

Ein Teil der Biere, die eigentlich für die Gastronomie geplant waren und wegen des Dauer-Lockdowns nicht verbraucht wurden – und die Hochdorfer von den betroffenen Gastronomen aus Fairness zurückgekauft hatte – konnten zwar an regionale Bäcker abgegeben werden, die daraus "Bierbrot" machten. Aber die schiere Menge konnten auch die nicht verarbeiten – weshalb für das meiste der überschüssigen Ware nur der Ausguss blieb. Eine der bitteren Seiten der Pandemie.

"Aber unser eigener Qualitätsanspruch erlaubt es nicht, unser Bier über ein abgelaufenes Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus zu gebrauchen", so Moritz Krahl – auch wenn Bier "eigentlich" niemals schlecht wird.

Gummibärchen als untypische Bier-Begleiter

Aber zurück zur Online-Bierprobe: Zum "Hellen" gab’s als Foodpairing Gummibärchen, "um das Bier drüberlaufen zu lassen", wie Haizmann und Krahl empfahlen. Was im ersten Moment seltsam, aber dann doch ganz spannend funktionierte. Wobei Gummibärchen "nicht wirklich" typisch als Bier-Begleiter seien, aber andererseits: "Bier passt zu allem", weiß der Brauer. Das Helle als besonders leichtes Bier aber eben besonders zu "Suppen, Salaten und Eintöpfen". Aber "Suppe ist schwierig zu verschicken", weshalb im Paket zur Bierprobe eben die Gummibärchen zu finden waren.

Und die Bratwurst von Metzger Reinhardt – beziehungsweise: In 600 verschickten Paketen zur Bierprobe gab’s diese ebenfalls regionale Aroma-Bombe als Geschmacks-Turbo für das neue Kellergold von Hochdorfer. "Mehr gab’s leider nicht!" Was heißt, die Hälfte der Mit-Verkoster daheim musste leider ohne dieses nach genauso hohen Qualitäts-Maßstäben wie das Hochdorfer Bier produzierte Aushängeschild Nagolder Genussmittel auskommen. Einfach irgendeine andere Wurst ins Paket zu packen – "das geht nun mal nicht!" Weil’s eben nicht das gleiche wär, so Eberhard Haizmann. "Wir hatten mit dieser gewaltigen Nachfrage wirklich nicht gerechnet".

Es folgten in der Verkostung noch Hochdorfer Klassiker wie die Pilskrone (Eberhard Haizmanns persönliches Lieblingsbier aus seinem Sortiment), natürlich – am Vorabend des 1. Mais – der Maibock, das Eisbock Weizen und zum Abschluss der Hochdorfer Bierbrand. Gut zwei herzhafte und herrliche Genuss-Stunden, vollgepackt mit reichlich spannenden Informationen über die mittlerweile CO2-neutrale und nahezu komplett auf regionalen Rohstoffen beruhende Produktion bei Hochdorfer. Wobei es wohl auch noch einige "Trittbrettfahrer" der Online-Bierprobe gab: Über 2000 Klicks des auch weiterhin bei Youtube (Stichwort: Hochdorfer Live-Stream) abrufbaren Videos zeugen von der übergroßen Resonanz dieser ganz besonderen TV-Show.

Eberhard Haizmanns passendes Schlusswort: "Wir hoffen auf ein baldiges Wiedersehen, hoffentlich in einem echten tollen Biergarten!". Richtig. Prost!

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