Beim ÖPNV im Kreis Rottweil sollen die täglichen Fahrgastzahlen erhoben werden – ein enormer Aufwand, sind doch 75 Fahrzeuge betroffen. Und es gibt eine Befürchtung: dass geringe Fahrgastzahlen zu einem Förderstopp für manche Buslinie führen könnten.
Das Land Baden-Württemberg wird seine Zuweisungen ab 2026 stärker an Fahrgastzahlen koppeln, kündigte Nahverkehrsamtsleiterin Heike Kopp im Kreisverwaltungsausschuss an. Auf diese ist der Landkreis angewiesen, um sein Angebot an Verkehrs- und Tarifleistungen im ÖPNV aufrecht erhalten zu können.
Um die Zuweisungen weiterhin zu erhalten, sei es erforderlich, Automatische Fahrgastzählsysteme (AFZS) einzuführen. Der Kreis Rottweil möchte sich dafür dem Cluster Südbaden anschließen. Die technische und fachliche Leitung würde damit beim Regio-Verkehrsverbund Freiburg und der Freiburger Verkehrs AG liegen.
Keine Wahl
Der Landkreis müsste sich um die Beschaffung der Soft- und Hardware, die Betreuung und die Wartung kümmern.
„Das Land bestellt, und die Kommunen zahlen“, äußerte sich FWV-Kreisrat Markus Huber kritisch und wollte wissen, was dabei für die Kommunen herausspringe.
Ohne Einführung des Systems werde es die Mittel vom Land in Höhe von rund 4,9 Millionen Euro in Zukunft sicherlich nicht mehr geben, prognostizierte Heike Kopp. Und stellte fest: „Wir haben keine Wahl“ – auch wenn es einen riesigen zeitlichen und finanziellen Aufwand bedeute. Denn die Fahrgastzahlen müssten täglich ausgewertet werden. „Das Land macht sich da einen schlanken Fuß“, kommentierte Landrat Wolf-Rüdiger Michel die Lage.
Je mehr Fahrgäste, desto besser
AfD-Kreisrat Emil Sänze wollte wissen, ob gewisse Linien dann vielleicht nicht mehr gefördert würden, wenn die Fahrgastzahlen zu niedrig seien. Um eine linienscharfe Trennung werde es nicht gehen, meinte der Landrat.
Gleichwohl gelte: Je mehr Fahrgäste, desto besser. Bei mancher Buslinie, die teilweise nur 1,1 Fahrgäste pro Fahrt transportiere, habe man sich ja schon auf Kreisebene Gedanken darüber gemacht, ob man diesen Bus weiter fahren lassen sollte.
37 von 75 Fahrzeugen werden in der ersten Runde ausgestattet
Mit dem Fahrgastzählsystem ausgestattet werden zunächst die SBG-Busse im Landkreis, kündigte Heike Kopp an. Dabei handelt es sich um 37 Fahrzeuge: 30 „Zweitürer“ und sieben „Dreitürer“. Die Systeme würden in die Fahrzeuge mit den längsten Linienlaufzeiten eingebaut, erklärte Kopp.
Die Ausstattung weiterer Verkehrsunternehmen im Landkreis Rottweil folge dann, sobald die Förderrichtlinie vorliege. Insgesamt sollen 75 Fahrzeuge ausgestattet werden.
Fahrzeughardware und technische Betreuung (Einbaukoordination, Wartung, Support und mehr) sollen aus organisatorischen und wirtschaftlichen Gründen durch die SBG bezogen werden, hieß es im Kreisausschuss.
Landkreis geht in Vorleistung
Für Zählgeräte, Einbau in die Busse, Zertifizierung und Planung wird von Gesamtkosten in Höhe von 363 000 Euro ausgegangen. Die Summe der beantragten Zuwendung vom Land belaufe sich auf rund 280 500 Euro. Für den Landkreis würden damit 82 500 Euro als Eigenanteil bleiben. Mit den Kosten für die Beschaffung der Software erhöhen sich die Investitionskosten auf 139 500 Euro.
Hinzu kämen noch jährliche Kosten in Höhe von rund 18 000 Euro für die Wartung und die Lizenz. Es handle sich jedoch noch um eine vorläufige Kostenschätzung, da die endgültigen Förderrichtlinien des Landes noch ausstünden. Der Landkreis muss also in Vorleistung gehen und hat 565 000 Euro im aktuellen Haushaltsjahr dafür eingeplant.
Bereits 2026 sollen dann die Zähldaten erhoben und an das Land gemeldet werden.