Oliver Dewes und der FC Emmendingen kamen unverhofft zusammen. Warum der Ex-SCL-Trainer er dort trotzdem zusagte und auch verlängerte, hatte für ihn eine Bedingung.
Es war ein unerwarteter Anruf, der Oliver Dewes erstmals nach Emmendingen führte. Nachdem der 55-Jährige bislang – auch beim SC Lahr – sein halbes Leben als Trainer tätig gewesen war, hatte er geplant, kürzerzutreten. „Ich war auf einer Betriebsversammlung der Deutschen Bank“, erinnert sich Dewes im Gespräch mit unserer Redaktion. Hier war er in der Pause von einem Kollegen aus dem Vorstand angesprochen worden, „warum er sich noch nicht gemeldet hatte, da ja jetzt die Stelle beim FC Emmendingen neu zu besetzen sei“ – ein Scherz, wie Dewes vermutete.
„Als die Pause zu Ende war und wir wieder reingehen wollten, fragte er mich, ob er meine Nummer mal weitergeben dürfte.“ Das habe Dewes bejaht. „Emmendingen ist so weit weg und ich dachte, mein Gott, sollen sie meine Nummer doch haben.“ Im Gespräch mit uns erzählt er, dass er nicht gedacht hatte, dass sich überhaupt jemand bei ihm melden würde.
Diese Vermutung erwies sich als falsch. Als Dewes in dieser Nacht nach Hause fuhr, klingelte sein Handy. Am anderen Ende der Leitung war Marius Kasten – Sportlicher Leiter des FC. Von der Schnelle des Anrufs war Dewes, wie er sagte, erst einmal überrascht gewesen, „vor allem im Hinblick darauf, dass Emmendingen doch ein ganzes Stück weit weg ist und ich eigentlich ja kürzer treten wollte“.
Vereinbarkeit mit Familie stand im Vordergrund
Kürzer treten wollte Dewes vor allem im Hinblick auf seine familiäre Situation. Seine Frau Senja Dewes ist eine erfolgreiche deutsche Badmintonspielerin und Amtsleiterin im Lahrer Rathaus. Sie gewann 2024 den Titel der deutschen Ü 35-Meisterin im Doppel. „Wir beide arbeiten und haben mit dem Sport sehr zeitintensive Hobbys“, sagt der FCE-Coach. Auch die Kinder – unter anderem selbst im Fußball, im Tennis und im Reitsport aktiv – dürften hier nicht zu kurz kommen. Zeit sei für ihn ein wichtiger Faktor gewesen. „Es war klar, dass ich jetzt Zeit mit meiner Familie verbringen, mit den Kindern in den Urlaub fahren und mehr zu Hause sein will – das sind die wichtigen Dinge.“ Seine Familie war auch der ausschlaggebende Faktor im Wechselprozess zum FCE, wie er sagt. Dewes erinnert sich an einige Treffen mit dem Vorstand, die auf dem Gelände des FCE stattgefunden hatten, bevor seine Entscheidung fiel, Trainer der Mannschaft zu werden. Hier war es für ihn ein zentraler Gesprächspunkt, dass die Kinder und seine Frau bei allem Engagement immer noch Vorrang haben – „wenn die gesagt hätten, dass es für den Verein nicht passen würde, dass der Trainer im Sommer mal zwei Wochen im Urlaub ist, dann wäre das für mich nicht Ordnung gewesen“. Letztlich sei es das freundliche Telefonat mit Kasten und die darauffolgenden Treffen gewesen, die Dewes überzeugt hatten, dem FCE eine Chance zu geben.
Dennoch blieb der Weg nach Lahr ein Thema. Dewes ist in seiner Karriere viel herumgekommen. Bis zum Jahr 1999 lebte und spielte er im Saarland, dem – wie er sagt – schönsten Bundesland Deutschlands. Arbeitsbedingt zog Dewes ins „Ländle“ und lebte zunächst in Kirchzarten. „Hier kannte ich erst einmal niemanden“, sagt er. „Ein Arbeitskollege, der selbst in Wagenstadt gekickt hat, sagte, ich soll einfach mal mitkommen – danach ging es recht schnell, dass ich Spielertrainer wurde.“ Seine nächste Station führte ihn zum FC Ottenheim, wo er bis 2007 blieb. In diesen fünf Jahren erwarb er beim DFB seine Trainerlizenzen. Er sei kein Fan von kurzen Stationen.„Ich will nicht nur ein oder zwei Jahre irgendwo sein. Man wächst mit den Mannschaften zusammen, und die Wertschätzung, die man erhält, ist unbezahlbar. Das ist für mich nichts Kurzfristiges“, sagt er.
Spannender Abschnitt beim SC Sand
Die nächste Station in Dewes’ Trainerkarriere führte ihn in die zweite Frauen-Bundesliga. Dort verbrachte er fünf Jahre beim SC Sand. Ein spannender Abschnitt in seiner Karriere, wie Dewes sagt. Die Zeit von 2008 bis 2012 sei eine sehr gute Erfahrung gewesen. „Die Leidenschaft und die Einstellung zum Sport, die die Mädels dort gezeigt haben, war sehr inspirierend“, lobt Dewes. Er sehe das auch bei seiner Frau, die selbst sportlich aktiv ist: „Was man da alles selbst organisieren muss und was man auf sich nehmen muss. Die Liebe zum Sport muss da schon vorhanden sein“, so Dewes. Eine der größten Stationen seiner Trainerlaufbahn war der SC Lahr. Hier war Dewes seit der Gründung 2015 mit dabei. Auch wenn seine Zeit dort vorbei ist, hat er die Region durchweg positiv in Erinnerung. „Wenn man mehr als 25 Jahre in der Ortenau unterwegs ist, kennt man alle Bolzplätze und Vereine der Region.“ Als vor mehr als 13 Jahren die Anfrage der SpVgg Lahr kam, folgte schnell der Aufstieg in die Landesliga. Beim SC Lahr war Dewes sieben Jahre in der Verbandsliga als Cheftrainer tätig.
Den Wechsel nach Emmedingen hat er – wie er sagt – nie bereut. Die Mannschaft hier gebe ihm viel, auch in schwierigen Zeiten. Exemplarisch dafür sei für Dewes ein Spiel gegen den Freiburger FC gewesen. „Nach 18 Minuten lagen wir 0:3 hinten“, erinnert sich Dewes an den Dezember 2025. Aufgeben sei keine Option gewesen – weder für ihn noch für die Mannschaft. „Das Spiel war die beste Voraussetzung für ein persönliches Waterloo, aber wir haben trotz der Niederlage noch drei gute Torchancen gehabt. Auch wenn wir geschwächt sind, gehen wir auf den Platz“ – das steht für Dewes sinnbildlich für den Fußball.