Im Mai soll entschieden werden, ob die Nordische Kombination olympisch bleiben wird. Baiersbronns Stützpunkt-Trainer Klaus Faißt, der unter anderem auch Nathalie Armbruster trainierte, fürchtet um die Sportart und bedauert, dass den Frauen die Premiere verwehrt wird.
Der Stützpunkt Baiersbronn hat mit Nathalie Armbruster die aktuell beste Nordische Kombiniererin Deutschlands hervorgebracht. Trotzdem muss sie ihren großen Traum von Olympia erstmal hintanstellen, ob es jemals etwas wird, steht aktuell in den Sternen.
Im kommenden Jahr wird es bei den Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo keinen Wettkampf der Frauen in der Nordischen Kombination geben. Als Grund nannte das Internationale Olympischen Komitee (IOC) mangelndes Zuschauerinteresse und dass nur wenige Nationen Athletinnen stellen.
Klaus Faißt, Baiersbronner Trainer-Urgestein und Vater von Kombinierer Manuel Faißt, betont, dass man bei den Frauen noch am Anfang stehe und findet die Entscheidung des IOC nicht gut. „Bis vor ein paar Jahren gab es noch gar keine Wettkämpfe bei den Mädchen. Inzwischen steigt das Interesse auch bei uns immer mehr und es werden sicher auch immer mehr werden.“ Nicht zuletzt der Erfolg von Nathalie Armbruster und ihre Bekanntheit in der Region können hier Faktoren sein.
Für 2030 unklar
Faißt ist sich zudem sicher, dass in den kommenden Jahren die Konkurrenz in der Sportart steigen wird. Bei Nathalie Armbruster vom SV-SZ Kniebis würde man sehen, dass sie bereits früh mit beidem – also Langlauf und Skisprung – begonnen habe. „Das muss aber erst bei der Basis ankommen.“
Doch die nordische Königsdisziplin, die schon seit den ersten Olympischen Winterspielen 1924 in Chamonix bei Olympia vertreten ist, ist im Allgemeinen in Gefahr. Denn selbst bei den Männern ist für 2030 unklar, ob sie überhaupt noch im Plan für Olympia in Frankreich sein werden.
Noch bis Ende diesen Monats muss der FIS alle Daten und Argumente beim IOC vorbringen. Die endgültige Entscheidung soll dann im Mai fallen. „Wenn die Nordische Kombination rausfällt, wir sich das auch an der Basis bemerkbar machen. Olympische Disziplinen werden ganz anders gefördert. Heißt: kein Geld mehr, keine Lehrgänge. Viele junge Talente werden sich die Frage stellen: Warum beginnen, wenn man kein Ziel wie Olympia hat“, sagt der 69-jährige Faißt.
„Jede Sportart hat ihre Höhen und Tiefen“
Für den Baiersbronner, der immer noch unermüdlich Kinder und Jugendliche in der Sportart trainiert und früher selbst Kombinierer war, ist die Debatte um die „Ursprungssportart im nordischen Bereich“ nicht nachzuvollziehen. „Jede Sportart hat ihre Höhen und Tiefen. Und der Wintersport ist eben auf wenige Nationen beschränkt, aber das ist auch in anderen Sportarten so. Es kann natürlich sein, dass auch der Klimawandel hier eine Rolle spielt, aber dann müsste man alle Wintersportarten zur Diskussion stellen“, kann Faißt die Argumentation des IOCs nicht nachvollziehen.
Für Faißt ist die Nordische Kombination auch auf weniger Sportlerinnen und Sportler begrenzt, da sie beides vereint: Langlauf und Sprung. „Es gibt eben weniger Athletinnen und Athleten, die beides können.“
Der Baiersbronner Trainer hofft, dass junge Stützpunkt-Talente auch in den kommenden Jahren noch auf großer Bühne ihr Können zeigen werden und dass die Frauen zur verdienten Premiere unter den fünf Ringen kommen werden.