Für die Pflege alter Menschen werden künftig verstärkt Fachkräfte gesucht. Die Einrichtungen sollten dafür gute Voraussetzungen schaffen – unter andere, mit attraktiven Gehältern. Foto: Kalaene Foto: Schwarzwälder-Bote

In der Ortenau wird die Zahl der Bedürftigen bis 2030 auf 15 000 steigen / Einrichtungen in der Pflicht

Von Karl Kovacs Ortenau. Die Zahl der Pflegebedürftigen wird in den kommenden Jahren massiv steigen. Laut den Zahlen des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg werden bis 2030 etwa 352 000 und 2050 sogar 470 000 Menschen im Land auf Hilfe angewiesen sein. Auch in der Ortenau wird sich das bemerkbar machen: Bei einem geringfügigen Rückgang der Gesamtbevölkerung rechnen die Statistiker aus Stuttgart mit einem starken Anstieg der Menschen im Alter von über 60 und über 85 Jahren (Siehe Info-Box). Aus diesem Grund befürchtet das Sozialdezernat im Landratsamt Ortenaukreis einen Fachkräftemangel im Pflegebereich.

 

In der heutigen Sitzung des Sozialausschusses ab 15 Uhr im Landratsamt in Offenburg wird Dezernent Georg Benz über das Thema sprechen. Laut Sitzungsvorlage wird die Zahl der Pflegebedürftigen bis zum Jahr 2031 um 5070 Personen steigen.

Lösungsvorschläge wurden auf einem Symposium im November zum Thema "Wer pflegt uns morgen? – Pflegeeinrichtungen auf dem Weg in die Zukunft" erarbeitet. Eines der Ergebnisse: Häuser, die den Mitarbeitern die attraktivsten Arbeitsbedingungen böten, würden im Wettbewerb um die verfügbaren Arbeitskräfte auch erfolgreicher abschneiden. Deshalb rät das Landratsamt den Pflegeeinrichtungen selbst auszubilden, gezielt an Schulen nach Azubis Ausschau halten, Praktika anzubieten und dem Personal gute Arbeitsbedingungen bieten. Zufriedene Mitarbeiter seien die beste Werbung für eine Einrichtung. Nicht zu vergessen: Das Gehalt müsse stimmen.

Bund und Länder seien ebenfalls in der Pflicht. Sie müssen laut Sozialdezernat eine Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive starten. Auch Kommunale Arbeitsförderung und Arbeitsagentur müssen sich beteiligen. Sie sollten Initiativen zur Qualifizierung und Weiterbildung von Männern und Frauen anbieten sowie gezielt junge Menschen bei der Berufsorientierung ansprechen. Zudem sei es wichtig, Menschen mit Migrationshintergrund und Ehrenamtliche für die Pflege älterer Menschen zu gewinnen.

u Die Einwohnerzahl des Ortenaukreises wird laut Statistischem Landesamt Baden-Württemberg von derzeit 420 000 auf 407 000 im Jahr 2030 sinken.

u Während heute 95000 Menschen zwischen 60 und 85 Jahre leben, werden es 2030 125 000 sein (plus 36 Prozent). Die Zahl der 85-Jährigen und Älteren wird sogar um 86 Prozent anwachsen – von knapp 10 000 auf 17500. u Die Zahl der Pflegebedürftigen wird bis zum Jahr 2031 um 5070 auf knapp 15 000 steigen.  Das entspricht einem Zuwachs von 51 Prozent. ksk