Der Vereinsname ist Programm: Aktiv wird das Jahresprogramm gestaltet – unter anderem wurde eine Hebammen-Tour ins Haslach mitgemacht Foto: Verein

Der Verein „Aktiv im Ried“ hat sich vom klassischen Landfrauenbild gelöst. Die Vorsitzende Manuela Schwärzel sieht den Verein auf gutem Kurs.

„Wir brauchen Männer“, sagt Manuela Schwärzel und lacht. Die 54-Jährige ist Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins „Aktiv im Ried“, der sich an Neujahr 2019 gegründet hat.

 

Vorgängerverein waren die Landfrauen, ganz klassisch wie noch vielerorts, in den Verband eingegliedert. So weit war auch alles in Ordnung, doch als der südbadische Landfrauenverband den Jahresbeitrag für die Mitglieder erhöhen wollte, ratterte es in den Köpfen der Neurieder Mitgliedern. „Wir überlegten: Was haben wir mit dem Verband für Vorteile, was für Nachteile?“, erinnert sich Schwärzel. Klar, man sei versichert und könne sich ab und zu einen Dozenten für einen Abend sichern. Doch unterm Strich konnten diese Bonbons nicht mehr überzeugen. „Landfrauen – das klingt einfach angestaubt“, findet die Vorsitzende. Zumal das Klischee der klassischen Landfrau im Ried immer seltener werde. Die Zahl der Höfe sei rückläufig, „die meisten Frauen hier“, weiß Schwärzel, „gehen ganz normal arbeiten.“

Schnell war ein Name gefunden

Und so war die Entscheidung gefallen: Es wird einen neuen Verein mit neuem Namen geben. Schnell wurde einer gefunden: „Aktiv im Ried“. „Damit war auch das Festlegen auf Frauen weg. Warum sollten keine Männer bei uns Mitglied werden?“, so die Vorsitzende im Gespräch mit unserer Redaktion.

Von den rund 110 Landfrauen, die damals im Verein waren, gingen –auch altersbedingt - etwa zehn Prozent verloren, das Gros jedoch folgte. „Wir wandten uns an die Seebacher Landfrauen, weil wir wussten, dass sie einen ähnlichen Schritt gingen, aber schon ein paar Monate weiter waren als wir“, verrät Schwärzel. Letztlich war mit Hilfe eines Anwalts auch eine Satzung ausgearbeitet, es konnte losgehen.

Die Mitglieder bringen sich bei Auswahl der Aktivitäten ein

Heute, gut sieben Jahre nach der Gründung, ist die Mitgliederzahl in etwa wie damals zu Landfrauenzeiten, das Altersspektrum beginnt bei etwa 40 Jahren, was durchaus nicht so bleiben müsse. Besonders stolz ist Schwärzel auf die knapp zehn Männer, die mittlerweile Mitglieder geworden sind. Gerne würde man hier weiter aufstocken, man macht sich Gedanken.

Ein Blick in das Jahresprogramm 2026 spiegelt wider, was der Verein so unternimmt: Die Besichtigung der Kahlenberg-Deponie in Ringsheim stieß im März auf großes Interesse, auch die Hebammen-Tour durch Haslach, bei der man einerseits das Städtchen, andererseits auf witzige Art und Weise das Leben einer Landhebamme kennenlernen durfte, war ein Erfolg. Ende März gab’s ein Handarbeitstreffen, den Wolltreff, eine Radtour steht Mitte Juni auf dem Programm, im Juli geht’s nach Straßburg zu Stadtführung, Abendessen und der Lichtshow am Münster. Frauenflohmarkt und Adventsmarkt im Herbst sind Höhepunkte des Vereinsjahres und lukrativste Einnahmequelle.

Die Vorsitzende sieht ihren Verein auf sehr gutem Weg. „Wir fragen regelmäßig die Mitglieder, auf was sie Lust haben“, erklärt Schwärzel, sei es bestimmte Vorträge oder Ausflüge. „Das ‚Aktiv‘ leben wir tatsächlich aus“, sagt sie, das ist ihr wichtig, und sie betont, dass jeder, der interessiert ist, jederzeit reinschnuppern dürfe. „Auch um die Männer müssen wir uns noch kümmern“, sagt die 54-Jährige, lacht und fügt hinzu: „Vielleicht bieten wir mal einen Lehrgang fürs Grillen an.“

Fehlender Platz

Etwas nervig sei, dass das Vereinsequipment bei den Vorstandsmitgliedern verteilt herumstehe, weil der Verein kein eigenes Clubheim hat. „Wenn wir das zentral irgendwo unterbekämen, wären wir sehr froh.“ Zwei, drei Schwerlastregale mit einer Schiebetür davor würden schon unheimlich weiterhelfen.