Transportunternehmen – hier eine Aufnahme vom Balinger Busbahnhof – klagen über die hohen Dieselpreise. Foto: Maier

Wenn am 12. September die Schule wieder losgeht, droht den Schülern neues Ungemach. Nicht nur, weil die Ferien zu Ende sind, sondern weil im Zollernalbkreis drei Busunternehmen ihre Leistungen gekündigt haben. Grund sind die rasant steigenden Dieselpreise und die Tatsache, dass der Steuernachlass im September wieder abgeschafft wird.

Zollernalbkreis - Der nach wie vor sehr hohe Dieselpreis wird zum 1. September erneut in schwindelerregende Höhen steigen – zu diesem Zeitpunkt endet die auf drei Monate befriste Reduzierung der Energiesteuer. Die Energiesteuer auf Diesel steigt dann wieder auf 47 Cent je Liter; in den zurückliegenden Monaten lag diese bei 33 Cent pro Liter.

Im Zollernalbkreis hat laut Angaben des Verbands Baden-Württembergischer Busunternehmen (WBO) eine Bietergemeinschaft aus drei Unternehmen ihre Subunternehmerleistungen in drei Linienbündeln zum 11. September gekündigt. In Reutlingen würden sieben Verkehrsunternehmen ebenfalls mit der Kündigung ihrer Leistungen drohen. "Subunternehmer sind in dieser Krise am Schlimmsten dran", sagt Yvonne Hüneburg, Stellvertretende WBO-Geschäftsführerin. "Als schwächstes Glied in der Kette sind sie rein vom Auftraggeber abhängig." Und der Auftraggeber ist der Landkreis.

"Folgen für die Fahrgäste"

Die Misere wird aus Sicht des WBO auch Folgen für die Fahrgäste haben: Die Tickets werden teurer werden. Preisanpassungen sind aus Sicht des Verbandes als Konsequenz unumgänglich. "Wir haben massive Kostensteigerungen in allen Segmenten", betont Ulrich Rau, ÖPNV-Vorstand des WBO

In der Pflicht sind dabei die Landkreise, denn sie sind bezahlen die Busunternehmen. Wie das Landratsamt des Zollernalbkreises auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilte, fanden anlässlich der extremen Energiekostensteigerungen und des seit dem 1. Januar 2022 gültigen Manteltarifvertrages in den vergangenen Monaten viele und intensive Abstimmungsgespräche zwischen den Verkehrsunternehmen und Aufgabenträgern des naldo-Verbunds statt. "Ziel war es dabei immer, eine gerechte Lösung für alle Beteiligten herbeizuführen. Hierzu gehören auch die Kunden." Letztlich sei es unumgänglich gewesen, eine Tarifanpassung zum 1. Oktober vorzunehmen.

Um die Tarifanpassung gerade noch marktverträglich zu gestalten, hätten die naldo-Landkreise hohe Zuschüsse zur Stabilisierung des Tarifs investiert. Der Zollernalbkreis habe hierbei mit rund 670 000 Euro bereits einen enormen Beitrag zur Aufrechterhaltung des öffentlichen Personenverkehrs geleistet. Auch im kommenden Jahr würden die Landkreise weitere tarifunterstützende Maßnahme tätigen.

Weiter heißt es: "Dem Landratsamt liegen aktuell keine Kündigungen von unseren Auftragnehmern vor. Diese sind dem Zollernalbkreis gegenüber vertraglich verpflichtet, die bestellten Fahrten sicherzustellen. Unabhängig dessen ist uns bekannt, dass drei Subunternehmen bei ihren Partnern Kündigungen eingereicht haben." Mit den betroffenen Verkehrsunternehmen als Auftragnehmer stehe das Landratsamt im engen Austausch. Pressesprecherin Marisa Hahn betont: "Wir sind optimistisch, erneut eine zufriedenstellende Lösung zu finden. Ziel ist es hierbei, einen gerechten finanziellen Ausgleich für die Subunternehmen zu erreichen sowie den öffentlichen Personennahverkehr zum Schulstart sicherzustellen."

naldo erhöht Tarife ab 1. Oktober

Der Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau, abgekürzt Naldo, ein Zusammenschluss der Landkreise Zollernalbkreis Reutlingen, Tübingen und Sigmaringen sowie der 53 Verkehrsunternehmen der Region für den öffentlichen Personennahverkehr hat mit den Kündigungen nichts zu tun, wie Anne Lohmüller von dessen Pressestelle betont. Dennoch hat der Aufsichtsrat des Unternehmens mit Sitz in Hechingen beschlossen, seine Tarife zum 1. Oktober um durchschnittlich 6,3 Prozent zu erhöhen.

Einnahmen fehlen

"Nach zwei schweren Corona-Jahren haben unsere Verkehrsunternehmen seit dem Frühjahr mit stark gestiegenen Treibstoff- und Personalkosten zu kämpfen. Auch die Fahrgastzahlen haben leider noch nicht das Vor-Corona-Niveau erreicht, sodass den Unternehmen wichtige Einnahmen in der Kasse fehlen", erklärt Naldo-Geschäftsführer Christoph Heneka.