Michael Jung bei der Europameisterschaft in der Vielseitigkeit mit seinem Pferd fischerChipmunk, mit dem er auch gerne bei den Olympischen Spielen in Tokio an den Start gehen würde. Foto: Gentsch

Reitsport: Michael Jung bereitet sich auf die verschobenen Olympischen Spiele vor. EM in der Vielseitigkeit soll stattfinden. 

35 Turniere haben in diesem Jahr für Vielseitigkeitsreiter Michael Jung auf dem Programm gestanden. Nun fiebert die Sportwelt erneut auf Olympia hin. Michael Jungs Vater Joachim spricht über neue Regeln und den Ablauf der Spiele.

Rückblickend lief es bis März noch normal im Reitsport, dann folgten die ersten Turnierabsagen. "Das Reitturnier Mitte März in Dortmund haben wir dann schon selber abgesagt, und es wurde später auch abgebrochen", schildert Joachim Jung. Inzwischen seien die Hygienekonzepte ausgearbeitet und über den Sommer konnte ein weitestgehend normaler Betrieb bei den kleineren Turnieren verzeichnet werden. "Möglich war das vor allem alles, weil die Turniere im Freien mit wenigen Zuschauern stattfinden konnten." So wie das zum Beispiel in Altensteig, Nordstetten oder auch Salzstetten der Fall war.

Negativer Coronatest mittlerweile Pflicht

"Einer, der bei den Konzepten nicht locker gelassen hat, war Rüdiger Rau. Ihm ist es zu verdanken, dass unsere Turnierserie in Altensteig über die Bühne ging", sagt Jung über Rau, der eine Reitschule in Altensteig hat und vor Kurzem zum Bundestrainer U16 Pony-Vielseitigkeit ernannt wurde. Während im Sommer beispielsweise Co-Trainer und auch Pferdebesitzer mit dabei sein konnten, wurde auf den Herbst hin alles wieder verschärft. Mittlerweile muss von den Reitern ein negativer Coronatest vor der Teilnahme vorgelegt werden und Zuschauer sind nicht mehr gestattet.

So wurde über die vergangenen Monate hinweg gewährleistet, dass die Reiter und Pferde im Turniermodus bleiben konnten. Trotzdem sei es nicht das Gleiche: "Der Sport lebt vom Applaus und dass die Leute mitfiebern." Größere Turniere wurden auch deshalb meist abgesagt, weil sich der Aufwand ohne zahlendes Publikum für die Veranstalter nicht gelohnt hätte, weiß Jung, der eine Reitschule in Altheim mit seinem Sohn betreibt.

Zuversichtlich ist Jung, dass sich ab April mit den wärmeren Temperaturen die Situation wieder bessert. "Wenn es jetzt mit den Impfungen los geht, dann könnte es ab dem Herbst schon so weit fortgeschritten sein, dass es sich soweit wieder normalisiert", ist Jung optimistisch. Bis dahin würden die gut ausgearbeitet Konzepte funktionieren.

Angemeldet hat sich Michael Jung bereits für mehrere Turniere im kommenden Jahr. In der Hoffnung, dass jedes Wochenende eines stattfinden wird, bei dem der 38-Jährige teilnehmen kann. Denn die Olympischen Spiele in Tokio, die von diesem auf das nächste Jahr verschoben wurden, sind weiterhin das Ziel für den Altheimer, der 2012 und 2016 im Einzel und 2012 auch im Team Gold geholt hat.

Dass die Olympischen Spiele stattfinden können, sei von großer Wichtigkeit, schildert Joachim Jung: "Sie sind das allergrößte Ereignis für alle Sportarten, die normal im Schatten des übermächtigen Fußballs stehen. Die Olympischen Spiele bieten eine einzigartige Plattform, uns zu präsentieren (Medieninteresse). Deshalb sind die Spiele für alle Sportler so wichtig, auch wenn sie mit größeren Einschränkungen stattfinden."

Joachim Jung, der für den Nachwuchsbereich (Junioren und junge Reiter) im Ausschuss des Deutschen Olympischen Komitees sitzt, sagt zudem, dass der Stand für die Ausführung der Spiele derzeit sehr gut sei. "Das Komitee aus Tokio hat einen mehrseitigen Brief vorgelegt, wie es machbar ist, dass die Spiele stattfinden können." Für Michael Jung geht der Olympia-Fahrplan also weiter.

Anfang Juli 2021 findet das letzte Sichtungsturnier in Aachen statt. Danach werden die drei Reiter benannt, die für Deutschland bei den Olympischen Spielen in Tokio an den Start gehen dürfen – plus ein Ersatzreiter. Am 10. Juli geht es in Trainingslager und in die Quarantäne nach Warendorf. Etwa eine Woche später reisen die Reiter nach Tokio.

Nach einigen Tagen Akklimatisierung beginnt der Wettkampf am 29. Juli mit der ersten "Horse Inspection", hier wird jedes Pferd an der Hand vorgestellt und Tierärzte und Richter entscheiden, ob der Reiter an den Start gehen darf oder nicht. Dann beginnt der sportliche Part: Am 30. Juli von 8.30 bis 11 Uhr Vielseitigkeit Dressur (22 Teilnehmer), 17.30 bis 20.10 Uhr Vielseitigkeit Dressur (22 Teilnehmer). Am 31. Juli von 8.30 bis 11 Uhr Vielseitigkeit Dressur (21 Teilnehmer), dann waren alle 65 Teilnehmer an der Reihe. Am 1. August von 7.45 bis 11.10 Uhr steht die Vielseitigkeit Gelände (65 Teilnehmer) an, am 2. August von 9.30 bis 11 Uhr wird es eine zweite Horse Inspection geben und ebenfalls am 2. August von 17 bis 19.35 Uhr beginnt die Vielseitigkeit Springen (Teamentscheidung – mit diesem Springen wird die Teammedaille vergeben), von 20.45 bis 21.45 Uhr Vielseitigkeit Springen (die besten 25 Teilnehmer reiten um die Einzelmedaille). "In den längeren Mittagspausen werden die Pferde aufgrund der Mittagshitze geschont", erklärt Joachim Jung.

Sein Vater schildert weiter: "Michael Jung hat dank seiner Sponsoren und Freunde, allen voran der Unternehmensgruppe fischer und Herrn Professor Klaus Fischer, mehrere Pferde für Tokio qualifiziert: fischerChipmunk, fischerRocana, fischerWildWave, Highlighter und Go For S."

Die internationale reiterliche Vereinigung (FEI) berät sich zudem über das Thema Europameisterschaft in der Vielseitigkeit. Diese habe auf der Kippe gestanden. "Mein Sohn hat sich sehr dafür eingesetzt, dass sie doch stattfinden soll", so Jung. Wichtig sei diese vor allem auch für den Fall, dass die Olympischen Spiele doch ausfallen müssten: "Normalerweise gibt es nämlich jährlich nur ein Championat." Im kommenden Jahr wären es dann zwei – EM und Olympische Spiele. Zwei Aspiranten für den EM-Austragungsort seien Avenches (Schweiz) und Boekelo (Niederlande).

Ein anspruchsvolles Jahr steht den Vielseitigkeitsreitern also bevor – wenn alles trotz Corona klappen sollte.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: