Konstantin Schmidt ließ den guten alten Georg Kreisler musikalisch wieder auferstehen. Foto: Schrader Foto: Schwarzwälder-Bote

"Schwärzer die Lieder nie klingen" heißt überzeugendes Konzert im Rathaussaal / Publikum ist begeistert

Von Frank Schrader Wolfach. Mit seinem zweistündigen Georg-Kreisler-Abend "Schwärzer die Lieder nie klingen" brillierte der Kabarettist Konstantin Schmidt am Sonntagabend im voll besetzten Wolfacher Rathaussaal.

Er überzeugte mit seinem meisterhaften Vortrag der windungsreichen, wortspielerischen Liedtexte und des komplexen, zitatenreichen Klaviersatzes auch die eingefleischten Fans des schwarzhumorigen Altmeisters aus Wien. Mit vornehmem Frack und Zylinder wirkte Schmidt als Conférencier im Plauderton wie ein optischer Gegenentwurf zu Kreisler, doch wenn er zu spielen und singen begann, verwischten sich die Unterschiede.

In der stimmlichen Gestaltung kam er seinem großen Vorbild recht nahe, setzte aber durchaus eigene Akzente. Temporeich sang sich Schmidt durch die zeitlosen Kreislerschen Textgebirge, was der Verständlichkeit manchmal etwas abträglich war. Doch wer, wie wohl die meisten der Besucher, mit den Liedern schon seit der Jugendzeit vertraut ist, konnte es einfach nur genießen, wie etwa ein Serienmörder charmant mit einem lockeren "Biddla Buh" auf den Lippen vom vorzeitigen Ableben seiner Ehefrauen berichtet, oder sich ein Sohn bei seinem Mütterlein bedankt für die Ausbildung zum Bankräuber. Herrlich seziert wird das bürgerliche Leben, wenn es um die Nachteile der Ehe geht.

Dass Kreisler kein Thema heilig war, zeigte auch sein Opern-Boogie, der vortrefflich den diskreten Charme der Bourgeoisie beim abendlichen Kunstgenuss karikiert. Und auch der Musikkritiker bekam eine volle Breitseite ab. Von Melancholie durchzogen ist hingegen das Lied von der Triangel. Auch nicht fehlen durften das unverwüstliche Wiener Frühlingslied "Tauben vergiften im Park" und die "zwei alten Tanten", die so elegant den Tango tanzen inmitten grotesker Nonsens-Reimereien.

Zu einem Kleinod der besonderen Art geriet Schmidt das Lied "Mach’s Dir bequem, Lotte", wo er sich allein durch Gestik, Mimik und stimmliche Gestaltung Zeile für Zeile von einem jugendlichen Liebhaber zu einem sadistischen Frauenmörder verwandelte.

Das begeisterte Publikum erklatschte sich noch drei Zugaben, darunter die "Wanderniere", die vergnügt über Stock und Gallenstein ihre nähere Umgebung erkundete.

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