Michael Bohn (Mitte) gibt nur noch bis Saisonende auf der Willstätter Trainerbank die Kommandos. Foto: Künstle

Der Coach und die Regionalliga-Handballer gehen nach der Saison getrennte Wege. Grund sind auch zwischenmenschliche Differenzen mit Co Ole Andersen.

WILLSTÄTT. Die an Wendungen bereits enorm angereicherte Spielzeit der HSG Willstätt/Hanauerland wurde am Wochenende um eine weitere Episode fortgeschrieben. Wie Rainer Lusch, Handball-Chef der HSG, am Samstagabend am Rande der Heimpartie gegen den VfL Waiblingen mitteilte, muss Cheftrainer Michael Bohn nach nur einer Saison gemeinsamer Zusammenarbeit schon wieder gehen. Als Hauptgrund nannte Lusch die Vereinsposition. Bohn habe zu wenig auf die jungen Kaderkräfte gesetzt.

 

Allerdings spielten auch andere als rein sportliche Gründe eine Rolle bei der Entwicklung. Denn zwischen Bohn und Ole Andersen, die seit Sommer gemeinsam das HSG-Trainerteam bilden, stimmte laut Bohn „vom ersten Tag an“ die Chemie nicht, wie er auf Nachfrage im Gespräch mit unserer Redaktion erläuterte.

Das „damit einhergehende Theater“ hätte sich begleitend durch die Spielzeit gezogen. „Das spielte auch am Samstag gegen Waiblingen unterbewusst mit. Solche Geschichten gehen an einer Mannschaft nicht spurlos vorbei“, ordnet Bohn ein.

Sofortiger Rücktritt angeboten

Der nächste Schritt wurde bereits Mitte März vollzogen. „Ich erhielt nach dem Spiel gegen den TuS Steißlingen am 15. März eine Mail von Rainer Lusch, in der er mich darüber informierte, dass es mit mir als Trainer nach Saisonende nicht mehr weitergehen werde“, berichtet Bohn.

Daraufhin habe er der HSG seinen sofortigen Rücktritt angeboten, man einigte sich aber, die Spielzeit gemeinsam abzuschließen. Bohns Bedingung dafür war, nicht mehr mit Andersen zusammenzuarbeiten. Dem wurde entsprochen.

Die Hanauerländer belegen vier Spieltage vor Saisonende Tabellenplatz fünf und haben mit 34:18 Punkten als Teil eines breiten Blocks mehrerer Mannschaften bei nur einem Punkt Rückstand noch alle Chancen auf mindestens Rang zwei. Daher wirft die Verkündung einer solch zentralen Personalie zu diesem Zeitpunkt, zudem in der vom Verein gewählten Tonart, Fragezeichen auf.

Bei der Nachfolge-Regelung Bohns fiel die Wahl dann auch auf den 68-Jährigen Andersen. Er wird zur neuen Spielzeit erneut die Kommandobrücke betreten. Das war bereits zwischen 1999 und 2001 (damals beim Bundesligisten TV Willstätt) und 2020 bis 2022 der Fall, ehe er im vergangenen Sommer neuerlich in den HSG-Seniorenbereich mitverantwortlich zurückkehrte. Der ehemalige Nationaltrainer Dänemarks arbeitete bereits auf höchster deutscher, schweizer und dänischer Ligaebene. In der Region war er außerdem bereits bei der SG Köndringen/Teningen verantwortlich auf der Bank aktiv. Wie der Wechsel sportlich gelingen soll, wenn das Vertrauen zwischen Kader und kommendem Coach bereits angekratzt wirkt, ist eine der markanten Fragen.

Bohn hat derweil keine Pläne, nach der Saison unmittelbar weiter im Handball tätig zu sein. „Ich war jetzt zwei Jahre, zunächst bei den Frauen des TuS Schutterwald und dann in Willstätt, durchgängig Trainer. Jetzt wird es mal Zeit, zwischendurch auch mal wieder eine Runde Golfspielen zu gehen und anderen Dingen nachzugehen“, sagt er im Ausblick.