Mit dem Angebot ermöglicht die Stadtverwaltung eine Online-Beratung zu ausgewählten Services. Unter anderem können Geburtsurkunden nun problemlos von zuhause geordert werden.
„Wir leben in bewegten Zeiten“, erklärte Oberbürgermeister Markus Ibert auf einer Pressekonferenz. In der vergangenen Zeit lese man viel von Künstlicher Intelligenz – und damit auch von Aspekten, die das Leben irgendwann einfacher, schneller, besser, schöner und angenehmer machen sollten. In diese Kerbe will die Stadtverwaltung nun auch mit dem Pilotprojekt „Virtuelles Rathaus“ schlagen.
Ab Dienstag können über die Homepage der Stadt Lahr Meldebescheinigungen, Führungszeugnisse, Steuer-IDs und Urkunden beantragt sowie Wohnsitze an-, ab- oder umgemeldet werden. „Es ist ein Testlauf, wir sammeln Erfahrungen“, so Lucia Vogt, Leiterin des Ordnungsamts. Wenn diese positiv ausfielen, wovon man fest ausgehe, solle das Angebot auf die restliche Verwaltung ausgeweitet werden – zumindest auf alle Bereiche, die externe Dienstleistungen anbieten. „Es gibt noch ganz viele Dienstleistungen, die integriert werden können“, so Vogt. Geschult sind bereits Mitarbeiter aus Wohn- und Rentengeldstelle.
Digitalisierungskoordinator David Mülhaupt führt beispielhaft durch das Prozedere. Benötigt wird lediglich ein internetfähiges Gerät mit Mikrofon und Kamera. Auf der städtischen Homepage www.lahr.de (siehe Info) erreichen Nutzer das „Virtuelle Rathaus“ über die Reiter „Stadt und Verwaltung“ und „Bürgerservice“.
Auch die Bezahlungläuft komplett online
Dort wird zunächst ein Termin vereinbart – zum Teil können diese noch für denselben Tag gebucht werden. Es ist auch vermerkt, wie lange der Vorgang ungefähr dauert. Nach der Terminvergabe erhalten die Nutzer eine Bestätigungsmail. In dieser befindet sich ein Link, der zum Video-Gespräch mit einem zuständigen Mitarbeiter führt. Diese lassen sich zunächst über die Kamera den Ausweis zeigen und beantworten Rückfragen.
Anstelle einer klassischen Unterschrift geben Bürger eine sogenannte Hidden-Tan ein. Nach der Bezahlung via Giropay, Paypal oder Kreditkarte können Quittung und Bestätigung heruntergeladen werden. Lediglich Urkunden werden weiterhin ausgedruckt per Post verschickt.
Angebot als Gemeinschaftswerk der Verwaltung
Beim Pressetermin mimt Vogt im Video-Call mit Elke Albietz, Mitarbeiterin des Bürgerbüros, die Bestellung eines amtlichen Führungszeugnisses, Ibert gibt derweil vor, eine Geburtsurkunde zu ordern. Albietz beantwortet alle Fragen und leitet durch den Vorgang. Zwar hakt die Technik an einigen Stellen noch etwas. Zum Start am Dienstag soll dann aber alles rund laufen.
Digitalisierung heißt für Ibert, als Teil von Prozessoptimierung das Handwerkszeug für effizienteres und bürgernäheres Arbeiten zu haben. An oberster Stelle stehe für die Stadtverwaltung die Aufgabenerfüllung – diese solle sich mit dem „Virtuellen Rathaus“ für den Bürger nahbarer, schneller und einfacher gestalten. Doch auch die Verwaltungsmitarbeiter sollen dank des Pilotprojekts ein Stück weit besser mit der intensiven Aufgabenfülle umgehen können. „Das Projekt wird uns in die Zukunft führen“, ist sich Ibert sicher. Als Bürger spare man viel Zeit.
Wichtig ist es dem Rathauschef zu betonen, dass nicht nur das Amt für Digitalisierung und IT in das Projekt eingebunden sei. Vielmehr sei es extrem wichtig, dass auch Ansätze und Impulse aus einzelnen Abteilungen und Ämtern kommen. „Es ist ein Gemeinschaftswerk der Verwaltung“, fasst Ibert zusammen.
Bayerischer Dienstleister
Das „virtuelle Rathaus“ ist ab Dienstag auf der städtischen Homepage erreichbar. Für das Projekt arbeitet die Stadtverwaltung mit dem Dienstleister Sync Pilot aus Augsburg zusammen. Pilotkommune war die Stadt Heidelberg. In der Ortenau gibt es derzeit keine weitere Kommune, die das virtuelle Rathaus einsetzt. Von den ersten Gesprächen bis zur jetzigen Einführung dauerte es in Lahr anderthalb Jahre.