Weil sich ein Mann im Bus ohne Maske zu nah an andere Mitfahrende gesetzt hat muss er ein Bußgeld bezahlen – dies sah auch das Amtsgericht Oberndorf so. Foto: © Volker Witt – stock.adobe.com, pixabay/ Montage: Kleinau

Ein Bußgeld von 70 Euro und die Verfahrenskosten hat sich ein Schramberger bei einer Busfahrt nach Schiltach eingehandelt.

Oberndorf/Schramberg - Am Freitagvormittag hatte vor dem Amtsgericht Oberndorf eine Szene ein Nachspiel, wie sie sich zu Corona-Zeiten ständig und überall abspielen könnte: Ein junger Schramberger, Mitte 20, bestieg am 20. Februar dieses Jahres um die Mittagszeit den Linienbus 7478 nach Schiltach. Er trug keine Maske, weil er ein gültiges ärztliches Attest hat. Er nahm einen Sitzplatz im hinteren Bereich ein.

Außer ihm waren im großen Linienbus nur noch eine Seniorin im vorderen Bereich und eine Frau mit ihrem 58-jährigen Mann. Dieser monierte die fehlende Maske und verlangte mehr Abstand, es wurde hin- und her diskutiert. Der junge Mann blieb sitzen, wo er war, der Abstand reiche doch, der ältere rief die Polizei.

Die kam nach zehn Minuten, der junge Mann wurde verwarnt, der Bus konnte losfahren. Gut vier Wochen später kam – völlig überraschend für den jungen Mann – ein Bußgeldbescheid der Abteilung Öffentliche Ordnung des schramberger Rathauses: 70 Euro Bußgeldsumme, dazu kommen 25 Euro Gebühr sowie 3,50 Euro Auslagen, weil er den Mindestabstand nicht eingehalten habe.

Maskenkonflikt im Gericht

Am nächsten Tag ging er zum Busbahnhof und maß im Linienbus nach. Der Abstand reichte und er legte Einspruch ein. Damit landete die Sache bei Richterin Hohl am Amtsgericht Oberndorf. Am Freitag bei der öffentlichen Hauptverhandlung gab es den nächsten Maskenkonflikt im beengten Sitzungssaal 2: Vier Unterstützer des jungen Mannes waren als Verfahrenszuschauer erschienen, drei hatten ein normales ärztliches Attest zur Maskenbefreiung dabei, nicht das im Gerichtssaal nötige amtsärztliche. Doch für sieben Personen (einschließlich junger Mann, Richterin, ein Vertreter unserer Zeitung) war der Saal unter diesen Umständen nicht zugelassen. Richterin Hohl blieb hart. Es kam zum Kompromiss, um nicht vertagen zu müssen, von den Unterstützern murrend mitgetragen: Die Richterin, der junge Mann, ein Unterstützer mit Maske und der Pressevertreter mit Maske blieben im Saal.

Zweierlei Wahrnehmung

Für die Beweisaufnahme hatte der junge Mann eine Skizze mitgebracht: Danach saßen der 58-jährige und seine Partnerin direkt an der seitlichen Einstiegstür, der junge Mann schräg dahinter auf der anderen Gangseite. Bei der Zeugenvernehmung sagte der 58-jährige aus, sie hätten auf der anderen Gangseite gesessen und der junge Mann habe sich ☺"provokant direkt hinter uns gesetzt". Der zweite Zeuge ist der am Einsatz beteiligte Polizeimeister vom Schramberger Revier. Gefragt von der Richterin, sagt er nach kurzem Zögern, dass er fast sicher sei, dass der junge Mann direkt hinter dem Paar gesessen habe. Da der junge Mann wegen der Kosten ohne Rechtsanwalt erschienen war, mussten sich die beiden Zeugen keiner weiteren genaueren Befragung stellen, die vielleicht ein anderes Licht auf die Sache geworfen hätte.

Zwei Zeugen gäben unabhängig voneinander eine andere Sitzposition an, stellte Richterin Hohl fest.

Nach 15 Minuten Sitzungspause verkündete sie das Urteil: 70 Euro Bußgeld und die Kosten des Verfahrens. Ein Woche hat der junge Mann Zeit zu überlegen, ob er Einspruch einlegt.

Nach dem Gerichtstermin erzählt er unserer Zeitung, dass er inzwischen einen günstigen Gebrauchtwagen angeschafft habe. Dann sei er nicht mehr auf den Bus angewiesen und könne Konflikten wegen der Maske aus dem Weg gehen.