Am Sonntag fand erneut eine Demonstration gegen den Rechtsruck in Deutschland statt. Initiator war der Verein Omas gegen Rechts. Rund 1000 Menschen lauschten den Redebeiträgen.
Die Menge bewegte sich gemächlich und mit lauten Pfiffen vom Europaplatz aus in Richtung Vorstadtplatz. Laut Angaben der Polizei war die Menge bis dahin auf etwa 1000 Demonstranten angewachsen. Die Stimmung war friedlich aber ernst.
Auf dem Vorstadtplatz angekommen ergriff Anna Ohnweiler, die Nagolder Gründerin des Vereins Omas gegen Rechts, zuerst das Wort. Sie freute sich auf eine interessante Liste an Rednern. Doch zunächst erklärte sie, wer die Omas gegen Rechts sind. Der Verein, so brachte sie es auf den Punkt, setze sich für Demokratie, Toleranz, Respekt und einen verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt ein. „Extremisten werden von uns bekämpft.“
Helmuth Riegger, Landrat aus Calw, sprach im Anschluss davon, dass es ihn „stolz und glücklich“ mache, dass so viele gemeinschaftlich auf die Straße gingen und eine Grundordnung verteidigen, „um die uns viele in der Welt beneiden“. Er verwies weiter auf die Kommunalwahlen sowie die Wahlen zum Europäischen Parlament, die im Juni 2024 anstehen. „Wir haben es alle in der Hand.“
„Wir sind nicht fremd. Wir werden fremd gemacht“
Nagolds Oberbürgermeister Jürgen Großmann zeigte sich stolz beim Anblick der vielen Menschen, die ein selbstbewusstes Zeichen gegen Rechts setzten. „Sie stehen auf“, verkündete er, „Sie lassen es nicht zu, dass zum zweiten Mal die Demokratie zerstört wird.“ Und er stellte klar: Er sei dankbar, dass so viele für eine vielfältige Gesellschaft demonstrieren. Doch man müsse darüber hinaus aktiv werden. Auf der Straße, in Betrieben, in Schulen müssten Menschen für Demokratie und die Freiheit werben. Die Demonstration an diesem Tag sei ein schönes Zeichen, doch morgen sei es die Aufgabe nachzudenken, wie es weitergehen könne.
Elif Karayagiz, vom Dachverband der Jugendgemeinderäte, brachte eine weitere maßgebliche Perspektive ein. Sie setzte bei sich persönlich an und dem türkischen Migrationshintergrund ihrer Familie. Im Alltag würde ihr oft vermittelt, nicht dazuzugehören. Auch sie kenne die leidlich bekannte Frage danach, wo sie denn eigentlich herkomme. „Wir sind nicht fremd“, erklärt sie, „Wir werden fremd gemacht.“
„Das gehört sich nicht. Das ist unanständig“
Als nächstes ergriff der ehemalige Nagolder Oberbürgermeister Rainer Prewo das Mikrofon. Geboren Ende November 1945 im zerbombten Zuffenhausen, erzählte er davon, dass es ihm rückblickend bewusst sei, dass damals viele gute Jahre in Deutschland vor ihm gelegen haben.
Und damit das auch in Zukunft so sein kann, müssten „wir uns als Gesellschaft darauf einigen, diese Demokratie zu verteidigen – über alle Parteigrenzen hinweg, Hauptsache Demokrat. „Stärke muss wieder aus der bürgerlichen Gesellschaft kommen. Für die Demokratie.“ Und wer durch rassistische Bemerkungen auffalle, dem müsse man klar sagen: „Das gehört sich nicht. Das ist unanständig.“
In der DNA der Gewerkschaften
Dorothee Diehm von der IG Metall bezog sich inhaltlich maßgeblich direkt auf die AfD. Seit den Tagen, an denen ihre Büros durch die Sturmabteilungen der NSDAP gestürmt worden waren, sei der Kampf gegen Rechts ein Teil der DNA der deutschen Gewerkschaften. Die Politik der AfD richte sich gegen die Interessen von Arbeitnehmern – dementsprechend lehne sie den Mindestlohn genauso ab wie den Kündigungsschutz. AfD zu wählen sei für sie immer eine schlechte Entscheidung.
Zum Ende hin ergriff auch Saskia Esken, die Bundes-Parteichefin der SPD und Bundestagsabgeordnete des Landkreis Calw, das Wort. Sie erinnerte alle daran, dass die deutschen Nationalfarben – Schwarz, Rot und Gold – die Farben der Republik sind. Und mit Nachdruck zu der Menge gewandt: „Das sind unsere Farben.“