Jamaika ist wieder bei den Olympischen Winterspielen vertreten - wieder mit einem Zweierbob-Team. Winston Watt und sein Anschieber Marvin Dixon erhielten vom Weltverband FIBT einen Quotenplatz zugesprochen.

Ein Bob-Team aus Jamaika im Eiskanal ist immer noch aufregend. In Sotschi ist es nach zwölf Jahren wieder soweit: Der Karibik-Staat schickt zwei Exoten ins Rennen. Bei Sportfans werden wieder Erinnerungen an einen bekannten Film wach.

Berlin - „Cool Runnings“ lässt grüßen: 24 Jahre nach Jamaikas olympischer Bob-Premiere kommt es in Sotschi zur erneuten Teilnahme der Exoten aus dem Inselstaat. „Die Jamaikaner sind das wohl berühmteste Bob-Team überhaupt“, freut sich auch Bob-Bundestrainer Christoph Langen auf die Neuauflage. Kapitän Winston Watt und sein Anschieber Marvin Dixon erhielten am Dienstag vom Weltverband FIBT einen Quotenplatz zugesprochen. „Oh Mann, das ist überwältigend. Ich bin total happy“, sagte Watt, der bereits vor zwölf Jahren in Salt Lake City für sein Land im Bob saß.

In dem Kult-Film „Cool Runnings“ aus dem Jahr 1993, durch den das Bob-Team Heldenstatus erreichte, werden vier jamaikanische Piloten erst belächelt, dann angefeindet und schließlich gefeiert. Selbst als sie im entscheidenden Lauf mit dem Schlitten auf den Rücken ins Ziel laufen. Eine Schraube hatte sich gelöst und das Gefährt zu Fall gebracht.

Belächelt werden die unkonventionellen Wintersportler aus dem Land der Reggea-Rythmen und der Palmen noch immer. Gefeiert werden Oldie Watt und Dixon in Sotschi mit Sicherheit aber auch - egal wie sie abschneiden werden. „Die Jungs werden keinen Sieg erringen, aber Sympathien“, ist sich der Filmemacher David Vehrschild sicher. Der Düsseldorfer managt das Jamaika-Team, seitdem Kapitän Winston Watt ihn um Hilfe bat.

Rund 60.000 Euro benötigt Team Jamaika für Sotschi

Umgerechnet rund 60.000 Euro benötigt Team Jamaika für das Abenteuer Sotschi. Olympische Offizielle aus Watts Heimat und das Organisationskomitee vor Ort haben sich mittlerweile bereiterklärt, alle Reisekosten des Teams zu übernehmen. Dennoch befinden sich Manager Vehrschild und der jamaikanische Verband auf der Suche nach Spendengeldern und Sponsoren. US-Zeitungen berichten bereits von Unterstützern, die im Internet Geld gesammelt haben.

Der 46-Jahre alte Watt, der 2002 bei den Winterspielen in Salt Lake City zusammen mit Lascelles Brown auf Platz 28 landete, hofft, dass die Geldbeschaffung durch die weitreichende Sympathie der Sportwelt für das Exoten-Team erleichtert wird. „Wir haben die gesamte Welt hinter uns“, betonte Watt, „sogar im Mittleren Osten. Da hat mich jemand aus einem Ort angerufen, von dem ich noch nie etwas gehört habe.“ Auch das Nationale Olympische Komitee aus Jamaika ließ in einem Statement salbungsvolle Worte übermitteln: „Einmal mehr ist der Stolz unseres Landes mit unseren Athleten, die für uns vorangehen.“

Sportliche Wundertaten wird das Duo, das lediglich im zweitklassigen America's Cup Qualifikations-Punkte sammelte, nicht vollbringen. Darum geht es auch gar nicht. Allein die Teilnahme von Grün-Schwarz-Gelb wird in der russischen Schwarzmeerstadt für Aufsehen sorgen. Die lockere karibische Mentalität bietet zudem einen angenehmen Kontrast zum teils verbissenen Ehrgeiz anderer Athleten.

Dass es Kapitän Watt mit einer professionellen Einstellung nicht immer ganz genau nimmt, bewies er vor nicht allzu langer Zeit vor einem wichtigen Rennen im America's Cup. Als das Piloten-Briefing anstand, fehlte der Kapitän. „Ich musste ihn wecken“, berichtete Manager Vehrschild: „Jamaikaner kommen eben grundsätzlich zu spät“.

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