Für den Lörracher Leon Ulbricht endet sein Traum von einer Olympia-Medaille im Viertelfinale des Snowboardcross-Wettbewerbs nach einem Crash mit seinem Team-Kollegen Martin Nörl.
Leon Ulbricht hatte im Vorfeld nicht zu viel versprochen. Seine Leistungen am Renntag waren in der Qualifikation und im Achtelfinale außergewöhnlich. Doch dann machte ausgerechnet sein Team-Kollege und ehemalige Gesamt-Weltcupsieger Martin Nörl im Viertelfinale dem aufgehenden Stern am Snowboardcross-Himmel einen Strich durch die Rechnung, ließ Ulbrichts Medaillen-Hoffnungen platzen.
Doch der Reihe nach: Die Qualifikation am Vormittag lief perfekt. Der 21-Jährige aus Lörrach-Stetten sicherte sich als Drittschnellster einen Platz im Hauptfeld. „Leon hat geliefert, absolvierte die Qualifikation, wo der Athlet gegen die Uhr fährt, als Drittschnellster und setzte ein dickes Ausrufezeichen“, jubelte Vater Thorsten Ulbricht, der mit seiner Frau und weiteren Familienangehörigen das Rennen live im Zielbereich verfolgte.
Ulbricht dominiert im Achtelfinale
Doch der Reihe nach. In seinem Achtelfinal-Heat traf Ulbricht auf seinen Team-Kollegen Nörl sowie den Australier James Johnstone und den Kanadier Liam Moffatt.
Und Ulbricht hatte mit Abstand den besten Start, führte das Quartett nach den ersten Metern bereits mit zwei Längen an. Der Ausnahme-Athlet des Lörracher Skiclubs Rötteln ließ im weiteren Verlauf des Rennens nichts mehr anbrennen, ging den Positionskämpfen hinter ihm aus dem Weg. Am Ende siegte der Lörracher mit deutlichem Vorsprung
Nörl hatte in diesem Viertelfinal-Heat schwer zu beißen. Nach zwei Drittel des Rennens lag der Routinier nur auf Platz vier. Doch dann packte er den Turbo aus und schob sich vor dem Zielsprung am Kanadier und dem Australier vorbei und zog wie Laufsieger Ulbricht ins Viertelfinale ein.
Im roten Trikot des Schnellsten in seinem Achtelfinallauf stand der 21-jährige Shootingstar im Viertelfinale in der Startbox. Der Start war erneut perfekt. Ulbricht hatte nach den ersten 100 Metern schon einen komfortablen Vorsprung. Das Halbfinale schien greifbar nahe. Doch die Konkurrenz mit dem Italiener Lorenzo Sommariva (32), Nörl und dem US-Amerikaner Nick Baumgartner (44) holte auf. Plötzlich war Ulbricht nur noch Dritter in einem Kopf-an-Kopf-Duell.
Für Ulbricht platzt Medaillentraum
Dann geschah das Unfassbare. In einer Linkskurve rutschte Nörl mit seinem Board weg und räumte auch noch Ulbricht ab. Lachender Zweiter war Baumgartner, der sich mit dem Laufsieger Lorenzo anschließend für das Viertelfinale qualifizierte. Nörl fuhr als Dritter über die Ziele, und ein frustrierter Leon Ulbricht wurde Vierter.
Anschließend sagte Crash-Verursacher Nörl im ZDF-Interview: „Es gibt einen kurzen Kontakt von dem Ami, dann rutsche ich weg. Das ist unser Sport. Ich hätte mir gewünscht , dass sie (die Jury, Anm. d. Red.) es sich noch einmal anschauen. Wir haben ja die Chancen, Run und Review zu machen. Das haben sie nicht gemacht. Ich kann nicht sagen, warum sie es nicht gemacht haben. Es ist jetzt für das ganze Team unheimlich ärgerlich.“
Es ist wie verhext. Seit vier Jahren warten die deutschen Snowboarder auf eine Olympia-Medaille. Auch am Donnerstag klappte es in Livigno nicht.
Ziemlich geknickt harrte der Lörracher im Ziel aus und sagte: „Ich muss das erst einmal verarbeiten. Es ging alles rasend schnell. Mein Brett war weg und ich lag auf dem Rücken.“ Gegen die Konkurrenz richtete der 21-Jährige keine Vorwürfe: „„Mit meinem Fahren bin ich richtig zufrieden, ich war schnell unterwegs. Das im Viertelfinale war einfach eine blöde, aber typische Situation im Rennen. Nachdem ich mir das Video angeguckt habe kann ich sagen, an Nick Baumgartners Stelle wäre ich auch so gefahren, an Martins Stelle wäre ich genauso gefahren – das ist einfach unser Sport, da gehören Kollisionen dazu.“
Disziplinverantwortlicher Bernard Loer fom Snowboardteam Germany sagt zum deutschen Drama im Viertelfinale: „Das ist natürlich bitter, das muss man auch nicht beschönigen. Wir waren schnell, hätten den Speed gehabt. Aber es gehört eben zu unserem Sport dazu.“Am Ende belegten Nörl und Ulbricht die Plätze zehn und 13.
Die anderen beiden deutschen Starter sammelten Erfahrung. Lehrgeld. Julius Reichle und Niels Conrad schieden im Achtelfinale als jeweils Letzte ihres Heats aus, belegten am Ende die Plätze 27 und 32.
Niels Conrad sagte zu seinem Auftritt: „Quali top, Rennen Flop: Ich hab den Start im Rennen verpatzt, aber das wäre sogar noch okay gewesen, dafür hatte ich einen Plan. Nur der Fehler am Dragonback, der hat mich so viel Zeit gekostet, dass ich nicht mehr aufschließen konnte. Jetzt werde ich das Event noch voll genießen und morgen Jana die Daumen drücken.“ Julius Reichle meint: „Ich hätte gern mehr gezeigt. Ich habe sehr viel Erfahrung gesammelt und weiß, woran ich noch arbeiten muss, und damit geht es jetzt weiter.“