Zunehmend mehr Verkehrsteilnehmer im Bereich des Polizeipräsidiums Offenburg setzen sich unter dem Einfluss von Drogen ans Steuer – und bauen teils schwere Unfälle.
„Wir stellen mehr Fahrzeugführer unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen fest“, konstatierte Martin Plate, Leiter der Schutzpolizei, bei der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik des Polizeipräsidiums Offenburg. Er präsentierte die Zahlen der Verkehrsüberwachung des vergangenen Jahres.
Darunter fallen Kontrollen des fließenden Verkehrs durch Geschwindigkeitsmessungen – etwa Blitzer oder Laserpistolen – sowie klassische Verkehrskontrollen. Ziel der Maßnahmen ist laut Plate die Reduzierung der Zahl schwer verletzter oder getöteter Verkehrsteilnehmer.
Im vergangenen Jahr stellten die Beamten im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums – Ortenau, Landkreis Rastatt und Baden-Baden – dabei insgesamt fast 120 000 Verstöße fest. Beim weit überwiegenden Teil – immerhin fast 100 000 Feststellungen – waren die Fahrer schlichtweg zu schnell unterwegs. Dies bezieht sich allein auf die Zuständigkeit der Polizei außerhalb der Ortschaften. Nur einen kleinen Teil der Beanstandungen machte der Punkt „Verkehrstüchtigkeit“ aus. Dennoch blicken Plate und seine Kollegen mit Sorgen auf diesen Punkt.
920 Fahrer hatten illegale Rauschmittel konsumiert
Insgesamt 2346 Fahrer unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen gingen der Polizei im vergangenen Jahr bei Kontrollen ins Netz. „Die Zahl liegt deutlich höher als im Vorjahr, da lagen wir unter 2000“, gab Plate zu bedenken. 1426 kontrollierte Fahrer standen dabei unter dem Einfluss von Alkohol. 920 Verkehrsteilnehmer hatten Drogen konsumiert, bevor sie sich hinter das Steuer setzten. Ein großer Teil davon entfällt auf Menschen, die Cannabis konsumiert hatten.
Eine Ursache für den Anstieg sieht die Polizei in der Teillegalisierung von Cannabis im April 2024. „Ich darf ja in der Freizeit legal konsumieren“, konstatierte Polizeipräsident Jürgen Rieger. Offenbar falle es jedoch Konsumenten schwer, den Grenzwert von 3,5 Nanogramm des Wirkstoffes Tetrahydrocannabinol (THC) richtig einzuschätzen. „Diese Schwelle ist vermutlich noch nicht ganz etabliert.“
Polizei nimmt harte Drogen in den Fokus
P late betonte, dass einen „ausreichenden Abstand“ zwischen Konsum und Teilnahme am Straßenverkehr einzuhalten sei und gab zu bedenken: „Wann der Grenzwert erreicht ist, ist individuell unterschiedlich.“
Auch die Zahl der Unfälle unter Einfluss von THC nahm im vergangenen Jahr zu: Von 21 (2024) auf nun 52 Fälle. Gleichzeitig sank die Zahl der Unfälle unter Einfluss anderer Drogen deutlich. Insgesamt stieg die Anzahl der Unfälle unter Beteiligung von Drogen jedoch im vergangenen Jahr um 16 auf 84. Dabei wurden 2025 insgesamt 42 Menschen leicht (plus acht) und elf weitere (plus zwei) schwer verletzt – tödlich endete keiner. „Mangelnde Verkehrstüchtigkeit“ war derweil nur für rund jeden zehnten Unfall mit Verletzten im vergangenen Jahr verantwortlich.
Sorge bereitet den Beamten auch, dass die Zahl der Fahrer, die unter dem Einfluss von harten Drogen am Steuer saßen, immer weiter zunimmt. So fanden sich unter den bereits genannten 920 Verkehrsteilnehmern unter Drogeneinfluss vergangenes Jahr 74, die Kokain genommen hatten. Laut Polizeipräsident Rieger spielten auch Amphetamine eine größere Rolle.
Polizeipräsident bittet Verkehrsteilnehmer um Verständnis
Aufgrund dieser Entwicklung will die Polizei das Thema Drogen im Straßenverkehr verstärkt in den Blick nehmen. „Die Bekämpfung des Fahrens unter berauschenden Mitteln wird ein Schwerpunkt in diesem Jahr sein“, kündigte Rieger an.
Neben Alkohol und Cannabiskonsum, werde sich die Polizei bei Kontrollen verstärkt auf harte Drogen konzentrieren. Rieger versprach „konsequentes Handeln“ und „keine Toleranz“ gegenüber Drogenkonsum im Straßenverkehr.
Die Verkehrsteilnehmer bat Rieger um Verständnis bei Kontrollen oder Behinderungen: „Wir versuchen das für den Schutz der Allgemeinheit zu machen. Es geht nicht darum, Verkehrsteilnehmer zu drangsalieren“, betonte der Polizeipräsident.
Befürchtungen
Vor der Teillegalisierung von Cannabis hatte sich das Polizeipräsidium Offenburg besorgt gezeigt, über mögliche Auswirkungen auf die Kriminalitäts- und Verkehrsstatistik. Die Befürchtungen haben sich nur zum Teil bewahrheitet: „Die Cannabis-Legalisierung macht – mit Ausnahme des Verkehrs – keine Probleme“, erklärte Polizeipräsident Jürgen Rieger. Eine Zunahme der Kriminalität rund um Marihuana sei ausgeblieben.