Offenbar ohne Vorwarnung schließt die Post ihre Niederlassung. Der letzte Öffnungstag ist der 24. Mai. Die Gemeinde fällt aus allen Wolken – und wehrt sich.
„Nicht akzeptabel“: So nennt Ostelsheims Bürgermeister Ryyan Ashebl das Vorgehen der Deutschen Post. Das Unternehmen schließt seine Filiale in Ostelsheim. Offenbar, ohne die Gemeindeverwaltung darüber zu informieren, und praktisch von einem Tag auf den anderen.
„Auf inoffiziellem Wege und völlig unerwartet“ sei die Gemeinde Ostelsheim am Donnerstag, 22. Mai, darüber in Kenntnis gesetzt worden, dass die örtliche Filiale ihren Betrieb einstellen werde. Und das bereits zum Samstag, 24. Mai.
Verwaltung wird nicht informiert
„Diese Entscheidung wurde der Gemeinde Ostelsheim ohne jegliche Vorankündigung, offizielle Benachrichtigung oder sonstige Kommunikation seitens der Deutschen Post AG mitgeteilt“, berichtet der Bürgermeister in einer Mitteilung. Die Gemeindeverwaltung und er zeigen sich zutiefst enttäuscht und irritiert über dieses Vorgehen, heißt es weiter.
„Wir nehmen diese Art und Weise der vollendeten Tatsachenschaffung mit großer Unzufriedenheit und absolutem Unverständnis zur Kenntnis“, meint Ryyan Alshebl. „Ein solches Vorgehen, ohne jeglichen Dialog mit der Kommune, ist nicht akzeptabel und ein Affront gegenüber der Gemeinde, aber vor allem gegenüber unseren Bürgerinnen und Bürgern sowie den Gewerbetreibenden, die auf eine verlässliche postalische Versorgung angewiesen sind.“
Die Gemeindeverwaltung unter Leitung Alshebls arbeite bereits „mit Hochdruck und in engem Austausch mit DHL Paket daran, schnellstmöglich eine alternative Lösung für die Aufrechterhaltung der postalischen Dienstleistungen in Ostelsheim zu finden“. Oberstes Ziel sei es, die „postalische Grundversorgung“ der Einwohner zeitnah wieder sicherzustellen.
Infos fließen nicht
Die Verwaltung setze „alles daran, eine tragfähige Zukunftslösung zu erarbeiten“, betont der Bürgermeister demnach abschließend.
Auf Nachfrage unserer Redaktion zeigte sich dann doch auch die Post mitteilsam.
Warum die Gemeinde Ostelsheim nicht informiert wurde über die bevorstehende Schließung? „Leider kam es zu einer internen Unregelmäßigkeit, so dass der Informationsfluss ins Stocken geriet“, erklärt Marc Mombauer, Pressesprecher bei der DHL Group in Stuttgart.
Der Vermieter der Immobilie, in der sich die Ostelsheimer Filiale befindet, habe „die Räumlichkeiten ursprünglich zum 31.05.2025 aufgekündigt“. Aus wichtigem Grund sei diese Kündigung allerdings kurzfristig vorgezogen worden.
Seit wann die Schließung beschlossene Sache ist, das sagt Mombauer nicht. Nur so viel: „Der Partner hat fristgerecht gekündigt.“
Bisher konnten die Ostelsheimer in ihrer Filiale alle gängigen Post- und Paketleistungen in Anspruch nehmen. Warum auch die Kunden nicht informiert wurden? Diese Frage beantwortet der Pressesprecher in seiner E-Mail mit „siehe oben“ – damit dürfte er auf den ins Stocken geratenen Informationsfluss, den er als Grund nannte, warum die Gemeinde Ostelsheim nicht benachrichtigt worden sei, verweisen.
„Auf jeden Fall“ Lösung
Nun aber sei der „Regionale Politikbeauftragte“ der Post in Gesprächen mit Bürgermeister Ryyan Alshebl.
Und Marc Mombauer erklärt: „Es wird auf jeden Fall eine postalische Lösung für Ostelsheim geben.“ Daran arbeite die Vertriebsleitung aktuell. „Dabei ist auch der Aufbau einer Poststation ein Thema.“ Poststationen sind eine Art großer Automat mit Schließfächern und Briefkasten. Pakete können an die Poststation geliefert werden, außerdem können Kunden ihre Briefe dort frankieren und abschicken – rund um die Uhr. Im Landkreis Calw gibt es solch eine Station bisher lediglich in Oberreichenbach.
Nach dem 24. Mai müssen die Ostelsheimer indes erstmal auf die Filialen in Althengstett oder Gechingen ausweichen. Zudem verweist Pressesprecher Mombauer auf den Standortfinder der Post. Dieser wiederum ist im Internet unter www.dhl.de/standortfinder zu entdecken.