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Oldie-Verein in Sulz Drei Garagen voller Feuerwehr-Schätze

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Vorstand Thomas Burt und sein Stellvertreter Ralf Kopp stehen vor dem TLF Baujahr 1950. Foto: Stapel

"Verein zur Unterhaltung alter Feuerwehrfahrzeuge und Geräte Sulz", so lautet der offizielle Titel. Langweilig? Ganz und gar nicht. In drei Garagen verstecken sich wahre Oldtimer-Schätze. Vorsitzender Thomas Burt und sein Stellvertreter Ralf Kopp präsentieren sie. Mehr lesen Sie in unserem (SB+)Artikel.

Sulz-Holzhausen - Ralf Kopp steigt eine Stufe hinauf und öffnet die Tür zur Fahrerkabine mit dem leicht rostigen, silberfarbenen Griff.­ Es riecht nach altem Auto. Er setzt sich auf die bequeme Kunstledersitzbank. Thomas Burt nimmt in der zweiten Reihe auf einer antiken Holzbank Platz. Wenn man aus dem Frontfenster blickt, sticht der Mercedes Stern auf der roten Haube direkt ins Auge.

"Geben Sie uns kurz eine Diesel-Gedenkminute", sagt Kopp – und meint die Wartezeit, bis ein Dieselmotor bei Kälte vorglüht und startklar ist. Jetzt dreht er einen kleinen Metallhebel nach links. Ein paar Geräusche gibt der Motor von sich, belässt es aber dabei: abgestorben. "Das war ihm wohl doch zu kalt", lacht der 49-Jährige. Im zweiten Versuch klappt’s. Das 70 Jahre alte Tanklöschfahrzeug (TLF) springt an und Kopp fährt es aus dem Gerätehaus. "In liebevoller Arbeit hat die Feuerwehrabteilung Holzhausen die alte Scheuer umgebaut. Hier steht nun ein aktuelles Einsatzfahrzeug und einer unserer drei Oldies."

Eine wahre Rarität ist das Modell TLF15. Baujahr 1950, 90 PS, 7,5 Tonnen schwer, Platz für sechs Mann, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei etwa 70 Stundenkilometer und der Wassertank fasst 2500 Liter. Aus diesem Baujahr gibt es lediglich drei Exemplare. Im Einsatz war es bei der Feuerwehr Sulz sowie der Abteilung Bergfelden bis 1989. "Vor 25 Jahren wurde es restauriert", betont Kopp. Standschäden könne man aber nicht vermeiden, fügt der Vorsitzende des Oldie-Vereins, Thomas Burt, hinzu: "Das eine oder andere Fahrzeug wird mit der Zeit rostig. Es fallen immer wieder neue Arbeiten an."

Direkt neben dem TLF15 parkt eine absolute Antiquität in Holzhausen: Eine Handdruckspritze, die von Pferden gezogen wurde. "Das Gefährt ist aus dem 18. Jahrhundert und da war richtige Männerkraft gefragt. Das Wasser wurde noch von Hand gepumpt."

Unterschied zu heute?

Nun ist das nicht mehr so. Aber was ist der Unterschied zu den heutigen Feuerwehrfahrzeugen? "Die Wassertankfüllung ist bis heute noch gleich. Klar, heute sind die Fahrzeuge besser ausgestattet sowie deutlich größer und schwerer", schildert Kopp, während er eine Runde mit dem roten Oldtimer durch Holzhausen fährt. "Aber glauben Sie mir, die alten Fahrzeuge funktionieren bis heute fast einwandfrei und sind manchmal zuverlässiger, als die neuen." Neu ist nicht immer besser? "Nein. Als wir vor einigen Jahren einen Brand löschen mussten, hat unser neues Fahrzeug den Geist aufgegeben, dann hat einer unserer Oldtimer seine Pflicht erfüllt", erzählt Kopp schmunzelnd.

Das Schmuckstück ist ein Schlauchwagen aus dem Baujahr 1969. "Es hat noch immer ein Schlauchboot oben drauf. Es ist bis heute dicht und einsatzfähig", sagt Burt. "Zu Beginn war es ein Rüstwagen, der später umfunktioniert wurde." Untergebracht ist der rote Flitzer in einer Garage bei der Feuerwehr Sulz. Mit satten zehn Tonnen Gesamtgewicht, 156 PS, und drei Mann Besetzung war das Großfahrzeug bis 2009 im Einsatz. Immer wieder werden Feuerwehrfahrzeuge ausgemustert, aber man könne nicht jedes für die Nachzeit behalten. "Wir haben schon jetzt ein Platzproblem. Wir würden liebend gerne immer wieder neue Fahrzeuge unserer Sammlung hinzufügen, aber das geht einfach nicht", betont Kopp.

In dem ehemaligen Gerätehaus der Feuerwehrabteilung Holzhausen, 50 Meter neben dem heutigen, parkt ein Löschgruppenfahrzeug von 1956. Es bietet Platz für neun Männer, wiegt neun Tonnen, hat 115 PS unter der Haube und ist ausgestattet mit einer fest eingebauten Pumpe.

Winker als Besonderheit

Die Besonderheit: ein Winker sowie eine fahrbare Schlauchhaspel am Fahrzeugheck. "Die Überwindung der Schlauchlänge zum Hydrant konnte schneller überwunden werden, da die Schläuche zusammengekoppelt am Stück abgerollt werden konnten."

Die drei Oldtimer sind in der Obhut des Vereins, der 2005 gegründet wurde. Das heißt? "Wir halten sie am Leben", sagt Kopp. Sie werden von den Mitgliedern gepflegt, aufbereitet und gefahren. "Aber die Fahrzeuge sind im Besitz der Stadt Sulz und werden städtisch untergestellt", ergänzt Burt. "Außerdem wollte man den finanziellen Aspekt trennen." Die Fahrzeuge sind für den Verein kostenfrei in städtischen Gebäuden untergebracht.

Wie finanziert sich so ein kleiner Verein mit knapp 40 Mitgliedern? "Neben Mitgliederbeiträgen, fahren wir immer mal wieder Hochzeiten", erzählt Ralf Kopp. "Da gibt es gerne mal eine großzügige Spende. Vor Coronazeiten haben wir auch ab und an auf Veranstaltungen bewirtet." Ausfahrten und Treffen wurden ebenfalls coronabedingt 2020 alle abgesagt.

Antiker Wasserbottich

Neben den drei Oldtimern hat der Verein bei der Feuerwehr Sulz noch altes Feuerwehrzubehör gelagert. Von alten Helmen aus der DDR über Atemschutzmasken, Schläuchen, Lampen, Dienstanzüge, Feuerlöscher bis hin zu Pumpen. Ein Höhepunkt ist ein antiker Wasserbottich. Feuerwehrmänner schnallten ihn sich damals auf den Rücken und pumpten das Wasser von Hand, um den Brand zu löschen. "Da musste man schon kräftig sein", meint Kopp. "Es gibt also auch Vorteile von Fortschritt."

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