Auch ein Vierteljahr nach den olympischen Heats im Genting-Skiresort ist weiter offen, ob Skicrosserin Daniela Maier (SC Urach) die Bronzemedaille behalten darf. "Es kann noch eine Weile dauern, bis da Klarheit herrscht."
Wir erwischen sie in Marquartstein im Chiemgau. Dort verrät die 26-jährige Furtwangerin nicht nur, wo sich das begehrte Edelmetall befindet, sondern auch, weshalb Sie unbedingt bei den Winterspielen in knapp vier Jahren im italienischen Cortina d’Ampezzo und Mailand starten will.
Frau Maier, bei den Winterspielen kamen Sie als Vierte ins Ziel. Minuten später gab es nach einer Juryentscheidung doch Bronze. Die Schweizerin Fanny Smith hatte Sie regelwidrig behindert. Das Wirrwarr ging weiter: Abererkennung der Medaille durch den Weltskiverband (FIS), Einspruch des Deutschen Skiverbandes (DSV), Jubel von Smith in den sozialen Medien. Wie ist der aktuelle Stand – und wo liegt die Medaille?
In meiner Wohnung in Marquartstein. Ehrlich weiß ich aber nicht, wo sie genau ist. Ich wohne noch nicht so lange hier, bin noch nicht komplett eingerichtet. Ich war ja viel unterwegs, auch zuletzt.
So in Berlin beim Bundespräsidenten. Hat denn auch Frank-Walter Steinmeier vor gut zwei Wochen nach der Medaille gefragt, als er Ihnen für die herausragenden sportlichen Erfolge das Silberne Lorbeerblatt überreichte?
(lacht). Es war auf jeden Fall eine besondere Ehre für mich, diese Auszeichnung vom Bundespräsidenten zu erhalten. Ich konnte ihm aber auch nicht mehr sagen. Für die FIS ist Fanny die Bronzemedaillengewinnerin, für das IOC bin ich es. Es kann noch eine Weile dauern, bis da Klarheit herrscht. Notfalls muss am Ende der Internationale Sportgerichtshof CAS entscheiden.
Hatten Sie in jüngster Zeit Kontakt zu Fanny Smith, die eben auf der IOC-Seite weiter als Vierte aufgeführt wird?
Natürlich hatten wir bis zum Saisonende Kontakt. Wir kennen uns schon lange, verstehen uns weiter gut. Im Sommer macht aber natürlich jeder sein Ding. Wir sehen uns dann im Schnee wieder, also wenn wieder Wettkämpfe anstehen.
Es waren ja Mitte Februar Emotionen pur in China. Hat denn diese ganze – ungewohnte – Aufmerksamkeit Ihr Leben verändert?
Am Anfang war viel Trubel, doch nun ist wieder Ruhe in mein Leben eingekehrt. So bin ich es gewohnt, so mag ich es. So kann ich mich auf den Sport – also derzeit vor allem das Training auf dem Rad und im Kraftraum – konzentrieren. Wintersportler werden ja im Sommer gemacht (lacht).
Doch ganz ohne den geliebten Schnee geht es auch im Juni nicht.
So ist es. Vier Tage lang werden wir noch am Stilfser Joch trainieren. Darauf freue ich mich sehr.
Und wird am höchsten Gebirgspass von Italien auch der große Empfang des SC Urach ein Thema sein?
Mal schauen. Auf jeden Fall war dies für mich ein ganz besonderer Tag. Da waren einfach auch viele Menschen dabei, die mich schon sehr, sehr lange kennen, mich schon immer unterstützt haben. Der SC Urach ist für mich sehr wichtig.
Danach ging es in den verdienten Urlaub. Was stand an?
Ich war in Spanien. Das war ein guter Mix aus Strandurlaub, Städtetrip mit Sightseeing und Kultur und natürlich auch etwas Sport.
Von Mix ist es nicht weit zu Mixed. Stehen auch im Skicross bald mehr Teamwettbewerbe an, immerhin ist dieser im Snowboardcross schon olympisch?
Das hoffe ich. Erste Wettkämpfe hatten wir ja schon.
Und im Februar 2026 geht es in Cortina d’Ampezzo auch im Skicross-Mixed um olympische Medaillen?
Warten wir es ab, ich hätte nichts dagegen. Sicher ist, dass ich dann dabei sein möchte. Immerhin wären es meine ersten Olympischen Spiele ohne – hoffentlich – Corona-Einschränkungen. Und dazu in Europa. Das wäre mit den Spielen in China nicht vergleichbar, einfach eine andere olympische Atmosphäre. Diese würde ich sehr gerne erleben.