Emotionaler Abschied zweier großer Biathletinnen. Franziska Preuß und Dorothea Wierer beenden auf der besonderen Bühne Olympia ihre Karrieren. Wie lief es sportlich?
Die vielen Fehler, die waren ihr schließlich gleichgültig. Franziska Preuß hat beim Sieg der Französin Oceane Michelon mit Rang 28 im Massenstart ihre herausragende Biathlonkarriere beendet. „Mir geht’s gut. Ich bin wirklich froh, dass das Kapitel geschafft ist“, sagte sie. Unter tosendem Applaus waren sie und zuvor schon Dorothea Wierer im Schneetreiben von Antholz auf ihre letzte Zielgerade eingebogen. Der Südtirolerin fehlten bei ihrem Abschied daheim auf Rang fünf nach zwei Fehlern gerade mal rund 23 Sekunden auf eine Medaille. Julia Simon mit Silber machte den französischen Doppeltriumph perfekt, auf Rang drei lief die Tschechin Tereza Vobornikova.
Auf die Medaillenränge brauchte Preuß spätestens nach den vier Fehlern im dritten Schießen (sieben insgesamt) nicht mehr zu schauen. Sie habe sich dann nicht mehr gestresst, die Runden genossen, nicht erst im Ziel, sondern schon mit den Fans entlang der Strecke etwas gefeiert, berichtete sie.
„Grazie Doro! Danke Franzi!“ war auf den großen Leinwänden und Bildschirmen überall zu lesen. Poster mit Preuß’ gekröntem Konterfei, riesige Lettern mit dem Dank an die deutsche Sportlerin des Jahres und eine gemeinsame Ehrenrunde mit Wierer vor den Zuschauern. „Es war sehr speziell, alles gemeinsam mit der Doro zu erleben.“ Die möge sie so gern, das werde sie immer in Erinnerung behalten. Die Jüngste im deutschen Team, Julia Tannheimer, musste warten, ehe sie Preuß die Krone aufsetzen konnte. Denn die 31-Jährige wurde, als erstes von Lebensgefährte Simon Schempp, noch von vielen in den Arm genommen, bevor schließlich die Korken knallten.
Für die beiden so erfolgreichen Sportlerinnen wurde ein wenig das olympische Protokoll zurechtgebogen. Bevor die Medaillengewinnerinnen mit der Siegerehrung im Blickpunkt standen, stürmten das deutsche und das italienische Team den Zielbereich. „Es war sehr schön, dass so viele da waren“, sagte Franziska Preuß zum großen Empfang. Auch Familie, Freunde und Wegbegleiter ihrer langen sportlichen Laufbahn waren da. Vermissen werde sie das Team und die Freundschaften, die sie über die Jahre geschlossen hat, „das Gefühl, wenn man schwierige Situationen gemeistert hat und den Moment, wenn man über die Ziellinie fährt“.
Schwaches Abschneiden in Antholz
Für die deutschen Biathleten ist es bei der einen Bronzemedaille in der Mixed-Staffel zum Auftakt geblieben. Vanessa Voigt war am Samstag noch am nächsten dran, doch ein Fehler beim letzten von 20 Schüssen kostete sie das bis dahin in Reichweite liegende Podest. Voigt kam auf Platz sieben ins Ziel. Die Schwarzwälderin Janina Hettich-Walz (17.) mischte bis zu den beiden Stehendschießen ganz vorne mit, musste dann aber je zweimal in die Strafrunde.
Es war ein emotionaler Tag beim letzten Biathlon-Wettkampf der Winterspiele. Riesig war schon der Jubel, als Dorothea Wierer und Franziska Preuß fünf Minuten vor dem Anschießen zum Warmlaufen aus dem Stadion glitten. Preuß schien es bereits da zu genießen. Nicht wie sonst nur auf sich fokussiert, winkte sie lächelnd in Richtung Tribüne.
„Morgen geht es nicht um Zeiten oder Platzierungen. Morgen geht es um Dankbarkeit. Ein letztes Mal alles geben“, hatte sie am Freitag bei Instagram geschrieben. „Es fühlt sich einfach genau richtig an. Ich freue mich, dass dann auch was anderes kommt.“ Was jetzt kommt? „Ich war immer der Typ von Sportler, der jeden Tag 100 Prozent gegeben hat“, hat sie darüber noch nicht so viel nachgedacht: „Ich freue mich einfach darauf, etwas komplett anderes zu erleben.“
Als Königin durfte sie sich am Samstag noch einmal fühlen, gekrönt und mit einer abendlichen Feier unter Freunden, auch wenn es mit der erhofften Einzelmedaille bei den Spielen nichts geworden ist.