WM 2010 - Ghana - Deutschland Quelle: Unbekannt

Fußball-Deutschland atmet auf - und darf sich nach einem Traumtor von Mesut Özil auf den Klassiker gegen England freuen. Mit Zittern und viel Mühe hat die junge deutsche Mannschaft die extreme Drucksituation gegen Ghana gemeistert

Johannesburg - Fußball-Deutschland atmet auf - und darf sich nach einem Traumtor von Mesut Özil auf den Klassiker gegen England freuen. Mit Zittern und viel Mühe hat die junge deutsche Mannschaft die extreme Drucksituation gegen Ghana gemeistert.

Nach dem 1:0 (0:0) im Vorrunden-Finale kann es nun mit neuen Hoffnungen ins Achtelfinale der Weltmeisterschaft gegen den Erzrivalen von der Insel gehen.

"Das ist sicher eine besondere Begegnung. Das wird ein Spiel werden, das allen große Vorfreude bereitet. Wir werden versuchen, dann einige Dinge besser zu machen", sagte Bundestrainer Joachim Löw. "Man hat gemerkt, dass ein großer Druck auf der jungen Mannschaft lastet. Aber auch solche Spiele muss man gewinnen. Das haben wir geschafft und darüber bin ich glücklich."

Auch Matchwinner Özil war happy. "Ich musste schon vor der Halbzeit das 1:0 machen. Dass ich diese Chance vergeben habe, war sehr bitter für mich. Aber ich wusste, dass ich noch ein Tor mache. Vor mir stand keiner, das habe ich einfach geschossen", schilderte der Bremer die Szene in der 60. Minute, die die Partie vor 83 391 Zuschauern im Soccer City Stadion zugunsten der DFB-Auswahl entschied. "Wenn wir die Leistung von heute abrufen, können wir auch die Engländer bezwingen", blickte Özil selbstbewusst voraus.

"Die Mannschaft hat sich schwergetan"

"Die Mannschaft hat sich schwergetan. Ich hatte das Gefühl, da fehlte das Selbstbewusstsein. Aber ich glaube, gegen England wird es eine Leistungssteigerung geben", bilanzierte DFB-Präsident Theo Zwanziger die aufregenden 90 Minuten. Auch Kapitän Philipp Lahm atmete erleichtert auf: "Es war auch Glück dabei. Der Druck war groß, aber wir haben ihm standgehalten. Die Mannschaft ist jung und hat das bewältigt." Nun sei die Vorfreude auf England groß. Am Sonntag (16.00 Uhr) in Bloemfontein steht das 32. Duell gegen den Erzrivalen an.

Zu einem Problem könnte in diesem K.o.-Spiel eine Blessur des starken Bastian Schweinsteiger werden, der sich zehn Minuten vor dem Ende an den linken Oberschenkel griff und für Toni Kroos das Feld verließ. "Schweinsteiger musste raus, er hatte muskuläre Probleme", erklärte Löw, der die Auswechslung als "Vorsichtsmaßnahme" bezeichnete. Auch Matchwinner Özil humpelte leicht beim Gang in die Kabine. Von weiteren Gelben Karten blieben die fünf vorbelasteten deutschen Spieler in der Partie gegen die Ghanaer verschont.

Die Angst vor einem Versagen schien der deutschen Mannschaft im Alles-oder-Nichts-Spiel lange Zeit die Beine zu lähmen, einer schob die Verantwortung auf den anderen, dann wurde Özil noch Vorarbeit des jüngsten deutschen Spielers Thomas Müller zum Matchwinner. Der Bremer, der in der ersten Halbzeit eine Riesenchance ausgelassen hatte, jagte das Zuspiel des Münchners aus 18 Metern in den Torwinkel. Neun Minuten zuvor hatte eine Klasseparade von Torhüter Manuel Neuer gegen Andre Ayew das deutsche Team im Spiel gehalten.

Löws Schützlinge schienen dem nervlichen Druck kaum gewachsen, das galt aber nicht nur für die jungen Spieler, sondern auch einen Routinier wie Per Mertesacker. Der Bremer erwies sich mehr als Abwehrrisiko denn als Abwehrstütze und eröffnete den Ghanaern mit verlorenen Kopfball-Duellen mehrfach die Chance zum Tor. Gut, dass Neuer die Übersicht behielt. Auch Jerome Boateng, der auf der linken Abwehrseite für Holger Badstuber zum Zuge kam, lieferte gegen das Team seines Halbbruders Kevin-Prince eine solide Vorstellung.

In der Offensive lief das deutsche Spiel lange alles andere als rund. Schweinsteiger war praktisch der einzige, der sich im Mittelfeld um Struktur bemühte, doch dem Münchner fehlte die Unterstützung. Cacau als Vertreter des gesperrten Miroslav Klose und Lukas Podolski waren in ihren Aktionen zu ungenau.

Bei den "Black Stars" unterstrich Kevin-Prince Boateng, dass er in wenigen Wochen schon zum Leistungsträger seiner Mannschaft gereift ist. Der frühere Berliner, der mit seiner bösen Attacke Michael Ballack um die WM-Teilnahme gebracht hatte, war zentrale Anspielstation und leistete sich nicht ein einziges Foul.

Aktionen von übergroßer Nervosität geprägt

Bei optimalen Bedingungen, aber empfindlicher Kühle waren die ersten Aktionen des DFB-Teams von übergroßer Nervosität geprägt. Wie schon im Serbien-Spiel wurden die Angriffe meist zu zaghaft vorgetragen, nur selten ging es zielstrebig nach vorne. Dennoch wäre in der 10. Minute beinahe das Führungstor gefallen. Nach einer scharfen Hereingabe von Podolski verhinderte nur eine Blitzreaktion von Ghanas Keeper Richard Kingson ein Eigentor von Jonathan Mensah, der den Ball in Richtung kurze Ecke abgefälscht hatte.

Fünf Minuten später beschwor ein Stellungsfehler von Mertesacker erste Gefahr vor dem deutschen Tor herauf, Schweinsteiger klärte vor dem einschussbereiten Asamoah Gyan. Dann lief Özil (25.) nach Cacau- Zuspiel allein auf das ghanaische Tor zu und hätte das 1:0 machen müssen, doch der Bremer zielte genau auf den Körper von Kingson.

Im direkten Gegenzug rettete Lahm beim Kopfball von Gyan auf der Torlinie. Davor hatte erneut Kopfball-Riese Mertesacker ein Luftduell verloren. Ein Freistoß von Schweinsteiger (41.) brachte den unsicheren Kingson noch einmal in Bedrängnis, doch für den Abpraller war niemand zur Stelle. Die Unsicherheiten im deutschen Spiel setzten sich im zweiten Durchgang fort. Auch nach der Führung durch Özils Knaller spielten sich mehrfach bedrohliche Situationen vor Schlusmann Neuer ab. Ihre Konter trug Löws Elf dagegen häufig überhastet vor und verpasste damit das alles entscheidende 2:0.

(dpa)

  
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