Drei Artisten des „Offenburger Weihnachtscircus“ verbringen die Festtage im Wohnwagen auf dem Zirkusgelände. Im Gespräch erzählen sie von Traditionen – und Einsamkeit.
Die Musik läuft, die Scheinwerfer strahlen, der Regisseur gibt Anweisungen: Die Proben für die Premiere des Weihnachtszirkus waren beim Besuch unserer Redaktion in vollem Gange. Vorstellungen gibt es auch an Heiligabend und den beiden Feiertagen. Während die meisten Artisten an Weihnachten ins Hotel gehen, bleiben drei Künstler in ihren Wohnwagen am Zirkus: der polnische Clown Radoslav Krajewski alias „Rico“, der deutsche Hundetrainer Sandro Montez und die ukrainische Sängerin Liudmyla Vrinceanu.
Die Artisten eint, dass sie kein „normales“ Weihnachtsfest kennen. „Mein letztes Fest zuhause ist 15 Jahre her und ich liebe Weihnachten“, verriet Krajewski. Auch Vrinceanu hat die vergangenen 15 Jahre quasi im Zirkuszelt verbracht. Sie wisse gar nicht mehr, wie ein Weihnachtsfest zuhause sich anfühle.
Montez ergänzte mit nüchterner Miene: „Ich bin es gewohnt, alleine zu sein.“ Einsamkeit verspüre er indes nicht. Seine Frau begleite ihn bereits seit Jahrzehnten auf Zirkustouren, auch „meine vielen Hunde geben mir sehr viel“ und gehören zur Familie. Die Unterhaltung von Menschen über die Weihnachtstage gehöre aus seiner Sicht zum Job: „Wir möchten für das Publikum da sein und ihm schöne Stunden bereiten, auch an Weihnachten.“
Alle Artisten kochen eine Spezialität aus der Heimat
„Ich vermisse immer meine Familie“, sagte Krajewski. Er zeigt sich stärker von der Einsamkeit an Feiertagen bewegt. Er fühle sich indes sehr wohl unter den Artisten in Offenburg, der Weihnachtszirkus sei wie eine zweite Familie für ihn. Verwandte aus Polen besuchen ihn am 26. Dezember, darauf freue er sich schon. Zudem bleibe wegen den Shows auch wenig Zeit zum Nachdenken.
„Ich sehne mich an Weihnachten vor allem nach meinen beiden Kindern“, gab Vrinceanu, die seit 25 Jahren in Rumänien lebt, offen zu. Die Sängerin wäre gerne daheim, aber sie habe das Leben in der Manege gewählt, zu dem auch gehöre, auf Vieles verzichten zu müssen.
Und wie kann man sich Weihnachten im Zirkusdorf vorstellen? „Es herrscht eine spezielle Atmosphäre, nicht wie Zuhause, aber auf seine Weise besonders“, beschrieb Krajewski. Traditionell gebe es in Polen Karpfen an Heiligabend. Dieses Jahr wisse er aber noch nicht, was er an Weihnachten in seinem Wohnwagen kochen werde, erst zwei oder drei Tage vorher wolle er sich festlegen.
Sängerin Vrinceanu schaut gerne Weihnachtsfilme an
Hundetrainer Montez hat sich indes schon entschieden: „Es gibt portugiesischen Stockfisch, den sogenannten Bacalhau, mit süßem Reis.“ Seine Frau komme aus Portugal, das Gericht sei ein wichtiger Bestandteil ihres weihnachtlichen Feierns.
Die Vorbereitung sei entscheidend, denn der Stockfisch müsse zwei Tage vorher entsalzen werden. Der Wohnwagen werde kurz vor dem Fest mit Lichterketten und Kugeln geschmückt. Letztere müssen an die Schränke gehängt werden, für einen richtigen Weihnachtsbaum sei schlicht kein Platz, stellte Montez fest.
„Wir haben kaum Zeit zum Feiern“, merkte Vrinceanu mit Blick auf die Shows an Weihnachten an. Ein besonderes Essen möchte sie trotzdem zubereiten: Es soll Sarmale an Heiligabend geben, eine rumänische Spezialität aus Kohlrouladen. Zusammen mit ihrem Partner, der in der Requisite des Zirkus tätig ist, schaue sie gerne Weihnachtsfilme an wie „Kevin – Allein zu Haus“.
Eine gemeinsame Feier steht noch nicht fest
Außerdem möchte die Sängerin wie in den Vorjahren eine rumänische Tradition nach Offenburg bringen: „Wir gehen von Tür zu Tür, überbringen gute Nachrichten und singen rumänische Lieder. Dafür bekommt man meistens etwas Geld oder Süßes“, berichtete Vrinceanu freudig. Dies möchte sie ebenso im Weihnachtszirkus tun und von Wohnwagen zu Wohnwagen gehen. Dies verbinde die Menschen und mache sie glücklich, hoffte die Sängerin.
Kommt eine gemeinsame Feier infrage? „Ich weiß es noch nicht, das werde ich kurz vorher entscheiden“, bekräftigte Krajekwski. Für die Sängerin Vrinceanu ist dagegen klar, dass sie nur mit ihrem Partner feiern werde: „Wir Artisten kennen uns nicht so gut und es ist kompliziert, auf die Essenswünsche der verschiedenen Artisten einzugehen.“
Hundetrainer Montez ließ eine Tür offen und möchte zwei Tage vorher entscheiden. Er habe schöne Erinnerungen an gemeinsame Weihnachtsfeiern: „Wir haben im Zirkus schon zusammen gegessen und gefeiert, eine sehr schöne Sache.“
Zirkus ein Schmelztiegel für verschiedene Kulturen
Gibt es persönliche Weihnachtswünsche? „Meiner ist schon in Erfüllung gegangen: Ich darf zum ersten Mal im ‚Offenburger Weihnachtscircus‘ auftreten“, erzählte Clown Krajewski voller Stolz. Für das nächste Jahr wünschte er sich weiterhin viele Verträge im Zirkus, der „mein Leben ist“.
Sängerin Vrinceanu wünschte sich Gesundheit und Frieden für alle, insbesondere für ihr Heimatland Ukraine. „Mein größter Wunsch ist mehr Frieden auf der Welt“, schloss sich Hundetrainer Montez an. Es gebe zu viele Kriege auf der Welt und Kulturen werden missachtet. Der Zirkus sei dabei ein Vorbild: „Wir sind eine Familie mit vielen Artisten aus unterschiedlichen Ländern.“
Über ihre Rolle im Zirkus
Der Clown „Rico“ aka Radoslav Krajewski zeigt drei verschiedene Kurzvorstellungen, bei dem „die Parodie der Magie, die Liebe und ein Spiel mit viel Wasser“ im Mittelpunkt stehen. Hundetrainer Sandro Montez zeigt eine Nummer die sieben Minuten geht. „Dabei werden vor allem die Schnelligkeit und die Dynamik der Hunde sichtbar“, verriet der Hundetrainer. Die Sängerin Liudmyla Vrinceanu trägt sechs verschiedene Lieder vor und singt auf Englisch und Spanisch, etwa Hits wie „All by Myself“ oder „Never Enough“.