Leere Busse, die will niemand. Doch den Sparkurs der Stadt mit weniger Verbindungen ab 2027 hätte ein Nahverkehrs-Experte und häufiger Nutzer gerne etwas ausgebremst.
Armin Schott, Mitglied bei den Bündnisgrünen im städtischen Gemeinderat, war in einer Sitzung des Gemeinderates mit seiner Fraktion so gut wie die einzige kritische Stimme, die zu hören war, als es um die Ergänzung zur Neuausschreibung für den Buslinienverkehr ab 1. Januar 2027 ging.
Eine Veränderung im städtischen Nahverkehr, die das Gremium letztendlich mit 21 Ja-, fünf Neinstimmen und drei Enthaltungen abgesegnete. Schotts Kritikpunkte fingen schon bei der Vorbereitung zur Gemeinderatssitzung an: „Die detaillierten Ergänzungen zur Vorlage kamen erst einen Tag vor dem vorberatenden nichtöffentlichen Fachausschuss, zu kurz, um das wichtige Thema besser diskutieren zu können.“
Schott radelt nicht nur, wenn es sein muss und der Ringzug rappelvoll ist, auch mal schnell nach Tuttlingen zu einem Rockevent, er sieht auch, wie immer mehr Menschen den öffentlichen Personennahverkehr nutzen. Mit den Vorgaben in der öffentlichen Ausschreibung sieht er eher einen gegenteiligen Effekt, und dass Kunden wieder abspringen.
„Es braucht Verlässlichkeit“
„Denn gerade beim ÖPNV“, so Schott im Gespräch mit unserer Redaktion, brauche es Verlässlichkeit und nicht ständig Neuerungen und Veränderungen. „Ein verlorener Kunde kommt kaum wieder zurück.“
Die einzelnen Punkte seien zwar kein Drama, es mache aber die Summe einschließlich geplanter erhöhter Fahrpreise. „Mir war nicht bewusst, dass so viel gestrichen wird“, kommentierte der Grünen-Stadtrat die geplanten Ausdünnungen. „Wenn häufig leere Busse umher fahren, dann ist es keine Frage, dann darf auch gekürzt und damit gespart werden. Aber bei einigen Linien hätte man wirklich besser drauf schauen müssen.“
Nicht mehr quer durch die Stadt
Nehmen wir zum Beispiel die Linie 1, bisher eine „Quer-durch-die-Stadt-Linie“, die von der Villinger Hammerhalde im Westen der Doppelstadt bis in den Schwenninger Osten auf Rinelen führte.
Ab 2027 soll damit Schluss sein: Endstation ist ab 1. Januar 2027 der Schwenninger Busbahnhof, dann müssen Fahrgäste auf die Linie 3 umsteigen. „Das bringt insbesondere in den Stoßzeiten möglicherweise Wartezeiten mit sich und verprellt gerade bei schlechtem Wetter ältere Fahrgäste“, sieht Armin Schott jetzt schon Probleme.
Und so gebe es viele weitere Änderungen bei den Linien, zumal der Landkreis zum Teil auf den gleichen Strecken auch streicht.
Unverständnis auch bei einem anderen Punkt zum gleichen Thema: Der Linienbus oder der heutige Rufbus soll insbesondere in den Randzeiten durch ein Taxi On-Demand-Systems ersetzt werden, zeitweise nur noch im Zwei-Stunden-Takt laufen.
Auch hier setzt Schott mit Kritik an: Erst sollte ein solches neues System sicher aufgebaut und Erfahrungen gesammelt werden, „ob es überhaupt funktioniert, bevor das bestehende abgeschafft werde, sonst sind weitere Kunden weg“.
Abschließend für seine Fraktion besonders gravierend sei, dass in den nächsten Jahren noch Dieselbusse anstatt subventionierter E-Busse von den Busunternehmen angeschafft werden müssen.