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Zur Aussage von CDU-Politiker Günther Oettinger beim Dollenbergdialog in Bad Peterstal-Griesbach hat unser Leser Karl Schillinger aus Waldachtal folgende Meinung.

„Deutschland arbeitet zu wenig“, stellten die beiden Schirmherren des jüngsten Dollenbergdialogs in Bad Peterstal-Griesbach, Klaus Mangold und Günther Oettinger (CDU), unisono fest. Und das beim Vier-Gänge-Menü des Zwei-Sterne-Kochs.

 

Haben die beiden Herren überhaupt mal körperlich gearbeitet? Und haben sie nicht von den Steuern dieser Faulenzer gut gelebt?

Entwicklungen und Innovationen verschlafen

Kann es nicht sein, dass das Geschäftsmodell Deutschland auch Schwächen zeigt, weil viele Aufsichtsrats- und Vorstandsposten von inkompetenten und fachfremden Politikern und Lobbyisten besetzt sind, denen das schnelle Geld wichtiger ist als eine perspektivische und zukunftsorientierte Ausrichtung der Firmen, oder dass von Führungskräften Entwicklungen und Innovationen verschlafen wurden und werden? Es liegt nicht nur am Arbeiter.

Günther Oettinger hat dann noch einen rausgehauen, indem er fragt, ob Europa überhaupt noch relevant ist. Was die Relevanz von Europa betrifft, sollte einer, der im Glashaus sitzt, nicht mit Steinen werfen.

Neun Jahre in der EU-Kommission

Wer gehörte denn insgesamt neun Jahre der EU-Kommission an? Von 2010 bis 2014 war er Kommissar für Energie, bis 2016 für digitale Wirtschaft und bis 2019 für Haushalt und Personal.

Das ist wie wenn ein Bauer vier Jahre als Architekt, zwei Jahre als Programmierer und dann noch drei Jahre als Personalchef arbeitet – und das Ganze für ein Salär von mehr als 20 000 Euro plus Zulagen im Monat und Pensionsansprüchen.

Und jedes Land schickt nur seine besten Politiker nach Brüssel. Da muss man sich nicht wundern, was dabei herauskommt. Ähnlichkeiten mit Deutschland sind nicht zufällig.

Lobbyist des Fast-Fashion-Herstellers Shein

Vielleicht hätte Herr Oettinger sein Referat besser auf Englisch gehalten, dann hätte ihn wenigstens keiner verstanden, obwohl er schon 2009 forderte, dass heutzutage in Deutschland jeder Englisch können müsse, auch der Arbeiter an der Maschine.

Da wird Oettinger bei seiner Beratertätigkeit für Viktor Orban und als Lobbyist des chinesischen Fast-Fashion-Herstellers Shein kein Problem haben. Er ist eben ein echter Europäer.

Karl Schillinger, Waldachtal

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