Im Verwaltungsausschuss geht es zur Sache. Das Wiederauflebenlassen der Strecke Rottweil – Balingen sorgt für regen Redebedarf. Doch steht man grundsätzlichen Gesprächen mit dem Zollernalbkreis zum weiteren gemeinsamen Vorgehen positiv gegenüber.
Von realitätsfernen Luftschlössern einerseits, von einer einmaligen Jahrhundertchance andererseits war im Verwaltungsausschuss die Rede, als die Reaktivierung der Eisenbahnstrecke Rottweil - Balingen diskutiert wird.
Vorangegangen war im Juni die Vorstellung einer Machbarkeitsstudie im Landratsamt Zollernalbkreis, bei der Optionen zur erneuten Inbetriebnahme der stillgelegten Strecke vorgestellt wurden. Die Studie entstand auf Initiative des Landratsamts, Anliegerkommunen, Unternehmen sowie der IHK Reutlingen. Der Kreis Rottweil beteiligte sich hingegen nicht.
Während die Bestandsstrecke von Balingen nach Schömberg ohne Konkurrenz sei, gäbe es von Schömberg weiter nach Rottweil zwei Alternativen – eine Süd- und eine Nordvariante, fasst Verkehrsdezernent Oliver Brodmann die Ergebnisse des Treffens zusammen.
Nordvariante mit Neubau
Erstere folge der alten Schienenstrecke. Die Nordvariante hingegen passiere Neukirch und Zepfenhan. Es handele sich dabei nicht um eine reine Reaktivierung, sondern auch um den Neubau von 11,8 Kilometer Strecke samt einer Brücke im Neckartal und eines Tunnels beim Berner Feld. „Die Förderung durch den Bund beträgt hier nur 75 Prozent“, erklärt Brodmann.
Bei echten Reaktivierungen betrage der Zuschuss hingegen bis zu 90 Prozent. Darüber hinaus fördere das Land 57,5 Prozent der nicht vom Bund abgedeckten Bau- und Planungskosten.
Das Gesamtprojekt schlägt mit geschätzten 300 Millionen Euro zu Buche. Nach Abzug der Bundes- (187,5 Millionen Euro) und Landeszuschüsse (35,9 Millionen Euro) sowie des im Zollernalbkreis liegenden Streckenabschnitts (50 Millionen Euro) müsse der Kreis Rottweil für rund 26,6 Millionen Euro aufkommen.
Jahrhundertchance oder Luftschloss
„Dieses Jahrhundert wird auf der Trasse kein Zug fahren“, prophezeit Ralf Ulbrich (SPD). Denn der Bund schaffe es ja nicht einmal, die vorhandene Schieneninfrastruktur zu erhalten. Da sei der Bau von neuen Streckenabschnitten illusorisch. „Wir sollten keine Luftschlösser propagieren, die nicht fertig werden“, warnt er.
Dem hält Thomas Albrecht (CDU) entgegen, dass es sich um eine Jahrhundertchance handele, die man wahrnehmen sollte. „Die Sache nicht ad acta legen, sondern anfangen, dicke Bretter zu bohren“, lautet seine Empfehlung.
Verkehrsdezernent Brodmann skizziert die nun folgenden Schritte. Zuerst müsse man mit dem Zollernalbkreis über das geplante Projekt ins Gespräch kommen und abwarten, bis die endgültige Fassung der Machbarkeitsstudie vorläge. Denn die finale Fertigstellung des Papiers, das von der DB Consulting erarbeitet wurde, benötige noch Zeit.
Das Gremium nimmt die aktuelle Sachlage zu Kenntnis und steht kommenden Gesprächen mit dem Nachbarkreis hinsichtlich weiterer Informationen positiv gegenüber.