Es ist ein überraschender Abgang im Luxushotel: Mehr als 20 Jahre war Alexander Aisenbrey nicht nur das Gesicht des Öschberghofs, sondern auch für die Hotellerie im Schwarzwald-Baar-Kreis.
Hoteldirektor Alexander Aisenbrey ist eine Ausnahme-Erscheinung, nicht nur, weil er groß gewachsen ist, sondern auch weil er in einer schnelllebigen, allgemein von vielen Veränderungen geprägten Branche eine echte Konstante war. Die „Aldi-Filale 53“, wie das Resort unter dem Dach des Discounters genannt worden ist, ein Golf- und Luxusresort Öschberghof ohne Alexander Aisenbrey an der Spitze, das schien unvorstellbar. Und doch ist gerade das ein Gedanke, an den man sich in der Region nun gewöhnen muss: Alexander Aisenbrey ging von Bord.
Hotel bestätigt
In der Branche sorgt die Personalie für Aufsehen. Am Luxushotel auf der Baar hingegen gibt man sich geheimnisvoll: Für die Zukunft sei man gut aufgestellt, wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht, im vergangenen Jahr sei die Führung erweitert und das Management neu strukturiert worden. Stellvertretende Geschäftsführerin ist Annika F. Stoll, die bereits seit langer Zeit Teil des Öschberghofs sei. „Hinzu kommt ein modern und breit aufgestelltes Management, das gemeinsam mit der Geschäftsführung die Geschicke des Hauses leitet“, so die Pressemitteilung. Auch gibt diese Einblick in die Zukunft Alexander Aisenbreys: Dieser wird sich als Strategieberater für die Hotellerie als Speaker, Coach und Berater selbstständig machen.
Seit 2003 war Alexander Aisenbrey Chef des Hotels von Aldi-Gründer Karl Albrecht und damit war der Hoteldirektor einer der wenigen, die seltene Einblicke in das Imperium des Discount-Königs erhielten. Bis zu Karl Albrechts Tod im Jahr 2014 ging dieser in dem Hotel, das er 1976 errichten ließ, quasi ein und aus. In der Regel inkognito – und dass das rund lief und ein weitgehend unbehelligtes Leben dort möglich war, verdankte der Milliardär auch dem diskreten Handeln des Hotelchefs.
Nicht immer einer Meinung
Trotzdem: Die Führungsriege bei Aldi Süd und Aisenbrey sollen nicht immer einer Meinung gewesen sein. So schreibt die Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung AHGZ in ihrem Bericht über Aisenbreys Ausscheiden von „kleineren, aber auch größeren Unstimmigkeiten zwischen Aisenbrey und der Geschäftsführung von Aldi Süd“, die „immer wieder“ aufgetreten seien.
Einiges bleibt ihm unbenommen: Den größten Meilenstein seiner Karriere dürfte Alexander Aisenbrey mit dem Ausbau des Öschberghofs gesetzt haben, der in eine von viel Prominenz begleiteten Eröffnung im Mai 2019 gipfelte – der damalige FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß und Fußball-Weltmeister Philipp Lahm, Moderator Reinhold Beckmann, Sportkommentator Marcel Reif, Fernsehmoderatorin Eva Brenner, der Sternekoch Alfons Schuhbeck oder Sänger Sasha, alle waren sie da.
Zuletzt wurde Aisenbreys Karriere gekrönt: Mit dem „Hotelier des Jahres“ heimste er 2021 den wohl bedeutendsten Branchenpreis, verliehen durch die AHG und die dfv Mediengruppe, ein.
Initiative gegründet
Ebenso wie Aisenbrey in „seiner“ Branche kein Unbekannter ist, so kennt er das Hotel- und Gaststättengewerbe in Deutschland quasi in- und auswendig. 2016 gründete er mit anderen Hoteliers die Initiative Fair Job Hotels, er betreibt nach wie vor das Unternehmen Aisenbrey Consulting, mit dem er andere Häuser strategisch berät, und er zählt zu den Vorständen der Denkfabrik „Zukunft der Gastwelt“ – Deutschlands ersten Thinktanks der Tourismus-, Hospitality- & Foodservice-Industrie.