Herbert Weith ist einer, der nach vorn blickt und immer neue Projekte in den Blick nimmt: Dieses Mal baut er die ehemalige Bäckerei Schweizer zur Oldtimergarage um. Foto: Alexander Kauffmann

Am Anfang waren es historische Fahrräder, danach schraubte Herbert Weith an Mopeds. Seit fünf Jahren nun an Oldtimern.

Herbert Weith ist einer, der auch im Ruhestand nicht ans Stillstehen denkt. In den ehemaligen Räumen der Bäckerei Schweitzer in Grosselfingen entsteht seine „Oldtimergarage“ – und Weith sagt dazu schlicht: „Das ist meine Rentnerbeschäftigung.“ Wer ihm zuhört, merkt schnell: Es ist mehr als das. „Das Thema hat mich mein ganzes Leben begleitet“, sagt der 63-Jährige.​

 

Weith ist einer, der anpackt. Erstmals selbstständig machte er sich bereits mit 19 Jahren – mit einer Disco. Mit 24 Jahren übernahm er dann das elterliche Geschäft und betrieb die Bäckerei bis 1998. Später baute er gemeinsam mit seiner Frau, die in der Branche tätig ist, ein Heim für Senioren in Hirrlingen. Seit 2001 vermietet Weith zudem eine Hütte auf einer Alm in Österreich. Die Oldtimergarage ist sein neuestes Projekt.​

Seine Leidenschaft fürs Tüfteln begann nicht mit Autos, aber mit Fahrrädern. In seiner Garage in Hirrlingen steht noch heute ein restauriertes Exemplar von 1898, ein Modell, wie es bis zum Ersten Weltkrieg produziert wurde. Es ist ein Tandem der besonderen Art: „Der Mann sitzt hinten erhöht. Auch die Lenkung ist bei ihm, nicht vorn.“ Dort saß die Frau. Pedalieren konnte sie zwar, sagt Weith, „aber für eine Frau war es damals schicker, sich fahren zu lassen“.​

Es gelten Regeln von damals

​Gerade solche Stücke faszinieren Weith. Ihn reizt die Technik, die sich vor dem Zweiten Weltkrieg rasant entwickelte. Seit gut fünf Jahren schraubt er bevorzugt an Auto-Oldtimern. Nicht aus Nostalgie allein, sondern aus echter Begeisterung für die technische Entwicklung. „Es geht um das Fahrgefühl, wie es damals war“, sagt er.​

Weith: „Fahren in den 10er-, 20er- und 30er-Jahren ist auch Fahren pur, ohne Servolenkung, man spürt die Hitze vom Motor, man sitzt auf manchen Fahrzeugen wie auf einem Motorrad und benötigt eine Brille gegen die Fliegen.“ Neben ihm steht in der Oldtimergarage ein Modell der Marke Riley, Baujahr 1932. Der Wagen zeigt, wie erfinderisch der Autobau schon damals war: Abgeschliffene Nieten sollten ihn aerodynamischer machen, eine Methode, die vom Flugzeugbau auf den Automobilbau übertragen wurde. ​

So fortschrittlich das für die damalige Zeit war: Mit Sicherheitsgurten ist es nicht ausgestattet und doch ist es für den Straßenverkehr zugelassen.​

„Die Straßenverkehrsordnung gibt es erst seit 1934, damals gab es noch keine Gurtpflicht.“ Es gelten also für solche Fahrzeuge bis heute die Regeln ihrer Zeit. Auch eine Knautschzone haben die meisten Oldtimer nicht. Deshalb müsse man immer so fahren, „dass man auch für die anderen Verkehrsteilnehmer mitdenkt“, erklärt Weith. Wer einen Oldtimer lenkt, braucht deshalb nicht nur körperliche Fitness, sondern muss auch besonders konzentriert sein.​

Ungebrochene Begeisterung

​Sieben Oldtimer besitzt Herbert Weith inzwischen. Manche von ihnen stehen auch in der Oldtimergarage in Grosselfingen. Der neue Raum in der früheren Bäckerei wird derzeit Stück für Stück hergerichtet. Beim Besuch vor Ort wird gerade die Decke gedämmt. In den ehemaligen Verkaufsbereich soll, wie Weith erklärt, ein mobiler Pflegedienst einziehen.​

So fügt sich bei Herbert Weith vieles zusammen: die Freude an der Technik, die Liebe zum Detail und die Bereitschaft, noch einmal etwas Neues zu beginnen. Seine Oldtimergarage ist deshalb nicht einfach nur ein Projekt für den Ruhestand. Sie ist Ausdruck eines Menschen, den die Begeisterung nie losgelassen hat. Oder, wie er selbst sagt: „Das Thema hat mich mein ganzes Leben begleitet.“