Macht sich als Komiker nackt für uns: Teddy Teclebrhan Foto: Amazon Prime/Frank Zauritz

Teddy Teclebrhan wuchs als Flüchtlingskind aus Eritrea in Mössingen auf. Nun bringt er in der neuen Amazon-Prime-Show „One Mic Stand“ Promis bei, lustig zu sein, verrät im Interview wie ihn der schwäbische Humor geprägt hat – und macht Werbung für Mundart.

Tedros „Teddy“ Teclebrhan hat schwäbischen Witz im deutschsprachigen Raum verbreitet. Nun steht er im Zentrum der Show „One Mic Stand“ (OMS).

 

Herr Teclebrhan, wie haben Sie den schwäbischen Humor für sich entdeckt?

Ich finde Mundart total wertvoll, sie ist ein besonderer Teil unserer Kultur. Ich bin in Mössingen aufgewachsen und hatte viele Einflüsse: meine eritreischen Wurzeln, türkische Schwaben, italienische Schwaben, Schwaben-Schwaben. Wir sind rumgehangen und haben rumgealbert. Ein Freund von mir hat Gôgenwitze aus Tübingen erzählt, und ich fand den Humor so krass, so ehrlich: Mir egal, ob du mich magst oder nicht!

Bei „LoL“ waren Sie der Sieger der Herzen, Torsten Sträter hat halt nur nicht gelacht. Wie war das für Sie selbst?

Ich gehe da rein wie Free Jazz. Ich improvisiere und schaue, dass ich mich selbst zum Lachen bringe. Bei „LoL“ war das ein schmaler Grat, da war ich immer in der Gefahr, mich selbst rauszuschmeißen. Und bei den Kollegen, die schon so lange dabei sind, dachte ich: Okay, krass, ich bin mir nicht sicher, ob die meinen Humor checken. Das war schon anders als sonst.

Sie haben in „One Mic Stand“ mehrere Rollen. Wie behält man da den Überblick?

Ich habe ja bei meinen Shows auch eine Band dabei. Gespürt habe ich es nur bei meiner eigenen Sendung mit Fahri Yardim. Da habe ich komplett vergessen, was wir zur Anmoderation besprochen hatten. Also habe ich einfach gemacht. Wir haben binnen vier Tagen zwei Shows pro Tag aufgezeichnet. Das war zwar ein Ritt, ging aber voll klar, weil es eine intensive Vorbereitung gab.

Wie viel Einfluss hatten Sie in der Entwicklung der Show?

Für mich gehört alles zusammen, Stand-up-Parts, Rollenspiele, Figuren, Musik, so wie beim amerikanischen TV-Klassiker „Saturday Night Live“, alles auf Rhythmus, alles ist Timing. Ich hatte immer das Bild im Kopf, wie Harald Schmidt auf die Bühne läuft, und da war kein Club, sondern ein großes Theater mit einer großen Band. Die haben gesagt: Okay, wie viele Musiker, vier? Eine vierköpfige Band nimmt man kaum wahr, ich finde, das muss eine Ansage sein! Ich also: 21. Ich habe denen ein Video von Sammy Davis jr. geschickt: So eine große Show sehe ich! Und dann waren die total offen, ich habe jetzt 17 Leute auf der Bühne mit Backgroundsängerinnen. Das habe ich so noch nie erlebt.

Wie ist die Musik entstanden?

Ich habe mit dem Stuttgarter Pianisten und Produzenten Lilo Scrimali im Studio kreiert, kreiert, kreiert. Das war viel – aber sie haben mir vertraut und uns drei Monate lang machen lassen. Wenn Lilo die Tasten drückt, ist es so, als wären seine Hände und sein Klavier verbunden mit dem kreativen Part meines Gehirns, ich habe sofort eine Melodie dazu. In dem Song, zu dem ich auf die Bühne gehe, sollten die ganzen Zweifel, die Unsicherheiten, aber auch die guten Gedanken drinstecken, die man vor einem Auftritt hat. Dann kommt der Refrain, „I think you got this“, die Erleichterung. Als wir den Song hatten, war der Knoten gelöst.

Die Rolle des Sängers liegt Ihnen offenbar – haben Sie schon mal darüber nachgedacht, nur mit Musik aufzutreten?

Das ist tatsächlich immer mehr geworden. Jetzt möchte ich ein Album rausbringen, eine Club-Tour machen und schauen, wie die Menschen das mögen. Als ich noch gekellnert habe, fand ich die besondere Stimmung großartig, wenn Musiker da waren. Ich denke an 100 bis 200 Leute, das ist so nah, dass man noch miteinander sprechen kann.

Wie war das als Coach bei „OMS“ mit dem Schauspieler Fahri Yardim, der voller Selbstzweifel ist?

Ich habe schon vor Jahren zu ihm gesagt: Mach mal ein Bühnenprogramm, das wird super! Er ist ja ein toller Schauspieler. Und einer der Menschen, mit denen ich total ernste Sachen besprechen kann und der mich gleichzeitig zum Lachen bringt.

Speist sich gute Stand-up-Comedy wirklich aus den eigenen Schwächen, wie Ihre Kollegin Hazel Brugger sagt?

Ich glaube, unsere Position auf der Bühne ist die: Ich mache mich nackt, um euch zu befreien von euren Unsicherheiten. Wenn jemand ehrlich und authentisch ist und die Leute spüren das, macht das was mit ihnen. Wenn wir sie zum Lachen bringen, ist das heilsam: Nehmt das Leben nicht so schwer!

Als Moderator haben Sie alle Beteiligten erlebt auf der Bühne. Waren die Comedy-Schüler sehr nervös?

Alle waren aufgeregt, und es war total entzückend und spannend zu sehen, wie sie es hinbekommen haben. Viele denken, dass Comedians nur ein bisschen auf der Bühne herumalbern, und ich habe einen Respekt für diese Kunst gespürt, eine Wertschätzung. Lilo und ich haben jedem Künstler einen Song gewidmet: Ganz egal, was du ablieferst, wir fangen dich auf und feiern dich!

Einmal sind Sie parallel als Antoine und Percy zu sehen, die mal wieder im Clinch liegen. Wie scharf trennen sie die?

Meistens ist total klar, wem die Geschichte gehört, wegen der Denkweise. Den Satz „Das ist eine hässliche Küche“ würde jede Figur anders sagen, und es wäre irgendwie anders lustig. Bei meiner aktuellen Tour ist es tatsächlich so, dass ich eine Nummer zwischen Percy und Antoine hin- und hergeworfen habe, und das hat super funktioniert.

Und Ihr Bioschwabe Ernst Riedler?

Der hat eine Sonderrolle. Er will Gutes tun, aber es fällt ihm halt schwer. (atmet schwer, seufzt – und lacht dann)

Der Moderator und die Show

Tedros „Teddy“ Teclebrhan
 Geboren 1983 in Asmara, Eritrea, kam er mit sieben Monaten als Flüchtlingskind nach Mössingen, wo er aufgewachsen ist. Er hat ein Comedy-Format entwickelt, das er auf Youtube, im TV und auf der Bühne einsetzt. Seine Figuren Antoine Burtz, Percy, Lohan Cohan, Ernst Riedler und Carlos sprechen Schwäbisch, oft mit migrantischen Akzenten.

One Mic Stand
 Stand-up-Profis coachen Laien bis zum Auftritt: Harald Schmidt die Fußballer Mats Hummels und Christoph Kramer, Michael Mittermeier die Tänzerin Motsi Mabuse, Teddy Teclebrhan den Schauspieler Fahri Yardim, Torsten Sträter das Model Lorena Rae, Hazel Brugger den SPD-Politiker Karl Lauterbach.