Das Ziel der Stiftung Off Road Kids ist es, ein sicheres zu Hause für obdachlose Jugendliche zu schaffen. Foto: Mario Hausmann

Die Off Road Kids Stiftung, die sich seit 1993 als einzige Organisation bundesweit für junge Menschen ohne sicheres Zuhause einsetzt, zieht eine besorgniserregende Bilanz.

Trotz intensiver Hilfsmaßnahmen steigt die Zahl junger Obdachloser in Deutschland signifikant. Zugleich belegen die aktuellen Zahlen der Stiftung den Erfolg ihrer interdisziplinären Beratungsstrategie.

 

Die Stiftung erarbeitet mit ihrem Team aus erfahrenen Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern mit den von Wohnungs- und Obdachlosigkeit betroffenen jungen Menschen eine individuelle neue Lebensperspektive.

Seit Gründung von Off Road Kids konnten 12 427 Jugendliche und junge Volljährige dauerhaft von der Straße geholt werden – 917 allein im Jahr 2024, die Zahlen für 2025 liegen noch nicht vor.

44 000 Jugendliche und junge Volljährige sind in Deutschland obdachlos Der aktuelle Wohnungslosenbericht der Bundesregierung bestätigt die kritische Lage: Am Stichtag 31. Januar 2024 waren knapp 44 000 alleinstehende Jugendliche und junge Volljährige (14 bis 27 Jahre) in Deutschland obdachlos (ohne Ukraine-Flüchtlinge) – rund 6000 mehr als zwei Jahre zuvor. Insgesamt stellen Jugendliche und junge Erwachsene elf Prozent der gesamten Obdachlosenzahl in Deutschland.

Kaum sichtbar

Trotzdem sieht man sie kaum in den Innenstädten. Der Grund: Über 50 Prozent kommen über ihre Social-Media-Kontakte immer wieder vorübergehend bei Freunden unter. Rund ein Drittel sucht Notunterkünfte auf. Doch die Gefahr bleibt: 13 Prozent leben vollständig auf der Straße.

Gefährlich Ausnahmesituation

„Junge Menschen ohne sicheres Zuhause, ob auf der Straße oder als Sofahopper, befinden sich in einer gefährlichen Ausnahmesituation. Mangelernährung, schlechte Hygiene und das permanente Risiko von kriminellen Übergriffen, vor allem bei jungen Frauen, liegen an der Tagesordnung. Wir müssen unsere Anstrengungen hier massiv verstärken, denn diese jungen Menschen haben die schlechtesten Voraussetzungen für die Gestaltung ihres Lebenswegs,“ erklärt Markus Seidel, Gründer und Vorstandssprecher der Off Road Kids Stiftung.

Die Arbeit der Off Road Kids Stiftung zeigt, dass umfassende Hilfe möglich ist: 12 427 junge Menschen wurden seit 1993 bundesweit (abzüglich Rückfälle) vor Obdachlosigkeit bewahrt und in ein sicheres Zuhause vermittelt. Allein im Jahr 2024 wurden trotz der angespannten Wohnungslage 917 junge Menschen untergebracht.

Zahl der Hilferufe steigt

Die Zahl der relevanten Hilferufe stieg im Jahr 2024 um 5347. Die digitale Beratungsplattform sofahopper.de verzeichnete mit 131 044 Website-Besuchen ein Plus von zehn Prozent. Die Nutzung von Beratungsvideos über sofahopper.de und YouTube stieg enorm: 114 061 Videoaufrufe und damit 61 Prozent mehr vollständige Ansichten wurden verzeichnet. 16 059 hilfesuchende Menschen, ein Plus von 35 Prozent, konnten somit sofort von den Off Road Kids Inhalten profitieren.

„Unsere Rechnung geht auf: Einfache Fragen beantworten wir digital, um unsere Expertenressourcen auf junge Menschen in existenziell bedrohlichen Lebenslagen zu fokussieren. Hier ist die persönliche Hilfe durch unsere erfahrenen Fachkräfte am wirkungsvollsten“, so Markus Seidel, Gründer und Vorstandssprecher der Off Road Kids Stiftung.

Off Road Kids plant, diesen Weg mit der Einführung eines auf Künstlicher Intelligenz (KI) basierenden Sprach- und Chat-Erstberatungsangebots fortzusetzen.

„Wir wollen jungen Menschen in existenzieller Not eine echte Chance geben“, betont Markus Seidel. „Digitale Beratung und KI sind wichtige Werkzeuge, aber entscheidend bleibt die persönliche Hilfe für die, die sie am dringendsten brauchen,“ so der Gründer der Hilfsorganisation.

Regionale Büros

Die Off Road Kids Stiftung betreibt regionale Streetwork- und Beratungsstationen in Berlin, Hamburg, Dortmund, Köln und Frankfurt. Ziel ist es, sofortige Krisenintervention zu leisten, Vertrauen aufzubauen und gemeinsam mit Betroffenen individuelle Lösungen zu entwickeln – von der Unterbringung in sicheren Wohnformen über Gesundheitsversorgung bis hin zur Integration in Schule, Ausbildung oder Beruf.