Falls notwendig versucht das Jugendamt gefährdete Kinder schnellstmöglich in einer Pflegefamilie unterzubringen. Symbolfoto: Kneffel Foto: Lahrer Zeitung

Soziales: Sieben Bereitschaftspflegefamilien in der Ortenau nehmen Schützlinge auch kurzfristig auf

Geraten Familien in Krisen, leiden Kinder oft am meisten. In akuten Fällen hilft dann eine Intervention des Jugendamts. Sieben Bereitsschaftspflegefamilien im Kreis fangen dann Schutzbedürftige auf – manche nur für wenige Tage, andere auch länger.

 

Ortenau (red/ma). Für rund 340 Pflegekinder in insgesamt 292 Pflegefamilien und sieben Bereitschaftspflegefamilien ist das Jugendamt im Ortenaukreis zuständig. "Wenn Eltern ihre erzieherischen Aufgaben nicht oder nicht mehr wahrnehmen und ihren Kindern nicht die Geborgenheit schenken können, die diese für eine gesunde Entwicklung brauchen, kann die Unterbringung in einer Pflegefamilie vielen Kindern eine gute und wertvolle Chance bieten", erklärt Jugendamtsleiter Heiko Faller. Falls zum Schutz eines Kindes eine sofortige Herausnahme aus der Familie erforderlich ist, erfolge oft eine vorübergehende Unterbringung in einer Bereitschaftspflegefamilie.

Durch die Unterbringung in der Bereitschaftspflege erhalten die Herkunftsfamilien kurzfristig Hilfe und Entlastung und, falls erforderlich, die Kinder den notwendigen Schutz. Während dieser Unterbringung, die von einigen Tagen bis zu mehreren Monaten andauern kann, wird mit den Eltern die weitere Perspektive des Kindes geklärt und an Lösungen gearbeitet. "Die Betreuung eines Kindes in Bereitschaftspflege erfordert ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen, Offenheit, Belastbarkeit und Flexibilität", berichtet Faller weiter. Deshalb sei eine Voraussetzung für die Tätigkeit, dass ein Elternteil eine pädagogische Ausbildung hat und nicht oder nur geringfügig berufstätig ist. "Die Bereitschaftspflegefamilie trägt während der Betreuungszeit aktiv dazu bei, die für das Kind entwickelte Perspektive umzusetzen", erläutert der Amtsleiter.

Sind Eltern selbst mit intensiver Unterstützung nicht in der Lage, ihre Erziehungsaufgaben über einen längeren Zeitraum oder dauerhaft zu erfüllen, kann ein Kind auch bei einer Vollzeitpflegefamilie ein zusätzliches Zuhause finden. Währenddessen können die Eltern zusammen mit dem Jugendamt daran arbeiten, die familiäre Situation zu verbessern. "Gelingt diese Verbesserung nicht und dauern die Schwierigkeiten, die zur Unterbringung des Kindes in der Pflegefamilie geführt haben an, findet das Kind bei der Pflegefamilie in der Regel ein langfristiges Zuhause", sagt der Jugendamtsleiter.

"Ein Pflegekind aufzunehmen ist eine verantwortungsvolle, aber auch eine sehr schöne und wertvolle Aufgabe", sagt Faller. Gleichzeitig sei es eine große Herausforderung, da Kinder, die nicht bei ihren Eltern aufwachsen können, in der Regel bereits schwierige Erfahrungen gemacht haben. "Wichtig ist, dass es allen Beteiligten gelingt, das Beste für die Kinder und Jugendlichen im Fokus zu haben – auch wenn das womöglich gleichzeitig Abschied, Kummer und Leid bedeutet".

Um ein Pflegekind in Vollzeitpflege aufzunehmen, ist keine pädagogische Berufsausbildung nötig. Das Jugendamt sucht laufend interessierte Familien. Weitere Informationen gibt es bei den Pflegestellenkoordinatorinnen Linda Schellenberg und Manuela Bruder unter Telefon 0781/8 05 97 60 oder per E-Mail an pflegestellenkoordination@ortenaukreis.de.