Was hat das das 69 Jahre alte Offenburger Karl-Heitz-Stadion nicht schon alles erlebt: Große DFB-Pokalspiele gegen Dortmund, Frankfurt und Bremen, eine deutsche Amateurmeisterschaft des OFV und ein SBFV-Pokalfinale mit einem Sieger aus Villingen. Foto: Michael Fissler

Aus dem Offenburger Karl-Heitz-Kultstadion wird für die Landesgartenschau 2032 ein Spielplatz. Der abstiegsbedrohte Landesligist zieht 2028 in den neuen Sportpark Süd um.

Wenn Marco Petereit in sechs Jahren das zukünftige Landesgartenschau-Gelände besucht, dann „werden wohl zwei Herzen in meiner Brust schlagen“.

 

Der langjährige Torjäger des Offenburger FV freut sich darauf, „dann meinen Kindern von Toren und Geschichten zu erzählen, die ich genau hier einmal erzielt und erlebt habe“, wird der Coach des SC Hofstetten das Karl-Heitz-Stadion vermissen. „Dort herrschte und herrscht eine ganz besondere Atmosphäre. Das ist eine Fußball-Kultstätte in Südbaden“, hat Petereit die meisten seiner rund 180 OFV-Tore in gut 400 Spielen genau dort erzielt, wo bald ein Spielplatz entstehen soll.

Marco Petereit

Doch Petereit, der am Ende der Saison in Hofstetten aufhören wird („Ich möchte endlich einmal eine Sommerpause. Mal schauen, ob es mich dann im Herbst wieder kribbelt“), sieht im Umzug des Offenburger FV in den neuen Sportpark Süd auch eine Chance.

„Im Karl-Heitz-Stadion ist schon vieles sanierungsbedürftig“, denkt der Stürmer nicht nur an den maroden Kabinentrakt. Das neue Stadion mit Top-Trainingsmöglichkeiten könnte für die sportliche Wiederbelebung des OFV sorgen, weiß Petereit, dass dem Traditionsverein derzeit der Abstieg in die Bezirksliga droht.

Marco Petereit (links) hat rund 180 Tore für Offenburg bejubelt. Foto: Eibner-Pressefoto/Bernd Leitner

Marco Petereit drückt seiner alten Liebe also in Sachen Klassenerhalt die Daumen. „Und ich hoffe, dass es noch ein Abschiedsspiel im Karl-Heitz-Stadion geben wird“, will er noch einmal in der Kultstätte sein Können zeigen.

Sportpark Süd

Das Geschichtsbuch des OFV-Kultstadions, in dem auch der FC 08 Villingen viele Höhen und Tiefen erlebte, wird also 2027 zugeklappt. Die Bagger werden anrollen. Das Gelände des Karl-Heitz-Stadions wird ein Teil der Landesgartenschau 2032.

Anstelle des Stadions, dies erklärt Offenburgs Baubürgermeister Oliver Martini, ein früherer Oberliga-Spieler aus dem Sauerland, wird ein Spielplatz entstehen. „Insgesamt ist das ein Bewegungspark für Kinder und auch Erwachsene, der in die Landesgartenschau integriert wird. Das Gerücht mit dem neuen Ententeich, wie es in der Offenburger Fußball-Szene erzählt wird, stimmt also so nicht“, sagt und lacht Oliver Martini.

Für 40 Millionen Euro entsteht ab diesem Frühjahr dafür der neue Sportpark Süd an der Zähringerstraße. Die Fertigstellung ist für 2028 geplant. Der Offenburger FV erhält von der Stadt Offenburg ein neues Stadion mit einem Fassungsvermögen von 4999 Zuschauern, das im Bedarfsfall für 10 000 Zuschauer ausgebaut werden kann. Die neue Arena ist eingebettet in einem Sportpark mit zwei weiteren Fußballplätzen, einem Bolzplatz und einer gelenkschonenden Finnenbahn für Lauffreudige. Alle Plätze werden mit Flutlicht ausgestattet.

Klar ist, dass der Offenburger FV in der Saison 2027/28 an einen noch unbekannten Spielort in der Stadt oder in der Region ausweichen muss. Das Karl-Heitz-Stadion ist bis dahin schon zu einem Teil für die Landesgartenschau umgebaut – der neue Sportpark ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertig.

„Mit diesem Wermutstropfen können wir leben“ wird Michael Brand, OFV-Vorstand Verwaltung in einer Pressemitteilung zitiert.

Das langfristige Konzept des Offenburger FV

Brand verbindet die neue Sportstätte mit „großen Entwicklungschancen für den Offenburger FV“, hofft auf die Ausrichtung von Jugend-Länderspielen und setzt auf die Weiterentwicklung des Förderstützpunktes. „Wir freuen uns auf das neue Stadion“, wird Michael Brand weiter zitiert.

Beim Offenburger FV, der in den vergangenen Jahren viele gute Trainer und Spieler verlor und der 2022 letztmals den Aufstieg in die Oberliga schaffte, haben sich die Verantwortlichen die Jugendarbeit als Kernphilosophie für die kommenden Jahre ins Vereinsbuch geschrieben. Mit dem neuen Stadion soll mittelfristig die Rückkehr in die Oberliga gelingen.

Kritik in der Fußball-Region Offenburg

Dass dem Traditionsclub so ein neue luxuriöse Arena hingestellt wird, kommt offenbar bei einigen Nachbarclubs des OFV nicht so gut an. Anlässlich eines Testspiels des FC 08 Villingen im Januar gegen Hofstetten drückte sich ein Hofstettener Vorstandsmitglied drastisch aus: „Es ist unfassbar, dass vielleicht ein baldiger Bezirksligist mit Steuergeldern ein Stadion mit rund 5000 Plätzen bekommt.“

Was der Baubürgermeister zur Kritik sagt

Baubürgermeister Oliver Martini entgegnet dieser Kritik: „Man muss diesen neuen Sportpark viel Ganzheitlicher sehen. Erstens hätten wir das Karl-Heitz-Stadion umfangreich sanieren müssen. Zweitens hat der Offenburger FV hat ein sehr gutes Jugendkonzept, arbeitet ja mit dem SC Freiburg zusammen. Mittelfristig kann daraus sportlich beim OFV im Aktivenbereich wieder etwas Erfolgreiches entstehen.“