Pendler Harald Wendle ist mit der Situation am Friesenheimer Bahnhof immer noch unzufrieden und hat sich deshalb in einem offenen Brief an das Verkehrsministerium gewandt. Foto: Bohnert-Seidel

Der Bahn-Pendler-Protest geht in die nächste Runde. Mit einem offenen Brief wendet sich Pendler Harald Wendle persönlich an den Landesverkehrsminister. Die Forderung: Am Friesenheimer Bahnhof sollen die Züge wieder alle halbe Stunde halten.

Friesenheim - Wenn es darum geht, den Finger in die Wunde zu legen, um für die Bahn-Pendler einzustehen, kennt Harald Wendle kein Pardon. Als Sprachrohr der Bahn-Pendler schafft er sich Gehör. Kein Weg in den Gemeinderat ist ihm zu viel, keine Plakatgestaltung zu aufwendig. E-Mails, die Bahn-Pendler direkt an das Verkehrsministerium schreiben, Flyer und Aufrufe für eine Rückgabe von gestrichenen Haltestopps am Friesenheimer Bahnhof bleiben die Regel. Der Heiligenzeller und Bahnpendler kämpft so lange weiter, bis sich von Seiten des Ministeriums für Verkehr in Stuttgart etwas bewege. Jetzt hat Wendle einen offenen Brief an Winfried Hermann, Minister für Verkehr in Baden-Württemberg, geschrieben und diesen auch der Lahrer Zeitung vorgelegt.

Kein Zeitverlust durch höheres Tempo

Wiederholt legt er die aktuelle Situation dar und fordert, zumindest die bis dato noch gestrichenen acht Haltestopps, von insgesamt zehn, zurück. "Äußerungen Ihres Hauses, dass die Kapazität auf der noch zweigleisigen Rheintalbahn südlich von Offenburg keine weiteren Halte in Friesenheim zulässt, sind längst widerlegt", so Wendle in dem Brief an das Ministerium. Einerseits habe der Halbstundentakt in den Hauptverkehrszeiten bereits bestanden, andererseits beweise die Deutsche Bahn wöchentlich, beispielsweise beim Ausfall von Regionalbahnzügen, dass die Situation auf der Rheintalbahn nicht kollabiere, wenn Friesenheim, dann mit außerplanmäßigen Regionalzügen, angefahren werde. Mit neuen Zügen und deren höherer Geschwindigkeit komme es auch bei kurzen Distanzen auf der Rheintalbahn zu keinerlei Zeitverlusten.

Vor diesem Hintergrund hat Wendle Anfang Juli mit einer Plakataktion am Bahnhof in Friesenheim, auf Winfried Hermann und dessen Versprechen für den Ausbau des Halbstundentaktes aufmerksam gemacht (wir berichteten). Doch diese Aussage stehe noch immer im Widerspruch zur Situation am Friesenheimer Bahnhof.

Halbstundentakt gefordert

Die Bahn-Pendler trügen die Verkehrsstrategie des Landes "ÖPNV 2030" voll und ganz mit. Täglich leisteten sie ihren Beitrag zur Verkehrswende und zum Klimaschutz. Selbstkritisch habe Winfried Hermann im Mai 2022 festgestellt, das Land komme mit der ÖPNV-Strategie-2030 nicht recht voran, um den Nahverkehr in dieser Dekade zu verdoppeln. Um dieses Ziel zu erreichen, sollte unter anderem in den ländlichen Gemeinden ein verbindlicher Halbstundentakt in den Hauptverkehrszeiten eingerichtet werden. "Offensichtlich ist es Ihnen nicht bekannt, dass dieses erstrebenswerte Ziel durch Maßnahmen Ihres eigenen Hauses selbst konterkariert wird", schreibt Wendle. So habe das Verkehrsministerium mit dem Fahrplanwechsel im Sommer 2020 am Bahnhof in Friesenheim zehn Zughalte aus den Hauptverkehrszeiten gestrichen. Nach öffentlichem Protest und mit Unterstützung der Gemeinde wurden zwei Halte zurückgegeben.

Gleiches Recht für alle, auch für Friesenheim, fordert Wendle. Ein Halbstundentakt sollte auch für Pendler und Steuerzahler in Friesenheim greifen. "Es kann nicht sein, dass wir für die notwendige Verkehrswende beides abzugeben haben – unsere Steuern und unsere Zughalte", betont er. In den Hauptverkehrszeiten müssten alle Halte entlang einer Strecke bedient werden, ansonsten entstünden im Land "weiße Flecken", die bei der Verkehrswende abgehängt werden oder abgehängt bleiben.

Plakat-Aktion

"Anstatt mit allen Zügen, kommt der Minister uns mit Lügen?" – mit dieser Aufschrift auf einem Plakat am Friesenheimer Bahnhof hatte Harald Wendle zuletzt im Juli diesen Jahres seinem Unmut Luft gemacht. Er ging dabei auch auf ein Zitat des Verkehrsministers ein, von dem sich Wendle endlich seine Erfüllung erhofft: "Wir wollen es schaffen, dass in den Hauptverkehrszeiten der Halbstundentakt gilt."