Superstars in Paris (von links nach rechts): Schwimmerin Katie Ledecky, Basketballer LeBron James, Tennisspieler Rafael Nadal (oben), Stabhochspringer Armand Duplantis und Turnerin Simone Biles. Foto:  

Bei den Olympischen Spielen in Paris sind zahlreiche großartige Athletinnen und Athleten am Start. Aber es gibt auch die ganz großen Superstars auf Weltniveau. Wir stellen fünf von ihnen vor.

Olympische Spiele sind nicht nur ein riesiges Stelldichein im Zeichen der Ringe, sondern zugleich das wichtigste Podium für viele Weltstars des Sports. Auch nach dem Abgang der Giganten Michael Phelps (USA), mit 28 Medaillen (23 Gold/3 Silber/2 Bronze) im Schwimmbecken der erfolgreichste Olympionike der Geschichte, und Supersprinter Usain Bolt (8/0/0), für die bereits Rio de Janeiro 2016 der Schlussakt war, tummeln sich auf dieser Bühne noch genügend große Namen – darunter diese fünf Topstars, die in Paris ganz sicher eine Hauptrolle spielen werden.

 

Basketball: LeBron James

In Basketball-Kreisen wird eine Frage immer wieder diskutiert, obwohl alle wissen, dass es keine befriedigende Antwort gibt: Wer ist der beste Spieler der Geschichte – Michael Jordan oder LeBron James? Gute Argumente gibt es für beide, weshalb wir uns an die Gegenwart halten: James (39) wird nicht nur mit dem US-Team Gold in Paris holen (alles andere wäre eine Sensation), er ist auch eine Ikone des Basketballs, deren Strahlkraft weit über die Sportart hinausgeht. Das liegt an seinen Rekorden, unter anderem gewann er vier NBA-Titel, hat als Einziger mehr als 40 000 Punkte erzielt und stand 20-mal im All-Star-Team. Es liegt aber auch an seinem gesellschaftlichen Engagement. James protestiert immer wieder gegen Rassismus, Diskriminierung und soziale Ungerechtigkeit, er kümmert sich mit seinen Stiftungen um benachteiligte Jugendliche. Kurzum: Er ist eine Persönlichkeit, wie es im Weltsport nicht viele gibt. Auch deshalb wird er das US-Team bei der Eröffnungsfeier als Fahnenträger anführen. In Paris will er danach sein drittes Olympia-Gold gewinnen – und eine Scharte endgültig auswetzen. 1992 spielte erstmals ein US-Dream-Team bei Olympia, unter anderem mit Jordan. Seither hat die USA nur einmal nicht Gold geholt: 2004 in Athen, als James erstmals dabei war. Seiner Großartigkeit hat es nicht geschadet, noch einmal erleben will das aber niemand in US-Basketball-Kreisen.

Turnen: Simone Biles

Michael Phelps und Usain Bolt gehören zu den größten Olympioniken der Geschichte, und trotzdem ist immer wieder zu hören, Simone Biles würde sich mit den zwei Ikonen auf Augenhöhe bewegen. Wörtlich darf das nicht genommen werden, da sind die Unterschiede zwischen Phelps (1,93 Meter), Bolt (1,95 Meter) und Biles (1,42 Meter) beachtlich. Bei der jeweiligen Bedeutung für den Sport sieht es anders aus. Biles (27) gilt als beste Turnerin, die es jemals gab, auch weil sie über die verblüffende Fähigkeit verfügt, die Schwerkraft auszuhebeln. Bei den Spielen 2016 in Rio holte sie vier von fünf Goldmedaillen, was sie 2021 in Tokio steigern wollte. Doch dann brach die US-Amerikanerin den Mehrkampf aufgrund mentaler Probleme ab, startete nur noch am Schwebebalken. Ihre Entscheidung, der psychischen Gesundheit Priorität einzuräumen, löste eine Debatte über den Druck im Hochleistungssport aus. Jeden Donnerstag macht Biles seither eine Therapie, um nicht wieder in ein Loch zu fallen. Auch deshalb kehrt die 23-malige Weltmeisterin nun gestärkt auf die olympische Bühne zurück. Wie viele Medaillen sie in Paris holen wird, ist für sie immer noch wichtig, noch mehr aber zählt, dass Geist und Körper sich im Einklang befinden – sie muss nichts mehr beweisen. „Ich bin nicht der nächste Usain Bolt oder Michael Phelps“, sagt die Turnerin, „ich bin die erste Simone Biles.“

Tennis: Rafal Nadal

Der Tennis-König von Paris ist Rafael Nadal schon, nun könnte er gegen Ende seiner einzigartigen Karriere sein Imperium noch einmal erweitern und auch die Olympischen Spielen für sich einnehmen. Wobei: Genau genommen hat er das ja schon zweimal getan. Denn der Spanier gewann neben unfassbaren 22 Grand-Slam-Titeln auch zwei Turniere im Zeichen der fünf Ringe. 2008 wurde er in Peking Olympiasieger im Einzel, acht Jahre später holte er an der Seite von Marc Lopez in Rio de Janeiro Gold im Doppel. Weshalb es für einen der größten Sportler aller Zeiten in den nächsten zwei Wochen nicht nur darum geht, seiner Sammlung womöglich eine weitere Medaille hinzuzufügen (im Einzel oder im Doppel mit Carlos Alcaraz). Sondern auch darum, unter ganz besonderen Umständen an die Stätte zurückzukehren, die er wie kein anderer beherrscht hat. „Ich will die Zeit einfach nur genießen“, sagt Nadal vor dem olympischen Tennis-Turnier, das auf der Anlage Roland Garros stattfindet – dort hat er 14-mal die French Open gewonnen und nur fünf seiner 116 Spiele verloren. Diese Bilanz ist so außergewöhnlich, dass sein großer Gegenspieler Novak Djokovic meint: „Wenn Rafael Nadal in Paris aufschlägt, wird er immer der Favorit sein.“ Auch bei den Olympischen Spielen.

Schwimmen: Katie Ledecky

Zugegeben, auch die glänzende Olympia-Erfolgsgeschichte von Katie Ledecky (27) ist nicht frei von kleinen Kratzern. Vor drei Jahren, bei den Sommerspielen in Tokio, war die wohl beste Freistilschwimmerin, die es je gab, über mehrere Strecken die große Favoritin, verpasste aber über 200 Meter und 400 Meter jeweils Gold. Und dennoch schrieb die US-Amerikanerin ein neues eindrucksvolles Kapitel – denn sie gewann nicht nur über 800 Meter, sondern auch auf der 1500-Meter-Distanz, die erstmals für Frauen im olympischen Programm war. Insgesamt kommt die 21-malige Weltmeisterin mittlerweile auf sieben Gold- und drei Silbermedaillen, damit könnte sie theoretisch in Paris die frühere sowjetische Turnerin Larissa Latynina (9/5/4) überholen, die derzeit hinter Überschwimmer Michael Phelps (23/3/2) Rang zwei in der Liste der erfolgreichsten Sommer-Olympioniken belegt. Doch daran denkt Katie Ledecky, die seit mehr als einem Jahrzehnt kein Rennen mehr auf der 800-Meter-Strecke verloren hat, nicht. Für sie ist allein wichtig, weiterhin auf ihrer persönlichen Erfolgswelle zu schwimmen, wo auch immer diese sie hinträgt. Vielleicht ja sogar bis nach Los Angeles, wo 2028 ihre olympischen Heimspiele stattfinden. Es wäre der perfekte Zeitpunkt, um ein letztes Mal aus dem Becken zu klettern – als erfolgreichste Schwimmerin der Geschichte.

Stabhochsprung: Armand Duplantis

In der Leichtathletik-Welt gibt es einige Supersprinter, Vorspringer und Überflieger. Sportlerinnen und Sportler, die kaum zu schlagen sind. Aber es gibt nur einen Armand Duplantis. Er schwebt über allen anderen, keiner legt die Latte für die Konkurrenz so hoch wie der 24-jährige Schwede. Geld auf eine Niederlage des besten Stabhochspringers der Geschichte zu wetten, kann man sich getrost sparen: In keiner anderen Einzeldisziplin ist die Dominanz eines Athleten so groß. Armand Duplantis springt in der Regel 20 Zentimeter höher als seine Gegner. Er kann sich nur selbst schlagen, und das ist in einem großen Wettbewerb schon lange nicht mehr passiert. Als 20-Jähriger verbesserte Duplantis den Weltrekord in der Halle auf 6,17 Meter – seither hat er draußen und drinnen bei allen Großereignissen Gold geholt, unter anderem bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokio, den Weltmeisterschaften 2022 in Eugene und 2023 in Budapest sowie den Europameisterschaften 2022 in München und 2024 in Rom. Seine Weltrekorde liegen mittlerweile bei 6,22 Metern in der Halle und sogar bei 6,24 Metern im Freien. In diesen Sphären bewegt sich sonst niemand in der komplexesten Leichtathletik-Disziplin. Und daran wird sich auch in Paris nichts ändern, das dazu passende Motto steht jetzt schon fest: hoch, höher, Duplantis!I