Vinzenz Geiger bricht ein, auch Johannes Rydzek holt keine Medaille: Die deutschen Kombinierer bleiben hinter den Erwartungen – und machen trotzdem Werbung in eigener Sache.
Für eine Sportart, die ums Überleben kämpft, präsentierte sich die Nordische Kombination erstaunlich vital. Die Stimmung war prächtig, der Wettkampf spannend, das Podium vielfältig besetzt. Und IOC-Präsidentin Kirsty Coventry, die das Langlauf-Stadion in Tesero besuchte, sichtlich angetan. Nur bei den Deutschen wollte keine Feierlaune aufkommen. „Es war eine mega Werbung für die Kombi“, sagte Julian Schmid, „leider ohne unsere Beteiligung.“
Dabei hatte es am Morgen noch gut ausgesehen. Nach dem Springen auf der Normalschanze in Predazzo, das unerwartet viele Fans verfolgt hatten, lagen Johannes Rydzek (12.) und Julian Schmid (13.) zwar schon 42 Sekunden hinter dem Esten Kristjan Ilves, doch vor allem Vinzenz Geiger hatte als Achter mit 29 Sekunden Rückstand eine glänzende Perspektive. Erst recht, weil der beste Läufer Jens Luraas Oftebro nur eine Sekunde vor ihm startete. Der Plan war klar: Geiger sollte am Norweger dranbleiben und auf seinen starken Schlussspurt vertrauen. Doch es kam anders. Ganz anders.
Vinzenz Geiger: „Ich bin nicht in Topform gewesen“
Der Olympiasieger von 2022 tat sich auf der tiefen Strecke enorm schwer. Bei jedem Anstieg musste er sich quälen, um den Kontakt nicht zu verlieren, in jeder Abfahrt verlor er einige Meter. In der letzten der vier 2,5-Kilometer-Runden ging dann plötzlich nichts mehr. Die Konkurrenz ließ Geiger stehen, als hätte dieser seinen Motor abgewürgt. „Als ich abreißen lassen musste, war das Rennen für mich beendet. Ich stand ja nicht am Start, um Zehnter zu werden“, sagte der deutsche Kombinierer nach dem Wettkampf, „ich bin nicht in Top-Form gewesen, es war leider nicht mein Tag.“
Ähnlich äußerte sich sein deutscher Teampartner Julian Schmid. „Dieses Rennen war für die Katz’“, sagte der Zimmerkollege von Geiger, „mir hat es in der zweiten Runde den Stecker gezogen. Ich habe einen tollen Zielsprint gesehen – allerdings aus der Ferne.“
Geiger als Zehnter (+ 1:52) und Schmid als 14. (+ 2:56) hatten einen großen Rückstand auf die drei Erstplatzierten Jens Luraas Oftebro, Johannes Lamparter (Österreich) und Eero Hirvonen (Finnland), dazwischen lag der dritte Oberstdorfer. Johannes Rydzek verbesserte sich dank eines starken Laufs noch auf den achten Rang, hatte aber ebenfalls keine Medaillenchance. „Durch den Sulz zu waten, war unglaublich hart“, sagte der Olympiasieger von 2018, „ich bin stolz auf mein Rennen, auch wenn ich gerne ums Podest gekämpft hätte.“
Kombinierer freuen sich über die geniale Stimmung
In doppelter Mission war am Mittwoch Horst Hüttel unterwegs. Der DSV-Sportdirektor äußerte sich enttäuscht über das Abschneiden seines Teams („Unsere Erwartungen waren deutlich höher, wir sind ein bisschen ratlos“), freute sich aber zugleich über die Eigen-PR für die Kombination: „Im Rennen war eine große Dynamik, die Stimmung genial.“ Auch dank Kirsty Coventry.
Die neue Präsidentin des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), das im Frühjahr darüber entscheiden wird, ob 2030 in Frankreich die bisher ausgeschlossenen Kombiniererinnen zugelassen werden oder die gesamte Sportart aus dem Programm gestrichen wird, saß auf der Tribüne, klatschte Beifall, erhob sich mehrfach von ihrem Sitz, beobachtete das Rennen voller Interesse. Und scharte danach in der Mixed-Zone eine kleine Anzahl von Athleten um sich. „Sie hat vom Wettkampf geschwärmt“, sagte Vinzenz Geiger, der in der Runde ebenso dabei war wie Julian Schmid: „Es war nur ein kleiner Smalltalk, und trotzdem ist wichtig, dass sie da war.“
Johannes Rydzek hatte keine Gelegenheit, sich mit der IOC-Chefin zu unterhalten, was er zu bedauern schien. Auf die Frage, was er ihr denn gesagt hätte, antwortete er: „Dass es eine großartige Werbung für unseren Sport war, bei der allerdings eine Hälfte von uns gefehlt hat. Die Frauen saßen zu Hause vor dem Fernseher, dabei hätten sie hier sicher auch eine tolle Show geboten. Ich hoffe, dass wir 2030 zusammen am Start stehen.“ Einen wichtigen Fürsprecher haben die Kombinierer.
An der Seite von Kirsty Coventry saß während des Rennens Johan Eliasch. Und hinterher sprach der Präsident des Ski-Weltverbandes (Fis) Klartext. „Kirsty Coventry mochte, was sie gesehen hat, und für mich war die Kombination bei diesen Winterspielen bisher mein Höhepunkt“, sagte Eliasch, „die Atmosphäre war fantastisch. Dies ist ein erfolgreicher Sport mit einem großartigen Format.“ Der erste von drei olympischen Wettkämpfen habe 30,3 Millionen Zuschauer gehabt ( „Diese Zahl spricht für sich“), weshalb Eliasch versprach: „Ich werde dafür kämpfen, dass die Kombination im Kalender bleibt. Dabei ist kein Szenario ohne die Frauen denkbar. Ich hätte es geliebt, wenn sie schon jetzt dabei gewesen wären.“