Anastassja Konavko und Frieder Halter im Interview; mit Gebärdendolmetscherin Sarah Bertsch Foto: I. Ließmann

Kultur: Junge Kreative des OHG Nagold treten nach langer Corona-Pause erstmals wieder im Kubus auf

Ein strahlender Frank Meyer stand auf der Bühne und begrüßte das erstaunlich große Publikum, das zur Offenen Bühne erschienen war. Erleichterung war seinem Gesicht abzulesen, dass es nun endlich wahr wird; dieser Abend, an dem Schüler des Otto-Hahn-Gymnasiums ihr Können im Darstellenden, Literarischen und Musikalischen Bereich zeigen durften.

Nagold. Da Meyer, zuständig für die Musiker, und Jens Brandt, verantwortlich für die Beiträge der Theaterdarsteller, Comedy und Poesie, bis kurz vor Beginn nicht wussten, ob dieser Abend stattfinden darf, hatte man ausnahmsweise einmal kein gedrucktes Programm zur Hand; auch die Beiträge seien mit heißer Nadel gestrickt, so Meyer. Doch wusste sich Moderator Meyer zu helfen: Er reichte das Mikrofon einfach weiter, und die Künstler stellten sich selbst vor, samt dem, was sie darboten.

Feinsinniger Humor und Improtheater

Den Einstieg gaben Alexander Varzacew am Piano und Vincent Skalicki am Schlagzeug, die den Kubus mit "Crocodile Rock" von Elton John gleich mal zum Kochen brachten. Man merkte sofort, dass die zwei Musiker ihre Instrumente bestens beherrschten. Um etwas herunterzukommen, boten im Anschluss Schüler aus Brandts LTH-Kurs feinsinnigen Humor und Improvisationstheater. Emma Taha, die Moderatorin der Truppe, ließ jemand aus dem Publikum drei aberwitzige Themen aus einem Hut ziehen, von dem eines spontan ausgewählt und dargestellt wurde: "Besoffen im Zoo". In einer Talkshow-Runde interviewte im Anschluss Anastasia Konavko ihren Gast, Frieder Halter, zum gewähltem Thema. Vollendet wurde die Runde durch eine wild gestikulierende Gebärden-Dolmetscherin, die mit ihrem komödiantischen Talent für etliche Lacher sorgte.

Im Anschluss gab es Nachdenkliches mit Augenzwinkern, von Sarah Bertsch geschrieben und vorgetragen, aus dem Leben der Ephemeroptera, also einer Eintagsfliege. Nun war es an Vincent Salicki, am Schlagzeug zu überzeugen. Seine Musik kommt aus dem Bereich Djent/Progressive Metal und sein Schlagzeugsoli, samt leidenschaftlicher Show zum eingespielten, eigenen Song, ließ einen Verlierer zurück: Einer seiner Schlagzeugsticks brach gleich doppelt. Überdies kündigte der Drummer seine erste Single auf Spotify an.

Buchstabendreher sorgen für Gelächter

Wer kennt sie nicht, die RTL-Samstagnacht-Show, mit ihrem berühmt berüchtigten "Kentucky schreit Ficken!" In jedem Satz werden stets die ersten Silben vertauscht, was unfreiwillig Komisches zutage bringt. Gleich zwei Teams der Theater-AG und des LTH-Kurses, bestehend aus Anastassja Konavko, Emely Weber, Sarah Bertsch, Hannah Fingerhut und Jana Gerzen, hatten sich dieser Show liebevoll angenommen und sorgten mit ihren Buchstabenverdrehern für viel Gelächter.

Währenddessen setzte sich Lana Löffler, unter der Rubrik Poetry Slam, mit den oft viel zu leichtfertig ausgesprochenen Beleidigungen auseinander, die manchmal nicht einmal als solche gemeint sind und dennoch verletzen können. Auf Lanas Auftritt folgte erneut eine Interview-Runde, ebenfalls mit zufällig ausgelostem Thema: "Die Bundesjugendspiele – Alte gegen Kindergartenkinder". Der Interviewer, diesmal Frieder Halter, begrüßte zuvor aus Nagolds Allianz-Arena und erntete ein gewisses Aufbegehren aus dem Publikum, als er die Senioren ab 50 Jahre ansetzte. Als äußerst sportlich, ausdauernd und urkomisch entpuppte sich Lotta Wegenast, die zweite "Fachfrau" für Gebärdensprache.

Aufführung im Frühjahr 2022 geplant

Jonathan Hartwig sorgte allein durch sein Instrument, ein Marimbaphon, für Staunen. Doch dieses wurde durch seine Darbietung noch um ein Vielfaches überboten. Mit "Romantica", von Emmanuel Sejourne, kehrte absolute Stille ein auf Seiten des Publikums. Der angenehme Klang des Instruments, aber auch die gefühlvolle und zugleich temperamentvolle Darbietung Hartwigs, verschaffte dem Publikum tiefe Entspannung. Mit einen Auszug aus Dürrentmatts "Romulus der Große", das Stück, dessen Aufführung voraussichtlich im Frühjahr 2022 stattfinden wird, überzeugten Annawina Merk, Emma Taha und Sarah Bertsch, von der Theatergruppe Talantoi. Die drei Schauspielerinnen setzten den dramatischen Auszug gekonnt in Szene und machten Lust auf mehr. Unbedingt erwähnt werden sollte oebendrein, dass Jascha Grüner diesen Abend perfekt mit einer stimmigen Licht- und Tontechnik begleitete.

Für einen schmissigen Abschied der Offenen Bühne sorgte Alexander Varzacew, der bekannte Lieder, wie "Hit the road Jack" von Ray Charles, mit wahrer Spielfreude, abermals am Piano, darbrachte. Selbst als das Publikum die Stühle zusammenstellte und im Aufbruch war, steckte Varcacew noch voller Spielfreude und geleitete so selbst den letzten Besucher musikalisch vor die Türe.