An sonnenreichen Tagen rät die AOK, sich verstärkt im Schatten aufzuhalten. Er könne die UV-Strahlung um bis zu 95 Prozent aufhalten. Ein Ersatz für die Verwendung von Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor ist er aber nicht. Foto: Christin Klose/dpa

Klimawandel : Immer mehr leiden unter Hitzschlag & Co.

Ortenau - Hitze, Trockenheit oder hohe Luftfeuchtigkeit: Extreme Wetterereignisse sind Folge der globalen Erwärmung. Sie setzt so jedoch nicht nur der Umwelt, sondern auch den Menschen zu. Immer mehr Orternauer scheinen davon betroffen zu sein.

Die AOK registrierte 2019 rund 6500 Versicherte, die wegen hitzebedingter Erkrankungen in Behandlung waren. "Allein im Ortenaukreis zählte die AOK im gleichen Zeitraum 283 Versicherte, die wegen Hitzeerkrankungen ambulant oder stationär versorgt wurden", berichtet der Lahrer Volker Przibilla, stellvertretender Geschäftsführer der AOK Südlicher Oberrhein. "Drei Jahre zuvor waren es noch 137 Versicherte."

Viele Menschen leiden bei Hitzeextremen zum Beispiel an Abgeschlagenheit, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Schwindel oder Übelkeit, teilt die Versicherung mit. Ärzte beobachten außerdem einen Anstieg von Todesfällen durch Hitzschlag oder Herzinfarkt. Insbesondere Menschen mit Demenz und Alzheimer, ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen gelten als gefährdet.

Laut Versorgungs-Report Klima und Gesundheit lagen hitzebedingte Krankenhauseinweisungen der über 65-Jährigen 2018 im Ortenaukreis mehr als 20 Prozent über dem bundesweiten Durchschnitt. Im Landkreis Emmendingen war die Situation ähnlich, im Landkreis Breigau-Hochschwarzwald lagen die Einweisungen gar mehr als 36 Prozent über dem Bundesdurchschnitt.

Wenn der globale Temperaturanstieg deutlich unter zwei Grad gehalten wird, bleibt die Situation in etwa gleich, so die Autoren des Reports. Durch einen ungebremsten Klimawandel können die Temperaturen in ganz Deutschland jedoch zunehmen – mit erheblichen gesundheitlichen Auswirkungen. Im schlimmsten Fall, bei dem keine Maßnahmen zur Reduktion der CO²-Emissionen ergriffen werden und die Temperaturen bis ins Jahr 2100 um 4,7 bis 5,1 Grad ansteigen, könnte sich die Zahl der hitzebedingten Klinikeinweisungen der über 65-Jährigen versechsfachen.

Przibilla rät, sich an sonnenreichen Tagen im Schatten aufzuhalten. Er kann die UV-Strahlung um bis zu 95 Prozent aufhalten. Außerdem ist eine Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor unverzichtbar. "Besonders achtsam sollte man bei Babys und kleinen Kindern sein. Ein Sonnenhut oder ein Sonnenschirm am Kinderwagen leisten gute Dienste."

Bei Anzeichen für einen Sonnenstich sollte der Betroffene rasch aus der direkten Sonne geholt und an einen kühlen Ort gebracht werden. Der Oberkörper sollte erhöht gelagert und der Kopf mit nassen Tüchern gekühlt werden. "Dabei ist die wiederholte Kontrolle von Bewusstsein, Atmung und Lebenszeichen wichtig", betont Przibilla. "Im Zweifel nicht zögern und den Notruf 112 wählen."

Gesundheitliche Auswirkungen hängen aber nicht nur mit einer höheren Durchschnittstemperatur zusammen, an die sich der Mensch langfristig eventuell gewöhnen könnte. Viel erheblicher sind die ebenfalls durch den Klimawandel hervorgerufenen häufigeren und stärkeren kurzfristigen Temperaturschwankungen, warnt die AOK. Steigende Temperaturen ermöglichen zudem eine stärkere Ausbreitung von Infektionskrankheiten, die von Mücken und Zecken übertragen werden, wie etwa FSME und Borreliose.

Um die Rolle des Klimawandels ging es auch in einer Online-Umfrage des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (Wido). Mehr als 3000 Menschen wurden befragt, wie gut sie sich über den Klimawandel und seine Auswirkungen auf die Gesundheit informiert fühlen, teilt die Versicherung mit.

 Viele wissen nicht um die gesundheitlichen Folgen: Zwar geben knapp 70 Prozent der Befragten an, gut über die sichtbaren Folgen des Klimawandels wie Hitzeperioden oder Unwetter informiert zu sein. Über die möglichen gesundheitlichen Folgen einer hohen Schadstoffbelastung in der Atemluft hingegen fühlen sich mehr als 40 Prozent der Befragten kaum oder überhaupt nicht informiert. Bei den Belastungen durch UV-Strahlung oder durch von Insekten übertragene Krankheitserreger sind es mehr als ein Drittel.

 Ein Viertel fühlt sich stark beeinträchtigt: Mehr als die Hälfte macht sich mit Blick auf die eigene Gesundheit große Sorgen über die Zunahme an Hitzeperioden. Ein Viertel der Befragten fühlt sich durch anhaltende Hitze stark beziehungsweise sehr stark beeinträchtigt.

 Körperliche Belastung vermeiden: Bei der Frage, wie sie ihren Tagesablauf der Hitze anpassen, geben rund 80 Prozent an, ausreichend zu trinken, nachts die Fenster zu öffnen und tagsüber die Wohnung abzudunkeln. Etwa 60 Prozent vermeiden körperliche Belastungen oder verlegen diese auf die Morgen- und Abendstunden.

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