Eine Gemeinschaft vor dem Monitor: Beim Gospelchor "InSpirit" wird seit sechs Wochen virtuell geprobt. Foto: privat

Ungewöhnliche Umstände können durchaus die Kreativität fördern. Und so singt der Gospelchor "InSpirit" seit einigen Wochen "digital".

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Burladingen - Wenn aus einem Einfamilienhaus im Ringinger Tal in Burladingen plötzlich vierstimmiger Gesang ertönt, dann ist dort nicht etwa das Radio eingeschaltet. Nein, die Familie Vergari probt dann wie jede Woche mit anderen Sängerinnen und Sängern vor dem Monitor.

Es darf nicht gemeinsam gesungen werden

Dem Gospelchor "InSpirit", der mittlerweile zur evangelischen Kirchengemeinde Burladingen gehört, ergeht es in der Pandemie wie allen anderen Gesangsgruppen auch: Es darf nicht gemeinsam gesungen werden. Und das nun schon seit sehr langer Zeit. Aber warum singt man überhaupt mit anderen in einem Chor zusammen? Weil es eben Spaß macht. Nicht weil irgendeine Notwendigkeit besteht. Auch auf dieses Hobby müssen die Menschen nun schon etliche Monate verzichten.

Damit ist jetzt Schluss. So dachte es sich wohl Chorleiter Anton Roggenstein. Er hat neben dem Burladinger "InSpirit" auch noch andere Chöre. Und vor sechs Wochen kontaktierte er seine Leute, forderte sie dazu auf, die Software "Jamulus" auf ihren Rechnern zu installieren, und mailte auch gleich noch ein Installations- und Anleitungsvideo mit. In seiner gewohnt ruhigen Art half Chorleiter Roggenstein bei anfänglichen technischen Schwierigkeiten. Und nun wird wieder gemeinsam gesungen – wenn auch an getrennten Orten.

Nun ja, im Hause Vergari zwar am selben Ort, aber in getrennten Zimmern. Denn Lorenzo singt Bass, Ursula übernimmt die Alt-Stimme, und die Zwillingstöchter Anna (Sopran I) und Lea (Sopran II) sind ebenfalls mit dabei. Inzwischen haben sie sich auch schon mit hilfreichem Equipment wie Kopfhörern ausgestattet. Verzögerungen gibt es bei der genutzten Software äußerst minimal, so dass wirklich ein schöner Chorgesang entstehen kann. Beim Einloggen ins Internet muss sich jeder mit Namen und Singstimme anmelden und schon kann es los gehen.

15 Chormitglieder machen mit

Von 25 Chormitgliedern machen etwa 15 bei den digitalen Proben von "InSpirit" jeden Montagabend ab 20 Uhr mit. "Es ist das Highlight der Woche", fiebert Ursula Vergari schon wieder der nächsten Probe entgegen. Jeder kann sich übrigens auch bei den Proben der anderen Roggenstein-Chöre einloggen und spontan mitsingen. Praktischerweise finden diese immer an einem anderen Abend statt – von Montag bis Freitag. Ein Traum von Anton Roggenstein wäre es, wenn sich einmal so viele Gastsänger in eine Chorprobe einloggen würden, dass mit 50 Teilnehmern das Maximum des technisch Machbaren ausgereizt wäre.

"Du bist nicht alleine. Es entsteht eine Gemeinschaft vor den Monitoren", erläutern Lorenzo und Ursula Vergari. Und manchmal ist so eine Chorprobe auch lustig. Wenn beispielsweise im Hintergrund das Telefon klingelt oder ein Hund bellt. "Es ist Freude, die man teilt", sagt das musikalische Ehepaar. "Den Sekt nach der Probe vermisse ich", bedauert Ursula Vergari und freut sich schon auf normalere Zeiten, wenn man sich endlich wieder begegnen kann.

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