Im Februar vor 20 Jahren holte sich der Schonacher Georg Hettich bei den Olympischen Winterspielen in Turin drei Medaillen. Sein Erfolg ist auch heute noch unvergessen.
Dieser Erfolg war nicht nur die Krönung der Karriere des mittlerweile 47-jährigen Wintersportlers aus Schonach. Mit ihm fieberten die Eltern Hedwig und Lothar, die Geschwister und seine Fans und Freunde des Skiteams Schonach-Rorhardsberg den Medaillen entgegen. Dreimal stand Georg Hettich im Verlauf dieser Olympischen Winterspiele auf dem Treppchen.
In der sogenannten Königsdisziplin des Wintersports, der Nordischen Kombination, also mit dem Skispringen und dem Langlauf, holte sich Georg Hettich damals im Einzelwettbewerb am 11. Februar die Goldmedaille. Kurz danach folgte Silber mit der Mannschaft und Bronze im Sprint.
Vom eigenen Erfolg überrascht
„Ich habe einen totalen Lauf gehabt“, begründet Georg Hettich heute den Medaillenregen vor zwei Jahrzehnten. Die Goldmedaille, das habe sein Leben nachhaltig verändert, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Der Olympiasieg sei auch für ihn selbst damals sehr überraschend gekommen, gestand er unlängst in einem Interview. Am Weltcupgewinn war er schließlich zuvor mehrfach knapp vorbeigeschrammt.
Nach Ende der Weltcupsaison 2009/10 beendete Hettich seine Karriere – mit erstaunlicher Konsequenz. Er wollte dem Skisport weder als Trainer noch als Ausbilder in der Nachwuchsarbeit erhalten bleiben. Lediglich in der ARD war er von 2014 bis 2018 als Fachberater beim Weltcup im Einsatz, beriet die Reporter und Berichterstatter vor Ort in Fachfragen und teilte jede Menge Hintergrundwissen.
Nach der Sportkarriere zahlte sich aus, dass Georg Hettich auch während seiner Trainings- und Sportjahre immer seine berufliche Laufbahn fest im Blick hatte. Er hatte Medizintechnik studiert und machte eine Doktorarbeit in Sportwissenschaften. „Mein Wunsch war es, etwas mit Forschung und Entwicklung zu machen“, sagt er. „Für mich war es immer wichtig, mich auch außerhalb des Sports zu entwickeln.“ So studierte er im Sommersemester und verfolgte seine Skisport-Karriere im Winter.
Jetzt Entwickler von orthopädischen Implantaten
Nach dem Studium startete er eine Initiativbewerbung bei einem der Branchenführer in Medizintechnik und Medizinprodukten mit entsprechend großer und gut ausgestatteter Entwicklungsabteilung – und wurde dort prompt genommen. Also zog Georg Hettich zusammen mit seiner Frau Birgit und dem damals dreijährigen Sohn Hannes nach Tuttlingen. Mittlerweile ist er Vater von zwei Söhnen und lebt zusammen mit seiner Frau in Freiburg. „Nahe am Schwarzwald“, sagt er schmunzelnd.
Seit über zehn Jahren arbeitet der einstige Goldmedaillengewinner jetzt für die Firma Aesculap in der Entwicklung von orthopädischen Implantaten, künstlichen Hüft- und Kniegelenken. Da geht es vor allem darum, Schmerzpatienten das Leiden zu nehmen und ihnen mit gut angepassten Implantaten wieder zur Mobilität zu verhelfen. Wenn Georg Hettich jetzt Sport treibt, dann sei es vor allem Skaten, Joggen und Radfahren, erzählt er. Und ab und zu auch mal eine Skitour.
Die Erfolge des Schonachers Georg Hettich
Siege und Medaillen
In der Nordischen Kombination: Olympia Turin 2006: Gold im Einzel, Silber im Team, Bronze im Sprint. Olympia Salt Lake City 2002: Silber im Team. WM Oberstdorf 2005: Silber im Team. WM Val die Fiemme 2003: Silber im Team. Weltcup 1999 bis 2006: vier mal zweiter Platz, sieben mal dritter Platz. Winter-Universiade (Studenten-WM) Seefeld 2005: Gold im Einzel. Deutsche Meisterschaften: Winterberg 2006 Gold im Einzel, Oberstdorf 2005 Gold im Einzel. Sommer Grand Prix: Hinterzarten 2008, erster Platz, Oberhof 2005 erster Platz, Winterberg 2002 erster Platz. Nach Ende der Weltcupsaison 2009/10 beendete Hettich seine Karriere. Seine letzte Weltcupteilnahme: 14. März 2010 in Oslo.