Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) im St. Georgener Stadtgebiet wird ausgedünnt. Auch die Stadt springt nicht in die Bresche – aus gutem Grund, hieß es im Gemeinderat.
Einsparungen im innerörtlichen Busverkehr hatte der Kreistag im vergangenen Jahr beschlossen – mit Folgen auch für St. Georgen. Stadtverwaltung und Gemeinderat hatten sich in der Folge zunächst offengehalten, die Kosten für die gestrichenen Verbindungen selbst zu übernehmen – 31 400 Euro müsste St. Georgen dafür jährlich an den Landkreis zahlen.
Im Vergleich zu anderen Haushaltspositionen keine allzu große Summe. In weiser Voraussicht hatten Verwaltung und Gemeinderat Ende 2025 auch schon einmal 30 000 Euro für den Stadtlinienverkehr in den Haushaltsplan für 2026 aufgenommen.
Nun jedoch wird dieses Geld nicht genutzt – einstimmig beschloss der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung, die Streichungen des Landkreises im Stadtlinienverkehr nicht zu kompensieren. Damit wird eine Reihe von innerstädtischen Busfahrten – wie vom Kreistag beschlossen – gestrichen.
Auch wenn damit das ÖPNV-Angebot leicht schrumpft, sehen Verwaltung und Gremium das nicht als Beinbruch an, wie in der Sitzung klar wurde. Das hat einfache Gründe: Zum einen sind von den Kürzungen in St. Georgen keine ganzen Linien betroffen, sondern nur einzelne Fahrten diverser Buslinien. Zum anderen handelt es sich bei den betroffenen Fahrten, um solche, die ohnehin kaum genutzt werden. Das zeigen die Zahlen des Landkreises: Diesen zufolge haben die Streich-Fahrten eine Auslastung von im Schnitt maximal 8,5 Fahrgästen. Einige der Busfahrten werden sogar gar nicht genutzt – null Fahrgäste hier stehen in der Statistik des Landkreises.
Frage: Sind wichtige Linien betroffen?
Vor diesem Hintergrund mache es keinen Sinn, die Linien, die ins Visier der Sparkommission des Kreistags geraten waren, als Stadt zu finanzieren, betonte Bürgermeister Michael Rieger in der Sitzung des Gemeinderats. Damit werden die Streichungen so umgesetzt, wie der Landkreis sie ´on Anfang an vorgesehen hatte.
Dennoch zeigte sich Bürgermeister Rieger froh, dass man in St. Georgen diesen Weg gewählt und die Kürzungen noch einmal hinterfragt hatte. „Wir hätten das auch einfach akzeptieren können“, erklärte er. „Aber wir wollten uns überlegen, ob es Sinn macht, diesen Stadtverkehr selbst zu finanzieren – für den Fall, dass es wichtige Linien sind, unverzichtbare Linien, Linien, die gut genutzt werden.“
Da genau das, wie die Zahlen zeigen, nicht der Fall sei, tat sich der Gemeinderat auch nicht weiter schwer, die Finanzierung der ÖPNV-Streichungen abzulehnen. „Es sind keine Verbindungen, die uns weh tun“, bekräftigte Bürgermeister Rieger. Dem pflichtete aus dem Reihen des Gemeinderats unter anderem Hedwig König (Freie Wähler) bei: „Wieso sollten wir einen leeren Bus fahren lassen?“ Das mache keinen Sinn – und zwar nicht nur finanziell.
Nutzung lässt zu wünschen übrig
Dass das ÖPNV-Angebot landkreisweit in diesen Tagen wieder schrumpfe, sei schade, aber in der Nachfrage begründet, erklärte Rieger. „Man hat mit viel gutem Willen versucht, im Kreis ein gutes Angebot aufzubauen“, fasste er einen langen Prozess mit Bürgerbeteiligung und Co. zusammen. Dabei habe man auch viele Wünsche potenzieller Nutzer eingearbeitet, erinnerte sich der Bürgermeister. Doch in einigen Fällen sei die Nutzung der neu geschaffenen Angebote deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Das habe nun Folgen.