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Lahr "Wertschätzung ist gestiegen"

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Dagmar Hoefert ist seit 2009 Rektorin der Luisenschule. Die Kinder im Hintergrund gehören der selben Klasse an und dürfen deshalb nebeneinander stehen. Foto: Schabel

Lahr - Mittwochmorgen in der Luisenschule, der letzte Tag vor den großen Ferien. Der Besucher merkt schnell, dass es besondere Zeiten sind: Die Kinder, denen er im Gang begegnet, tragen Schutzmasken, an den Wänden hängen Blätter mit Hygiene- und Abstandsregeln.

270 Kinder besuchen die Grundschule, Rektorin ist Dagmar Hoefert, die auch geschäftsführende Rektorin der Lahrer Schulen ist. Wir haben mit ihr über das Schulleben während der Pandemie gesprochen.

Frau Hoefert, war es das schwierigste Schuljahr, das Sie als Pädagogin erlebt haben?

Ja, denn es war alles anders. Schule musste neu gedacht werden. Eines der Probleme war, dass Anweisungen des Kultusministeriums kurzfristig zu befolgen waren. Zum Beispiel haben wir am 13. März, einem Freitag, erfahren, dass wir die Schule schon am nächsten Dienstag schließen mussten. Insgesamt war es eine Fülle von Maßnahmen, die umzusetzen waren. Auf meinem Computer ist der Ordner zu Corona der mit Abstand umfangreichste, mit Hunderten von Seiten.

Wie sind die Schüler mit all dem klargekommen?

Sie haben während der Schulschließung ihre Lehrer und Mitschüler vermisst. Eine Schülerin hat zum Beispiel, wenn sie das Auto ihres Lehrers an der Schule stehen sah, immer wieder hier angerufen und gefragt, ob sie ihn sprechen darf. Natürlich durfte sie. Ohne Schule haben den Kindern die Bezugspersonen gefehlt. Als der Vor-Ort-Unterricht für die Viertklässler wieder startete, dann aber gleich die Pfingstferien kamen, haben wir etwa von vielen Kindern gehört, dass sie ihnen das gar nicht recht ist und sie lieber zur Schule als in die Ferien gehen wollen.

Wie hat der Unterricht funktioniert?

In der Phase, in der in kleinen Gruppen unterrichtet werden musste, sogar sehr gut, da so eine intensivere Betreuung möglich war. Wir haben einen Klassenteiler von 28, in dieser Phase wurden dann aber Gruppen mit nur zehn bis 14 Kindern gebildet, die im Schichtsystem unterrichtet wurden. Da konnte man sich dann intensiver um jedes Kind kümmern.

Haben die Lehrer der Luisenschule mitgezogen?

Sie haben sogar über das normale Maß hinaus gearbeitet. Zum Beispiel haben sie Lernpakete geschnürt mit Arbeitsmaterialien, die sie den Kindern nach Hause brachten. Denn nicht jede Familie hat einen E-Mail-Zugang oder einen Drucker, um Lernblätter auszudrucken. Einige Lehrer haben sich privat auch zusätzliche Telefonverbindungen für Elterngespräche legen lassen. Auch die Notbetreuung hat die Lehrer gefordert, zuletzt wurden hier 60 Kinder betreut.

Was haben Sie von den Eltern gehört?

Von ihnen haben wir viel Wertschätzung erfahren. Vielleicht auch, weil sie gemerkt haben, wie schwierig es ist, Kinder zu unterrichten.

Wie war denn die Lerndisziplin der Kinder im Homeschooling?

An sich sehr gut. Bei einigen hat man hinterher aber schon gemerkt, dass sie gar nicht in die Lernblätter reingesehen haben. Die müssen den Stoff nachholen.

Was haben Sie in Ihrer Funktion als geschäftsführende Rektorin der Lahrer Schulen von anderen Schulen in der Stadt gehört?

Wir haben uns regelmäßig ausgetauscht, zum Beispiel, wie die Hygienemaßnahmen umzusetzen sind. Die weiterführende Schulen hatten vor allem das Problem, wie der Online-Unterricht funktionieren soll, wenn geeignete digitale Lernplattformen fehlen. Jede Schule musste sich da erst einarbeiten.

War jede Maßnahme des Kultusministeriums angemessen?

Aus meiner Sicht kam die vollständige Öffnung des Schulbetriebs Ende Juni zu schnell, denn der Gesundheitsschutz des Schulpersonals darf nicht zu kurz kommen. Außerdem besteht nur an weiterführenden Schulen eine Maskenpflicht für Schüler in offenen Räumen, also etwa auf dem Schulgang. Das sollte auch in Grundschulen Pflicht sein. In der Luisenschule haben wir die Kinder gebeten, auch auf den Gängen Masken zu tragen. Die meisten halten sich daran.

Wir wollen es nicht hoffen, aber angenommen, es gibt wieder Mal eine Pandemie, was sollte man dann bei den Schulen anders machen?

Diese Pandemie ist noch nicht zu Ende. Aber wir haben jetzt immerhin Erfahrung, sollte eine zweite Welle kommen. In Zukunft sollten die Schulen besser auf das digitale Lernen vorbereitet sein.

Für die Schüler ist heute Ferienbeginn, wie sieht’s damit für Sie aus?

Wir machen jetzt Pläne für das nächste Schuljahr und bereiten auch die ›Lernbrücken‹ in den letzten beiden Ferienwochen vor. Kinder, die nach der Schulschließung Nachholbedarf haben, erhalten dann täglich vier Stunden Unterricht in Deutsch und Mathematik. Die Lehrer sagen, welche Kinder das nötig haben, aber die Eltern dürfen mitreden. Knapp über 20 Kinder werden an der ›Lernbrücke‹ in der Luisenschule teilnehmen. Die Lehrer hatten 40 Kinder vorgeschlagen.

Welche Informationen haben Sie vom Kultusministerium, wie es im nächsten Schuljahr weitergeht?

Es darf keinen jahrgangsübergreifenden Unterricht geben, sodass es nicht möglich sein wird, Erst- und Zweitklässler gemeinsam in Religion zu unterrichten. Und die Jahrgänge werden nur einzeln auf den Hof dürfen. Zum Beispiel müssen dann Drittklässler getrennt von den anderen Klassenstufen in die Pause. Ansonsten sehen die ›Pläne für den Regelbetrieb unter Pandemie-Bedingungen‹, die uns am 8. Juli aus Stuttgart erreicht haben, an den Schulen aber fast die Rückkehr zur Normalität vor. Vorausgesetzt, die Infektionszahlen ändern sich nicht gravierend.

Mal ehrlich, sind Sie urlaubsreif?

Ja. Aber ich verzichte auf eine Reise. Bei schönen Ausflügen im Schwarzwald kann man sich auch erholen.  

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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