Perspektivlosigkeit hat sich unter jungen Menschen breit gemacht – zu dem Schluss kommt die aktuelle Jugendstudie der IG Metall. Die Gewerkschaft sieht eine "Generation Corona" heranwachsen, wenn Politik und Betriebe nicht reagieren. Foto: Arne Dedert/dpa

Für mehr als die Hälfte hat sich Situation verschlechtert. Politik und Arbeitgeber müssten nun handeln, fordert Gewerkschaft.

Ortenau - IG  Metall schlägt Alarm: Die Pandemie habe die berufliche und persönliche Perspektive junger Menschen erheblich beeinträchtigt. Politik und Arbeitgeber müssten nun handeln, damit keine "Generation Corona" entstehe – auch in der Ortenau.

Zu diesem Ergebnis kommt die Jugendstudie "Plan B" der IG Metall. Gemeinsam mit dem Jugendforscher Simon Schnetzer hat die Gewerkschaft insgesamt 3229 junge Menschen befragt und will so ein umfassendes Bild der aktuellen Generation Azubis, dualer Studenten und junger Beschäftigter zeigen.

Die Besonderheit der zwischen Januar und März 2021 ausgearbeiteten Studie besteht vor allem in der Darstellung der betrieblichen Erfahrungen der jungen Erwachsenen, ergänzt durch Schilderung ihrer persönlichen Situation. So zeigt sich deutlich, wie die Corona-Pandemie die junge Generation beruflich und privat geprägt habe und was sich daraus an Handlungsbedarf ergibt, teilt die IG Metall mit. Und dieser sei dringend: Unter den befragten Auszubildenden berichtet die Hälfte von verschlechterter Motivation, 43 Prozent stellen dies für den Praxisbezug ihrer Ausbildung fest. 53 Prozent gehen davon aus, dass sich durch diese Zeit ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verschlechtert hätten.

Dringender Handlungsbedarf

Christiane Benner, Zweite Vorsitzende der IG Metall macht deutlich, dass dringender Handlungsbedarf besteht: "Wir haben hier schwarz auf weiß vorliegen, in was für einer unsicheren und herausfordernden Situation sich junge Menschen gerade befinden. Wenn Pläne durch die Pandemie zerstört wurden, müssen neue Pläne her und wir stehen alle in der Verantwortung, diese zu begleiten. An dieser Stelle appelliere ich an die Arbeitgeber: Tut alles, was möglich ist! Nutzt die Ausbildungsprämie, denkt an die Zukunft und dass ihr die Fachkräfte in der Transformation dringend brauchen werdet."

Sollte die Situation sich für die junge Generation nicht nachhaltig verbessern, ist laut Gewerkschaft mit gravierenden Folgen zu rechnen. Ein Anstieg von Jugendarbeitslosigkeit bei gleichzeitigem Fachkräftemangel sei dann die Konsequenz. Die Alarmsignale dafür bestünden bereits: Erstmals seit der deutschen Einheit ist im Jahr 2020 die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsplätze in Deutschland unter 500 000 gefallen. In der Jugendstudie der IG Metall sagen knapp 40 Prozent der jungen Befragten, sich aufgrund der Corona-Pandemie komplett oder teilweise beruflich umzuorientieren. Viele Jugendliche seien also ohne Perspektive oder müssen sich diese neu schaffen, so die IG Metall.

Auch in der Ortenau mache sich die Corona-Folgen bemerkbar: Auf der einen Seite würden weniger Ausbildungsplätze in den Betrieben angeboten, andererseits gebe es aber auch Rückmeldungen über weniger Bewerbungen. Corona lähmt demnach nicht nur Betriebe, sondern auch Jugendliche, so die IG Metall Offenburg.

"Wir erhalten aus vielen Betrieben die Rückmeldung, dass sie weniger Bewerbungen auf offene Ausbildungsplätze erhalten", berichtet die Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Offenburg, Maja Reusch. Das habe unter anderem auch damit zu tun, dass einige Betriebe die ausgelernten Auszubildenden nicht übernehmen. Auch die tariflich garantierte unbefristete Übernahme werde wesentlich seltener angewandt. "Unter Jugendlichen spricht sich das natürlich herum. Wir müssen uns daher nicht wundern, dass Stellen unbesetzt bleiben. Viele Jugendliche haben Zukunftsängste und gehen lieber noch ein weiteres Jahr auf die Schule oder beginnen ein Studium", so Reusch. Nach ersten Rückmeldungen werden dieses Jahr knapp 20 Prozent weniger Ausbildungen begonnen, als noch 2020.

Erhebliche Folgen für junge Generation

Damit mittel- oder langfristig keine "Generation Corona" entsteht, die berufliche oder persönliche Schäden davonträgt, müssten Arbeitgeber und Politik nun unverzüglich handeln. "Ausbildungsplätze müssen in guter Qualität erhalten und ausgebaut werden. Wo ausgebildet wird, muss auch übernommen werden", fordert die IG  Metall. Gleiches gelte für duale Studenten, deren gesetzliche Gleichstellung mit Auszubildenden ein überfälliges Anliegen sei.

Nicht nur beruflich, auch persönlich hatte die Pandemie-Zeit erhebliche Folgen für die junge Generation. 61 Prozent der Befragten der IG Metall-Jugendstudie geben an, dass sich ihre psychische Gesundheit währenddessen verschlechtert habe. Fehlende soziale Kontakte, Ängste und Unsicherheit prägen die jungen Erwachsenen. Jeder zweite Befragte – etwa 51 Prozent – gab an, das Gefühl zu haben, das eigene Leben nicht mehr kontrollieren zu können.

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