Der Vorstand des Kreisseniorenrates richtet sich mit einem Offenen Brief an die Vertreter der Bürger im Landkreis. Die Senioren fühlten sich demnach ausgegrenzt und übergangen.
„Die Teilnahme am Alltagsleben wird zunehmend schleichend behindert“, findet der Kreisseniorenrat. Deshalb wende er sich nun mit einem Offenen Brief gegen „das schrittweise Ausgrenzen von Senioren vom Alltagshandeln“.
Senioren würden immer mehr Einschränkung der Lebenswirklichkeit durch „eingrenzende Zentralisierung und Digitalisierung“ erfahren, heißt es in dem Brief, der unserer Redaktion vorliegt. „Die Teilhabe am Alltagshandeln wird fortschreitend eingeschränkt und wird als Abgeschoben-Sein empfunden in eine Bedürfnis- und Fürsorge-Ecke, was beschämt und vergrämt“, so der Vorsitzende Rainer Pfaller.
Schließung der Bank-Filialen
Als Beispiele nennt er unter anderem „zwingendes Internet für Telefon und Fernsehen“, die Schließung von Bank-Filialen und dadurch kein Kontoauszug-Drucker vor Ort mehr, die Vergabe von Arzt-Terminen über das Internet, die Abwicklung von Alltagsbesorgungen (Versicherungen, Ämter, Automatenbedienung und mehr) ausschließlich digital und die Erhöhung der Energiepreise.
Sicherlich gebe es „Modell-Senioren“, die sich „bei gut auskömmlichen Bezügen ihr gewonnenes Lebensjahrzehnt durch das steigende Lebensalter aktiv gestalten“, so Pfaller. Das sei aber nicht die Mehrheit und verdecke den Blick auf die große Zahl von Senioren, die nur über eine geringe Rente verfüge oder durch Schicksalsschläge wie Unfall, Krankheit, Behinderung am Rande des finanziellen Abgrundes stünden. „Die vorgenannten Beispiele verschärfen die Lage kontinuierlich und erzeugen Hoffnungslosigkeit für die Betroffenen“, heißt es weiter.
Rentenerhöhung als Almosen
Die für 2024 prognostizierte Rentenerhöhung müsse angesichts gewerkschaftlicher Forderungen im zweistelligen Prozentbereich, zuzüglich Sockelbetrag von 500 Euro plus vierstelligem Inflationsausgleich, als Almosen angesehen werden, schreibt Pfaller.
„Wir weisen auch auf die Rentner hin, die mit 500 Euro im Monat auskommen müssen. Die Inflationsrate lag 2022//23 deutlich über den Rentenerhöhungen, was wachsendem Kaufkraftverlust entspricht“. Jetzt habe die „Ampel“ auch noch angekündigt, im Rahmen der Einsparmaßnahmen den Zuschuss zur Rentenversicherung zu kürzen.
„Kümmerer“ benötigt
Den politisch Handelnden müsse der gesetzliche Anspruch der Senioren auf eine unterstützende, beratende und fürsorgliche Hilfe bewusst sein, meint Pfaller. Eine „Kümmerin“ als Begleiterin des Alters müsse eine merkliche Aufwertung erfahren. „Dass die bisherige finanzielle Ausstattung zu gering ausfällt, zeigt sich daran, dass sich viele Gemeinden nicht in der Lage sehen, diese Stelle zu schultern“.
Er bitte die Abgeordneten um nachhaltigen Einsatz für die Senioren –nicht zuletzt, weil der Anteil der Ü60-Jährigen noch in diesem Jahrzehnt nahezu die 50-Prozent-Marke nahezu erreichen werde, so Pfaller.