Sie geht ihren Mitmenschen an die Ohren: Künstlerin Klara Hobza, im Bild mit Oliver Wolf, dem zweiten Vorsitzenden des Global Forest Vereins. Foto: Ginter

Sie sehen von Mensch zu Mensch unterschiedlich aus und begleiten uns als eines der fünf Sinnesorgane durchs Leben: unsere Ohren. Die Künstlerin Klara Hobza, die gerade beim Global Forest Verein zu Gast ist, setzt sie künstlerisch in Szene.

St. Georgen - Wir halten die Ohren steif, haben viel um die Ohren oder sind über beide Ohren verliebt. Mit unseren Hörorganen nehmen wir nicht nur unsere Umwelt wahr – viele Sprichwörter zeugen davon, wie elementar wichtig sie sind.

Die Künstlerin Klara Hobza hat sich diesen Körperteilen angenommen und zeichnet die Ohren ihrer Mitmenschen. Auch für die Künstlerin, die derzeit in den Räumlichkeiten des Global Forest Vereins gastiert, ist das Neuland. "Ich weiß noch keine anatomischen Kennzeichen, bin auch ganz neu darin", gibt sie zu.

Für ihr Kunstprojekt war sie in und rund um die Bergstadt unterwegs und hat viele verschiedene Ohren als Zeichenvorlage fotografiert. Allerdings keine Beliebigen – wichtig war hier, dass ihre Besitzer "viel zuhören müssen oder sich viel anhören müssen", erläutert Hobza. Das trifft etwa auf den Bürgermeister zu, auf einen Jäger, eine Hörakustikerin, eine Chorleiterin und diverse Gemeinderatsmitglieder. Mit ihrem Projekt möchte sie "dem stärkeren Hören" Raum geben.

Bei den Treffen seien auch viele nette Gespräche entstanden, erzählt Hobza. "Mit manchen bin ich stundenlang hängengeblieben." Und Absagen gab es auch keine: "Zu meinem Erstaunen haben alle Angesprochenen gleich mitgemacht. Die Leute hier waren alle total gut drauf."

Berliner Straßenlärm war Ideengeber für das Projekt

Wohnhaft ist die Künstlerin eigentlich in Berlin, doch durch ihre Kunst ist sie viel am Reisen, sagt sie. Davon, dass sie viel unterwegs war, zeugen auch die Stationen in ihrem Leben: In Tschechien geboren, mit acht Jahren nach München gekommen, später in den USA studiert. Deutschlands Hauptstadt schätzt sie nun als Lebensmittelpunkt: "Dort ist die Kunst so gebündelt", schwärmt sie.

Wie sie auf die Idee für ihr aktuelles Kunstprojekt kam, weiß Hobza nicht genau, hat aber eine Vermutung: "Vielleicht weil es so wahnsinnig laut war in meinem Atelier." Drei Monate hätte sie an einer Hauptstraße gewohnt, erzählt die Künstlerin. "Ich habe versucht, den Autolärm mit Musik zu übertünchen, habe mir alles Mögliche in die Ohren gesteckt", so Hobza.

Nachdem die Idee aus der Taufe gehoben war, wurden erst einmal ihre eigenen Ohren auf Papier verewigt. Doch bei ihrem zweiten Zeichenobjekt, ihrem Freund, kam das Ganze nicht gut an. "Ich habe ihm die Zeichnung seines Ohres zu Weihnachten geschenkt – doch er hat das Geschenk abgelehnt", berichtet Hobza schmunzelnd.

Für ihre Zeichnungen arbeitet die Künstlerin mit verschiedenen Bleistiftarten und Lesebrillen in unterschiedlichen Stärken, um "näher ran zu kommen".

"Vielleicht ist es besser, dass man seine eigenen Ohren nicht sieht"

Seit ihren intensiven Studien achte sie jetzt verstärkt auf die Ohren ihrer Mitmenschen. Zum Gefallen beigetragen hat das aber nicht wirklich: "Sie passen nicht so zum menschlichen Körper", findet Hobza. Ohren hätten etwas Morbides und Eigenartiges, weckten Assoziationen von Affen und Gorillas bei ihr. "Vielleicht ist es besser, dass man seine eigenen Ohren nicht sieht", befindet die Künstlerin lachend.

Auch in der Kunstgeschichte seien die menschlichen Hörorgane oft unterschlagen worden, meint Hobza: "Sie werden meist weggelassen oder verschämt verdeckt." Nur selten würden sie thematisiert, wie in Jan Vermeers Gemälde "Das Mädchen mit dem Perlenohrring".

Sehen können soll man die Ergebnisse ihrer Arbeit im Juli: Dann will Hobza zusammen mit dem Schönwälder Künstler Frank Faller, der Skulpturen aus Baumstämmen kreiert, eine Art Doppel-Ausstellung geben.

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