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Offenburg Anschlag in Halle: Jüdische Einrichtungen schockiert

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Die ehemalige Synagoge in Kippenheim hatte zwischen 2014 und 2016 gleich dreimal das Jom Kippur-Fest gefeiert. Foto: Archiv

Der antisemitische und rechtsextreme Anschlag mit zwei Toten in Halle hat auch in der Ortenau für Bestürzung gesorgt. Die örtlichen jüdischen Gemeinden und Vereine sind geschockt, lassen sich von ihrer täglichen Arbeit aber nicht abbringen.

Ortenau. Das Entsetzen über die schreckliche Tat vom Mittwoch sitzt auch zwei Tage danach noch tief – auch in der Ortenau. "Ich habe natürlich gleich an unsere vergangenen Jom Kippur-Feste denken müssen", erklärt Jürgen Stude, Vorsitzender des Fördervereins Ehemalige Synagoge Kippenheim im Gespräch mit unserer Zeitung. Von 2014 bis 2016 wurde das Fest im Kippenheimer Gotteshaus gefeiert. Umso mehr sei er "geschockt", da so eine Tat prinzipiell auch in Kippenheim hätte passieren können.

"Es ist eine unerträgliche Vorstellung, dass Juden in Zukunft Angst haben müssen, in den Gottesdienst zu gehen", sagt Stude nachdenklich. Der Förderverein bestehe zwar zum Großteil aus nicht-jüdischen Mitgliedern, setzt sich aber für deren Kultur und Geschichte ein.

Bestimmte Sicherheitsvorkehrungen in Folge des Anschlags sieht der Vorsitzende aber nicht vor. Die abgesagte Wanderung vom Wochenende habe nichts mit dem Vorfall zu tun. Stude weist zudem daraufhin, dass der Förderverein keine Synagoge ist, sondern eine Gedenkstätte. Gerade in der Gründungszeit um 1996 haben er und seine Mitglieder selbst Hass erfahren. "Damals haben wir Briefe mit ausgeschnittenen Köpfen mit einer Zielscheibe erhalten", erzählt der Vorsitzende. Er erinnere sich zudem an drei, vier Drohbriefe. Inzwischen sei von Hass und Abneigung aber nichts mehr zu spüren.

Einen großen Rückhalt nach dem Anschlag in Halle hat die jüdische Gemeinde in Emmendingen erhalten. "Gleich am nächsten Tag bekamen wir zahlreiche Solidaritätsbekundungen von unseren katholischen und evangelischen Kollegen", berichtet die Vorsitzende Olga Maryanovska, selbst Jüdin, die in Moskau geboren ist. Von der Bluttat haben sie und ihre Kollegen am Mittwoch erst später erfahren. Während des Jom-Kippur-Fests sind nämlich weder Fernsehen noch Telefone erlaubt, erklärt Maryanovska. Erst in der Pause zwischen dem ersten und zweiten Gebet erreichte ihr Team ein Anruf der Polizei. Darin erfuhren sie von dem Vorfall in Halle. Umgehend hatte das Polizeipräsidium Offenburg Einsatzfahrzeuge nach Emmendingen losgeschickt, die bis zum Ende der Feierlichkeiten vor Ort geblieben sind. Dafür sei die Vorsitzende sehr dankbar.

Sie und ihre Kollegen blieben ruhig, machten keine Panik. "Wir haben den Leuten erst gegen Ende des Fests mitgeteilt, was genau geschehen war", erklärt Maryanovska. Sie beschreibt den antisemitischen und rechtsextremen Angriff als "einfach traurig". Trotzdem ändere die Attacke nichts am zukünftigen Gemeindeleben. "Wir machen unsere Feste weiter", bekräftigt die Vorsitzende.

Auch Robert Krais, stellvertretender Vorsitzender des Deutsch-Israelischen Arbeitskreises am Oberrhein, kann den Angriff noch nicht fassen. "Man ist da einfach sprachlos", sagt Krais. Für den Arbeitskreis ändere sich nach der Schandtat nichts, "alles laufe wie bisher". Mit richtigem Hass wurde Krais sowieso nur in der Gründungsphase in den 70er-Jahren konfrontiert. Damals habe er einen einzigen Brief mit antisemitischem Inhalt erhalten.

Das Polizeipräsidium Offenburg hat derweil "die Schutzmaßnahmen an der Synagoge in Baden-Baden sowie den jüdischen Gedenkstätten und Einrichtungen im Zuständigkeitsbereich unverzüglich intensiviert", wie die Pressestelle mitteilt. Ein "ständiger und enger Informationsaustausch mit den Vertretern ist uns hierbei sehr wichtig und wird gewährleistet", heißt es abschließend.

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