Silas Katompa hat zuletzt beim VfB Stuttgart den linken Flügel besetzt, doch nach einer Umstellung empfiehlt er sich für die Sturmspitze. Auf welcher Position spielt er nun gegen den SC Freiburg?
Ganze 561 Tage hat Silas Katompa gewartet. Genau genommen vom 29. Januar 2021 bis zum vergangenen Samstag, den 13. August 2022, in Bremen. Dort hat der Offensivspieler des VfB Stuttgart wieder ein Bundesligator erzielt, nachdem er zuletzt vor mehr als eineinhalb Jahren beim Sieg gegen den FSV Mainz 05 in der Mercedes-Benz-Arena getroffen hatte. Spektakulär war das Solo, das ihn über den gesamten Platz führte und welches er mit dem 2:0 veredelte. Nahezu eine Kopie davon gab es noch einen Monat später zu bewundern, im DFB-Pokal gegen Borussia Mönchengladbach (1:2).
Das ist zweifellos lange her für einen Spieler wie Silas, der sich auch über Tore definiert. Und es war eine schmerzhafte Zeit, weil der 23-Jährige knapp 400 Tage davon aufgrund schwerer Verletzungen ausgefallen ist. Nun ist nicht nur das Lächeln des Kongolesen beim VfB zurück, sondern Silas nähert sich mit seinen langen Beinen der Bestform, die ihn in der Aufstiegssaison zum Shootingstar avancieren ließ.
VfB-Trainer Matarazzo lässt Silas’ Position gegen den SC Freiburg offen
Wie eine Rakete auf der Rampe wirkte Silas damals schon. Nicht ausgereift in seinem Spiel, mit technischen Defiziten vor allem in der Ballan- und -mitnahme, aber mit einem Tempo und einer Zielstrebigkeit ausgestattet, die den gegnerischen Verteidigungsreihen schwer zu schaffen macht. „Er hat seine Spielfreude wiedergefunden“, hat der Sportdirektor Sven Mislintat zuletzt betont. Was Silas beim 1:1 gegen RB Leipzig dabei noch misslang, ist ihm dann beim 2:2 gegen Werder gelungen – der zündende Moment nach einem Pass von Sasa Kalajdzic.
Silas sprintete in Richtung Tor und schoss überlegt zur 2:1-Führung ein. Kurz darauf war er erneut durch, scheiterte jedoch an Bremens Schlussmann Jiri Pavlenka. Beide Läufe in die Tiefe startete er nach seiner Versetzung in den Angriff. „Ja“, sagt der Trainer Pellegrino Matarazzo, „er hat sich für diese Position empfohlen.“ Dennoch bedeutet dies nicht, dass Silas am Samstag gegen den SC Freiburg gleich im Sturm beginnt. Doch die Wahrscheinlichkeit steigt. Zum einen, weil er vorne mehr Torgefahr ausstrahlt als auf dem linken Flügel. Zum anderen, weil Borna Sosa wieder fit ist und den gewohnten Außenposten einnehmen kann.
Kein Bundesliga-Spieler setzte am zweiten Spieltag mehr Dribblings an
„Ich weiß, dass Silas in der Spitze aufblühen kann“, sagt Matarazzo. Weil er dort weniger Defensivaufgaben zu bewältigen hat denn als Schienenspieler („Wingback“) und weil es ihm leichter fällt, die Umschaltmomente nach Balleroberungen und Steilpässen zu nutzen. „Nach der Umstellung hat er eine andere Energie auf den Platz gebracht“, sagt Matarazzo, der jedoch nicht verkennt, dass der Tempodribbler für sein Spiel oft Raum und einen langen Anlauf benötigt.
Mit acht Dribblings (62,5 Prozent davon gewonnen) wies die Statistik den VfB-Profi am zweiten Spieltag in dieser Kategorie als Nummer eins aus, vor Alphonso Davies vom FC Bayern und Dani Olmo von RB Leipzig mit je fünf (80 Prozent gewonnen). Insgesamt hat bisher lediglich Omar Marmoush (VfL Wolfsburg/12) ein Dribbling mehr angesetzt.
Sven Mislintat lobt Silas als „ständigen Unruheherd“
Silas zählte gegen Werder mit einer Spitzengeschwindigkeit von 33,9 Stundenkilometern zudem zu den Schnellsten an diesem Spieltag (Rang zwölf). Das sind die großen Stärken des jungen Silas, die sich zu einer Wucht verbinden, die dem Stuttgarter Spiel guttut. Weshalb der Gegner oft gezwungen ist, den Angreifer zu doppeln, um ihn zu stoppen. Im Weserstadion versuchten es Mitchell Weiser direkt und dahinter in der Abwehr erst Amos Pieper und danach Niklas Stark. Und selbst wenn ihm der Ball immer mal noch weit vom Fuß springt, bleibt Silas „ein ständiger Unruheherd“, sagt Mislintat.
Anders als zuletzt Tiago Tomas, der bei der Einwechslung von Borna Sosa im Sturm Platz für Silas machen musste. Eine wirkungsvolle Rochade, da dem Portugiesen nur eine gute Aktion gelang. Doch er brachte den Ball letztlich nicht an Pavlenka vorbei. „Er kann anders Fußball spielen, und er muss mit seinem Speed und seiner Abschlussstärke in der Offensive wieder mehr Eins-gegen-eins-Duelle gewinnen“, sagt Matarazzo über Tomas. Unglücklich agierte dieser meist beim Versuch, an den Verteidigern vorbeizukommen – und nun ergibt sich neue Konkurrenz.
„Borna hat nach seiner Einwechslung taktisch sofort gecheckt, wie wir es machen wollen, und er gibt uns mit dem Ball viel Sicherheit“, sagt Matarazzo. Die Balleroberung vor Silas’ Tor ging auf den Kroaten zurück. Doch in Bremen hatte sich der 24-Jährige nach hartnäckigen Adduktorenproblemen nur eine halbe Stunde Einsatzzeit zugetraut. Nach dem gelungenen Comeback dürfte es jetzt mehr sein. Das eröffnet dem VfB weitere taktische und personelle Optionen – mit dem wiedergenesenen Sosa auf links und dem angriffslustigen Silas, der auf die rechte Seite oder in die Spitze wechseln kann.