Der Gemeinderat hat das neue Ferienwohnungskonzept verabschiedet. Künftig wird auf den meisten Flächen Kappel-Grafenhausens von Einzelfall zu Einzelfall entschieden, ob dort neue Ferienwohnungen entstehen dürfen. Foto: Sauer

Tourismus: Neues Ampel-Konzept wird mit 14 Ja-Stimmen beschlossen, Gewerbegebiet ist roter Bereich

Kappel-Grafenhausen - Dass in Kappel-Grafenhausen immer mehr Ferienwohnungen entstehen, ist dem Gemeinderat schon lange ein Dorn in Auge. Jetzt soll ein Konzept helfen, diese Entwicklung zu steuern – und rechtlich klare Entscheidungen zu treffen.

Neues Konzept wird mehrheitliich beschlossen

Weil der Konzept-Entwurf schon mehrfach vorgestellt und diskutiert worden war (wir berichteten), hatte der Gemeinderat keinen Gesprächsbedarf zum Thema mehr. Nahezu einstimmig billigte er das neue Ferienwohnungskonzept (FWK) mit 14 Ja-Stimmen bei einem Nein und einer Enthaltung.

Zuvor hatte Hauptamtsleiter Daniel Kunz sicherheitshalber auch für später folgende Bebauungsplan-Änderungsbeschlüsse ausführlich dargelegt, welche Befangenheitsgründe da für die Gemeinderäte – teilweise sogar bis in den dritten Verwandtschaftsgrad hinein – gelten. Clemens Sedler (CDU) begründete seine abweichende Meinung zum FWK. Er wolle das gesamte Gemeindegebiet zu einer gelben Zone machen.

Lokale Bevölkerung soll geschützt werden

Doch nach dem Beschluss gilt nun ein Ampelprinzip nach Zonen. Gewerbegebiete sind komplett rot eingestuft – dort werden generell keine Ferienwohnungen und -häuser mehr zulässig sein. Grün (vor allem an den Hauptstraßen) bedeutet, dass dort weitere Touristenbeherbergungen grundsätzlich möglich bleiben. Der größte Flächenanteil ist jedoch gelb eingefärbt. Dort behält sich die Gemeinde vor, Einzelfallentscheidungen zu treffen, um im Sinne der städtebaulichen Entwicklung die weitere Tourismus-Entwicklung steuern zu können, sprich: eher bremsen, auch um die Wohnbevölkerung zu schützen.

Das FWK stellt dafür allerdings nur eine, wenngleich rechtlich bedeutsame, Grundlage dar. Denn darüber hinaus müssen sämtliche Bebauungspläne, sofern nicht schon bei neuen geschehen, um spezielle Regelungen ergänzt werden. Etwa dem angemessenen Gebäude-Verhältnis von Wohnraum zu Ferienwohnungen.

Sperrungen dauern noch mehr als ein Jahr an

Bislang behalf sich die Gemeinde dabei mit befristeten Veränderungssperren, weitere folgen noch. So im Kappeler "Obergarten III", wo eine solche Sperre sicherheitshalber bis zum September 2021 verlängert wurde. Gleichzeitig wurde dort schon ein Änderungsentwurf gebilligt und auf den Offenlage-Weg gebracht (mit je 11 Ja-Stimmen, einmal Nein und einer Enthaltung). Der Bebauungsplan "Grafenhausen Nord" wurde neu mit einer Veränderungssperre belegt und gleichzeitig per Aufstellungsbeschluss zur bleibenden Änderung auf den Behördenweg geschickt (12 Ja-Stimmen, einmal Nein).

Info: Weg frei für die Musterhäuser

Für den neuen Bebauungsplan "Kleinoberfeld III" wurde der abschließende Satzungsbeschluss gefasst. Dort will vor allem der "Bundesverband Deutscher Fertigbau" eine Mustersiedlung auf rund zehn Hektar Fläche errichten (wir berichteten). Wie Dorothee Wiesenhügel von der planenden Bruchsaler FSP erläuterte, habe es im Bebauungsplan-Verfahren bisher nur wenige Einschränkungen gegeben.

Artenschutzrechtliche Maßnahmen waren schon eingearbeitet, samt Fledermaus- und Mauereidechsenschutz. Letztere bekommen ein neues Habitat. Festgelegt sind nun auch Baum- und Strauchpflanzungen, Dachbegrünungen und "Verschattungen" öffentlicher Verkehrsflächen. Ein Verkehrskonzept wird später erstellt. Klar ist schon, dass ein angrenzender Feldweg nicht einbezogen wird.

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