Hat sich beim VfB zurückgekämpft und kam zuletzt wieder häufiger zum Einsatz: Fabian Rieder Foto: imago//Gladys Chai von der Laage

Die Stuttgarter können den 23-Jährigen über eine vertraglich fixierte Kaufoption fest verpflichten – was derzeit allerdings sehr unwahrscheinlich ist. Wie die weiteren Möglichkeiten aussehen und wovon die Entscheidung abhängt.

Wer über eine Schusstechnik verfügt wie Fabian Rieder, kann in guten Momenten jederzeit Torgefahr erzeugen. Ansatzlos wie zuletzt im Ruhrstadion, wo der Offensivakteur des VfB Stuttgart gegen den VfL Bochum (4:0) mit seinem starken linken Fuß aus gut und gerne 20 Metern abzog – und einzig der Pfosten einem Erfolgserlebnis im Weg stand. Rieders Tag war aber auch ohne Tor ein erfreulicher: Der 23-Jährige durfte nach langer Zeit mal wieder in einem Pflichtspiel in der Anfangsformation des VfB ran, zum ersten Mal überhaupt in diesem Jahr.

 

Drei Tage nach dem Pokalspiel gegen RB Leipzig hatte Sebastian Hoeneß viel rotiert, auch Yannik Keitel spielte erstmals nach zwei Monaten wieder im zentralen Mittelfeld – und erhielt im Anschluss wie Rieder auch ein Trainer-Lob. „Ich bin sehr zufrieden mit beiden. Sie stehen für Frische und Physis, das waren zwei wichtige Themen“, sagte Hoeneß, während Mittelstürmer Ermedin Demirovic auf die Kaderbreite verwies: „Wir haben Spieler mit weniger Einsatzzeit, die aber trotzdem auf einem sehr hohen Niveau Fußball spielen können.“

Saison mit Höhen und Tiefen

So zeigte sich in Bochum das Potenzial der Mannschaft abseits der üblichen Verdächtigen und Dauerspieler. Einerseits. Zugleich muss dieser Befund zwingend mit dem Zusatz versehen werden, dass sich der Gegner an diesem Tag alles andere als Bundesliga-tauglich präsentierte. Die Eindrücke gilt es also zu bestätigten, in den Trainingseinheiten und Spielen, über eine längere Dauer.

Hier aber, das lässt sich festhalten, befindet sich Rieder schon seit einiger Zeit auf einem guten Weg. Der Mittelfeldspieler hat sich zurückgekämpft und wieder Anschluss ans Team gefunden, seine Einsatzchancen sind nach Monaten ohne viele Spielminuten wieder realistisch – in einer Saison, die für ihn persönlich mit Höhen und Tiefen verläuft. Insbesondere zu Saisonbeginn setzte der 18-malige Schweizer A-Nationalspieler mit starker Physis und guter Technik Akzente. Durch sein Freistoßtor gegen den FSV Mainz 05 (3:3) oder die beiden Torvorlagen gegen Borussia Mönchengladbach (3:1) inklusive eines Tempolaufs zur Grundlinie, bei dem er sogar den Schiedsrichter-Assistenten umkurvte. Kurzum: Der Auftakt war ein vielversprechender, nicht zuletzt aufgrund der scharf getretenen Standards präsentierte sich Rieder als hochinteressante Option.

Fabian Rieder (rechts) bei der EM 2024 im Duell mit der deutschen Elf um Florian Wirtz Foto: imago//nordphoto GmbH/Denkinger

Auf die gesamte Saison betrachtet aber war und ist das nicht der Dauerzustand. Unter starke Auftritte mischten sich immer wieder unauffällige, mit Blick auf Rieders direkten Einfluss auf das Stuttgarter Angriffsspiel sind die Zahlen ausbaufähig: In 31 Pflichtspiel-Einsätzen – davon elf von Beginn an und nur einem über die volle Distanz – gelangen Rieder wettbewerbsübergreifend zwei Tore und sieben Vorlagen. Alleine drei dieser Assists gab er dabei in der einseitigen Champions-League-Partie gegen seinen Ex-Verein Young Boys Bern (5:1). Steigerungspotenzial ist also vorhanden.

Was zur Frage nach seiner Perspektive beim VfB führt. Bis Saisonende ist Rieder vom französischen Erstligisten Stade Rennes an die Stuttgarter ausgeliehen – und hat auch selbst immer wieder betont, wie gern er in der Bundesliga spielt. Möglich wäre das auch weiterhin, der VfB kann Rieder zur kommenden Saison durch eine Kaufoption fest verpflichten. Das große Aber an dieser Stelle: zu stattlichen Konditionen. Bei gut zehn Millionen Euro liegt die vertraglich fixierte Summe, weshalb die Tendenz klar ist: Die Stuttgarter werden diese Option aller Voraussicht nach nicht ziehen.

Ganz zu ist die Tür damit aber noch nicht. Zum einen steht es beiden Vereinen ja frei, sich auf eine beliebige Ablösesumme unterhalb der vereinbarten Kaufoption zu verständigen. Die Drähte von Cannstatt in die Bretagne sind kurz, spätestens seit den Transfers von Stürmer Serhou Guirassy (zum VfB) und Anthony Rouault (nach Rennes). Allerdings ließen sich die Franzosen Rieder auch einiges kosten, rund 15 Millionen Euro flossen 2023 an die Young Boys Bern. Ob Gesprächsbereitschaft für einen deutlich niedrigeren Betrag als den mit dem VfB vereinbarten besteht, ist deshalb fraglich.

Bliebe als Option eine erneute Leihe, wobei hierfür auch Rieder selbst bis Saisonende noch Eigenwerbung betreiben müsste. Schließlich geht es für den VfB nicht nur um finanzielle Aspekte, sondern auch um Fragen der Kaderzusammenstellung für die kommende Saison. Sechs Partien stehen in der Bundesliga noch aus, in denen Fabian Rieder Akzente setzen und auf sich aufmerksam machen kann. Wie zuletzt in Bochum.