Im Technischen Ausschuss des Kreistags Freudenstadt gibt es einen Vorgeschmack auf die Haushaltsdebatte. Warum Wolfgang Kronenbitter das Aus des ÖPNV-Taxis fordert.
Vier Jahre nach der Einführung ist das ÖPNV-Taxi so beliebt wie nie: Täglich werden fast 300 Fahrten gelöst. Doch kann der Landkreis die Kosten noch stemmen?
Im Technischen Ausschuss gibt es den Lagebericht zum Öffi-Taxi – 2021 als Pilotprojekt im Landkreis Freudenstadt in Horb gestartet, bis Ende 2026 vom Land gefördert. Doch vor der startenden Haushaltsdiskussion ist die Frage: Kann man sich das noch leisten?
Marlene Krech von der Zentralstelle führt aus: Für das ÖPNV-Taxi sollen 3,5 Millionen Euro in den neuen Haushalt 2026 gestellt werden. Als Einnahmen gibt es 360 000 Euro Zuschuss vom Land. Die Fahrgäste zahlen 300 000 Euro Zuschläge (ab ein Euro unter 18 Jahren und zwei Euro über 18 Jahren).
Das kostet das Öffi-Taxi den Landkreis
Das Land würde 2026 noch einmal 300 000 Euro geben, wenn diese Zuschläge nicht erhöht werden. Heißt: Der Landkreis müsste im kommenden Jahr 2,5 Millionen Euro aus der Kreiskasse nehmen.
Kreisrat Wolfgang Kronenbitter (Freie Wähler): „Finanziell ist das Öffi-Taxi für den Landkreis nicht mehr tragbar. Für mich ist die Frage: Steigen wir 2026 aus oder 2029?“
Dieter Bischoff (FW): „Das ÖPNV-Taxi ist eine tolle Geschichte. Aber wir haben nicht genügend Geld. Die Finanzierung des Landes läuft fünf Jahre, wir sind verpflichtet zu acht Jahren. Sonst müssen wir die Förderung zurückzahlen. Man muss überlegen, ob man auf solche Züge noch aufspringt.“
Krech: „Wir gehen davon aus, dass wir im Jahr 2026 nicht die veranschlagten 3,5 Millionen Euro benötigen. Während wir im Juni 300 000 Euro monatlich gebraucht haben, sind wir derzeit bei rund 230 000 Euro Kosten.“ Setzt sich das fort, liegen rein rechnerisch die Landkreis-Kosten 2026 bei 2,76 Millionen Euro.
So wurden die Kosten fürs Ruf-Taxi optimiert
Marlene Krech: „Mehrere Fahrgäste werden, wenn es passt, in einer Taxifahrt kombiniert.“ Dazu würde man alle zwei Wochen Parameter in der App ändern – um zu schauen, welche Lenkungswirkung das hat.
Dominic Damrath (CDU): „Das ist ja fast wie bei der Rentendiskussion im Bund: Wir entscheiden uns für ein enormes Defizit für Ältere (gemeint: Geriatrische Reha Horb; Anmerkung der Redaktion) und wollen das streichen, wo es Vorteile für junge Leute gibt.“
Lob für das Angebot
Gerhard Geiser (SPD): „Orte, die abseits der großen Bahnhalte liegen, geraten ohne das Öffi-Taxi ins Abseits. Wir haben früher ganze Buslinien für diese Orte betrieben – das fällt jetzt weg. Da ist das Ruftaxi günstiger.“ Julian Osswald (CDU): „Früher war das Thema der Jugendlichen: Wie komme ich in die Kernstadt? Das hört man jetzt gar nicht mehr.“
Marlene Krech: „Hotellerie und Firmen melden immer wieder zurück: Ohne das Öffi-Taxi würden wir gar keine Azubis bekommen.“
Franz Schweizer (CDU), Geschäftsführer Verkehrs-Gemeinschaft Landkreis Freudenstadt (vgf): „Ich schlage ein Gewinnspiel vor, um zu ermitteln, wer wann das Öffi-Taxi wirklich nutzt. Dann haben wir Daten zur Weiterentwicklung.“ Er betont, dass auch die vgf vom Ruftaxi lernt: „Wir werden jetzt in Horb aufgrund der Nachfrage den Buslinienverkehr verbessern.“ Sitzungsleiter Reinhard Geiser: „Die Idee mit dem Gewinnspiel nehmen wir mit.“
So denken Kreistagsmitglieder über die Nationalpark-Busse
Zahlen
Die Fahrgastzahl auf der Linie 100 (Freudenstadt-Ruhestein) ist von 73 130 (2021) auf 98 286 (Jahr 2024) gestiegen. Linie 200 (Baiersbronn-Ruhestein): 45 000 (Jahr 2021) auf 81 408 in 2024.
Kosten
Derzeit zahlt der Landkreis 505 000 Euro im Jahr Eigenanteil.
Lob
Gerhard Gaiser (SPD): „Ein Erfolgsmodell, wenn ich die Zahlen runterbreche. Die täglichen Nutzer ab Freudenstadt sind 270 Personen, ab Baiersbronn 223 Personen.“
Kritik
Dieter Bischoff (FW): „Es gibt lange Wartezeiten auf dem Ruhestein Richtung Osten.“ Elisabeth Gebele (Grüne): „Bei Wind und Wetter 30 Minuten auf dem Ruhestein zu warten, geht nicht. Das sollte man so takten, dass lieber an den Bahnhöfen zehn Minuten Wartezeit ist.“
Das sagt die vgf
Franz Schweizer: „Das Land besteht darauf, dass die Busse auf die Abfahrtszeiten an den Bahnhöfen bei uns als auch im Badischen getaktet sind.“