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Offline Einfach mal abschalten

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Wissenschaftler haben untersucht, wie sich die immer verfügbare Online-Welt auf die Psyche und die sozialen Kompetenzen auswirkt. Foto: Pixabay

Stuttgart. Viele Menschen schauen alle paar Minuten oder noch öfter auf ihr Smartphone-Display: Sieben neue E-Mails, neun WhatsApp-Nachrichten und noch viel mehr Neuigkeiten auf Facebook, Twitter & Co. wollen beachtet und gelesen werden. Auf Dauer führt diese ständige Ablenkung jedoch zu Stress und permanenter Überforderung. Wissenschaftler haben daher untersucht, wie sich die immer verfügbare Online-Welt auf die Psyche und die sozialen Kompetenzen auswirkt.

Der Ulmer Hirnforscher Manfred Spitzer veröffentlichte schon 2015 ein Buch, dessen Titel aufhorchen ließ: „Digitale Demenz. Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen“. Das Gehirn verliere an Leistungsfähigkeit, wenn Aufgaben vermehrt von Computern übernommen werden, so Spitzer. Er warnte: Bei Kindern drohten verminderte Lernfähigkeit, Abstumpfung und ­Depression.

Experten plädieren für einen differenzierten Blick, sie sehen Licht und Schatten der Technologie. Negative Folgen träfen aber keineswegs nur Kinder. Wenn der Psychotherapeut Andreas Hillert von der Psychosomatischen Klinik Roseneck am Chiemsee über jugendliche Patienten spricht, die statt in die Natur lieber ständig aufs Display schauen, sieht er dahinter eine Angst, etwas zu verpassen. Sie fühlten sich allein und innerlich leer: „Das Smartphone wird zum Objekt, das symbolisiert, mit allen verbunden zu sein.“

No-Mobile-Phone-Phobia und andere Krankheiten

Wissenschaftler haben solche Phänomene beschrieben. In Studien gehen sie neuen Krankheitsbildern nach. Da gibt es zum Beispiel die Nomophobie, kurz für No-Mobile-Phone-Phobia – die Angst davor, ohne Handy zu sein. Die Angst, offline zu sein, hat ebenfalls einen Namen: Fobo, für Fear of being offline. Die Jugendlichen seien daran gewöhnt, ihre Bedürfnisse schnell und ohne Umschweife befriedigen zu können, sagt Hillert. „Soziale Netzwerke suggerieren, irgendwo eingebunden zu sein“, sagt Hillert. An Erfahrungen aus realen Gruppen wie dem Sportverein, wo es auch mal Reibungen gibt, mangele es hingegen in diesen Biografien. Hillert erzählt von jungen Erwachsenen mit hohem narzisstischem Anspruch – sie wollen etwas ganz Besonderes sein – und einer sehr geringen Frustrationstoleranz.

Was macht den Online-Sog aus? Von einem „immensen Kommunikations- und Selbstdarstellungsdruck“ spricht Catarina Katzer, Spezialistin für digitales Sozialverhalten. „Man kann es auch Selfie-Manie nennen.“ Per se schlecht ist das nicht: Im Netz die volle Kontrolle über die eigene Selbstdarstellung – meist von der Schokoladenseite – zu haben und die Reaktionen der Kontakte darauf zu sehen, sei eine Chance. „Das kann positiv für unsere Identitätsentwicklung und unser Selbstbewusstsein sein“, sagt Katzer.

Der Druck, selbst zu kommunizieren und immer Neues zu präsentieren, kann sich aus Sicht der Cyberpsychologin aber auch negativ auf die Psyche auswirken. „Es ist, als ob wir in einer Spirale stecken, die sich immer schneller dreht. Das macht atemlos, wir fühlen uns überrollt.“ Übertriebene Selbstobsession, Ich-Zentriertheit und eine regelrechte Sucht nach Reaktionen könnten Folgen sein.

Das Internet zu verteufeln bringt nichts, da sind sich die Experten einig. Vielmehr müsse es um Bewältigungsstrategien gehen. Sich selbst darüber klar zu werden, was einem guttue und wie man sich verändere, sei der erste Schritt, rät Catarina Katzer. Ein Online-Logbuch zu führen könne hilfreich sein.

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